Beschäftigung ausländischer Fachkräfte

Der Fachkräftebedarf der Unternehmen lässt sich bei immer mehr vom Arbeitsmarkt gefragten Qualifikationen allein mit einheimischen Potenzialen nicht mehr decken. Daher setzt sich die IHK zu Leipzig gegenüber der Politik für erleichterte Zuwanderungsbedingungen für dringend benötigte Fachkräfte ein.

Zudem arbeiten wir aktiv an der Verbesserung der Willkommenskultur mit und informieren unsere Mitgliedsunternehmen über aktuelle Möglichkeiten der Fachkräfteakquise aus dem Ausland sowie über entsprechende Projekte, Aktivitäten und Fördermöglichkeiten.

Unser IHK-Merkblatt zur Arbeitnehmerfreizügigkeit vermittelt interessierten Betrieben und Unternehmen einen guten Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Beschäftigung von Ausländern in Deutschland. Differenziert nach Ländergruppen, Qualifikation und Aufenthaltsstatus stellt das Merkblatt wesentliche Informationen zur Verfügung und verweist dabei auf weitere Anlaufstellen.

Themendossier des Fachinformationszentrums Zuwanderung Leipzig

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (seit März 2020)

Im Juni 2019 haben Bundestag und Bundesrat zahlreiche Gesetzesänderungen im Rahmen des so genannten „Migrationspakets“ beschlossen.  Mit dem „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ zählt hierzu auch das in der Öffentlichkeit am stärksten diskutierte Gesetzesvorhaben. Das Gesetz trat am 1. März 2020 in Kraft und öffnet neue Perspektiven für die Rekrutierung beruflich qualifizierter Fachkräfte im Ausland.

  • Was ist das Ziel?
  • Gibt es weitere maßgebliche Neuerungen?
  • Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
  • Wie und durch wen können ausländische Abschlüsse anerkannt werden?
  • Gibt es eine Möglichkeit für Unternehmen, ihre ausländischen Fachkräfte bei der Beantragung zu unterstützen und den Prozess insgesamt zu beschleunigen?

Ziel des neuen Gesetzes ist die erleichterte und gezielte Zuwanderung von beruflich qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten („Drittstaaten“). Neu dabei ist, dass nicht mehr ausschließlich Hochschulabsolventen, sondern auch Personen mit einer qualifizierten Berufsausbildung fortan als Fachkräfte gelten. Erfüllt eine ausländische Fachkraft die notwendigen Voraussetzungen (siehe unten), kann die entsprechende Ausländerbehörde die Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsaufnahme erteilen. Anschließend besteht für die Fachkraft künftig bereits nach vierjähriger Berufsausübung die Möglichkeit, mit der Niederlassungserlaubnis einen unbefristeten Aufenthaltstitel in Deutschland zu erhalten.

Die sogenannte Vorrangprüfung durch die Agentur für Arbeit (BA) entfällt für ausgebildete Fachkräfte. Vor der Einführung des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes musste der jeweilige Betrieb nachweisen, dass die offene Stelle nicht mit einem Bewerber aus Deutschland oder der EU besetzt werden kann. Neben der Aufhebung dieser Prüfung entfällt zusätzlich die Begrenzung qualifizierter Zuwanderung auf die sogenannten Mangelberufe („Positivliste“). Eine weitere wichtige Neuerung ist die geschaffene Möglichkeit der Einreise zur Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen und zur Jobsuche. Um die Stellenbesetzung auch für Unternehmen zu erleichtern, können bspw. Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung unter bestimmten Bedingungen nun für sechs Monate zur Arbeitsplatzsuche nach Deutschland einreisen.

Damit eine Fachkraft in Deutschland arbeiten darf, müssen generell zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Dazu zählt neben einem konkret vorliegenden Arbeitsplatzangebot (nachgewiesen durch einen Arbeitsvertrag) insbesondere die Anerkennung der beruflichen Qualifikation als gleichwertig. Da die Berufsqualifikation bereits für das Visum zur Einreise nach Deutschland und später für die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsaufnahme anerkannt sein muss, empfiehlt es sich, die Anerkennung schnellstmöglich aus dem Ausland in die Wege zu leiten.

In einem gesetzlich geregelten Verfahren wird geprüft, ob die vorliegende Berufsausbildung zu einer vergleichbaren deutschen Ausbildung als gleichwertig eingestuft werden kann. Ausländische Berufsabschlüsse im Bereich der Industrie- und Handelskammern werden durch die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) auf ihre Gleichwertigkeit zu deutschen Berufsabschlüssen geprüft.

Vor der Beantragung einer Anerkennung empfiehlt sich eine Erstberatung. Als Ansprechpartnerinnen der IHK zu Leipzig stehen Ihnen hierfür Frau Kuhnt und Frau Wenzel zur Verfügung.

E-Mail: anerkennungen@leipzig.ihk.de, Tel.: 0341 1267-1475

Nach einer Prüfung erteilt die zuständige Anerkennungsstelle einen Bescheid über die Feststellung der Gleichwertigkeit der ausländischen Qualifikation. Hierbei sind grundsätzlich drei verschiedene Ergebnisse zu unterscheiden.  

Mit einem vollen Gleichwertigkeitsbescheid erhalten Antragstellende ein offizielles und rechtssicheres Dokument, das die Gleichwertigkeit der ausländischen Qualifikation mit der entsprechenden deutschen Referenzqualifikation bestätigt.

Bei teilweiser Gleichwertigkeit muss die ausländische Fachkraft für eine Beschäftigung die im Bescheid dokumentierten Defizite ausgleichen. Häufig wird fehlende Praxiserfahrung als ein solches Defizit aufgeführt. Geeignete Maßnahmen zum Ausgleich (sog. Anpassungsmaßnahmen) werden in Form individueller Qualifizierungsschritte zusammengestellt.

Für die Durchführung von Qualifizierungsberatungen und der sich anschließenden Förderung der Qualifizierungen können Sie sich gern an das IQ Netzwerk Sachsen als geeignete Anlaufstelle wenden.

Bestehen zu große oder nicht ausgleichbare Unterschiede, erfolgt eine Ablehnung der Berufsanerkennung.

Ja, die Unternehmen können sich aktiv beteiligen. Hierfür wurde vom Gesetzgeber das sog. „beschleunigte Fachkräfteverfahren“ (§81a Aufenthaltsgesetz) geschaffen.

Mit dem neuen beschleunigten Verfahren haben Arbeitgeber die Möglichkeit, für die Einreise einer bestimmten Fachkraft aus dem Ausland eine Vorabzustimmung der Ausländerbehörde zu einem Visum zu erhalten. Unter Vorlage dieser Vorabzustimmung bei der deutschen Auslandsvertretung wird das Visumsverfahren beschleunigt durchgeführt.

Die zuständige Ausländerbehörde dient während des Verfahrens als zentraler Ansprechpartner im Inland, leitet alle weiteren behördliche Schritte ein (u. a. das Verfahren zur Anerkennung der ausländischen Qualifikation) und beteiligt die erforderlichen Stellen. Bei der Verfahrensdauer gelten besondere gesetzliche Fristen. Sofern alle notwendigen Dokumente rechtzeitig vorliegen, ist die Erteilung der Vorabzustimmung nach frühestens fünf Monaten möglich. Das beschleunigte Verfahren ist mit einer Gebühr von 411 Euro kostenpflichtig.

Weitere ausführliche Informationen zum beschleunigten Fachkräfteverfahren erhalten Sie auf den Seiten des Sächsischen Staatsministeriums des Innern.

Individuelle Beratungsangebote für Unternehmen

Fachinformationszentrum Zuwanderung Leipzig
Georg-Schumann-Str. 173
04159 Leipzig
Telefon: 0341 580 88 20 20
E-Mail: fizu-leipzig@exis.de
 

„Arbeit und Leben in Deutschland“
Vermittelt Anerkennungsinteressierte zielgerichtet an die neu eingerichtete Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA)

Telefon: 030 1815-1111

Weitere Themen

Gehaltsuntergrenzen für die Blaue Karte EU im Jahr 2021

Die Blaue Karte EU bleibt als Aufenthaltstitel weiterhin erhalten. Die Rechengrößen der Sozialversicherung - und hier konkret die aktuell gültige Betragsbemessungsgrenze West der allgemeinen Rentenversicherung - bilden deutschlandweit die Grundlage für die Festlegung der Mindestgehälter für die Erteilung der Blauen Karte EU. Somit beträgt das Mindestjahresgehalt im Jahr 2021 für die Blaue Karte EU 56.800 Euro. Für Mangelberufe nach § 2 Absatz 2 Satz 1 Beschäftigungsverordnung beträgt das Mindestjahresgehalt 44.304 Euro.

Information zur Beschäftigung Staatsangehöriger aus Großbritannien und Nordirland ab 2021

Großbritannien und Nordirland sind mit Vollzug des Brexits seit dem 1. Februar 2020 nicht mehr Mitglied der Europäischen Union. Da bis zum 31. Dezember 2020 jedoch eine Übergangsphase beschlossen wurde, bleibt die Arbeitnehmerfreizügigkeit als Unionsrecht bis zu diesem Zeitpunkt erhalten. Britische Staatsangehörige können somit während dieser Übergangsphase unproblematisch eingestellt werden.

Für die Zeit nach der Übergangsphase, also ab dem 1. Januar 2021, enthält das Austrittsabkommen gesonderte Regelungen für diejenigen britischen Arbeitnehmer, die bereits zum Ende der Übergangsphase in einem EU-Mitgliedstaat leben. Diese können weiter auf Lebenszeit in dem jeweiligen EU‑Mitgliedstaat arbeiten, in dem sie am Ende der Übergangsphase tätig waren. Für Arbeitgeber bedeutet dies, dass eine Weiterbeschäftigung hier ohne Vorlage weiterer Dokumente möglich ist.

Staatsangehörige Großbritanniens und Nordirlands, die bis zum 31. Dezember 2020 keiner Beschäftigung in Deutschland nachgegangen sind, erhalten unabhängig von ihrer formalen Berufsqualifikation und vom Sitz des Arbeitgebers den gleichen Arbeitsmarktzugang zur Ausübung jeder Beschäftigung, wie es ihn bereits für Staatsangehörige anderer wichtiger Handelspartner gibt
(u. a. USA, Japan oder Australien). Großbritannien und Nordirland werden hierfür in die Liste der Staaten aufgenommen, deren Angehörige auch für einen längerfristigen Aufenthalt zunächst visumfrei in das Bundesgebiet einreisen dürfen. Die Bundesagentur für Arbeit muss einer Beschäftigung allerdings mit Vorrangprüfung zustimmen.  

Weitere und detaillierte Informationen finden Sie beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Westbalkan-Regelung: Verlängert bis Ende 2023

Der Bundesrat hat am 9. Oktober 2020 einer Verlängerung der sog. Westbalkan-Regelung zugestimmt, die zunächst bis Ende 2020 befristet war.

Bereits seit dem 1. Januar 2016 können Personen aus den Staaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Republik Nordmazedonien, Montenegro und Serbien auf diese Weise für jede Beschäftigung eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erhalten. Die Voraussetzungen dafür sind ein verbindliches Arbeitsplatzangebot und die Erfüllung der visarechtlichen Voraussetzungen. Ausgenommen von der Regelung sind Tätigkeiten als Leiharbeitnehmer. Des Weiteren darf der zu Beschäftigende innerhalb von 24 Monaten vor Antragstellung keine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in Deutschland erhalten haben.

Neu ist, dass ab 2021 ein jährliches Kontingent von 25 000 Arbeitskräften aus den Ländern des Westbalkans gilt. Für die Berechnung des Kontingents wird die Zahl der erteilten Zustimmungen der Bundesagentur für Arbeit und nicht der erteilten Visa entscheidend sein.

Berufskraftfahrer aus Drittstaaten

Fachkräfte aus Drittstaaten müssen für eine Beschäftigung in Deutschland nach den Regelungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes neben einem konkreten Arbeitsplatzangebot auch einen als gleichwertig anerkannten Berufsabschluss nachweisen. Da jedoch in vielen Drittstaaten der Ausbildungsberuf des Berufskraftfahrers unbekannt ist, wurde die rechtliche Grundlage für die Gruppe der Berufskraftfahrer mit Wirkung zum 1. April 2020 gelockert.

Mit der nun geltenden Verordnung zur Änderung der Beschäftigungsverordnung und der Aufenthaltsverordnung können Berufskraftfahrer aus Drittstaaten auch ohne Berufsabschluss und Anerkennungsverfahren ihre berufliche Tätigkeit in Deutschland ausüben. Voraussetzung dafür ist der Besitz der für die Ausübung der Beschäftigung notwendigen EU/EWR Fahrerlaubnis sowie der Grundqualifikation.
 
Zu beachten gilt es, dass die Zustimmung zur Beschäftigung von der Bundesagentur für Arbeit nur mit Vorrangprüfung erteilt wird. Unternehmen müssen somit nachweisen, keine einheimische oder europäische Arbeitskraft für die entsprechende Stelle zu finden.

Alle erforderlichen Informationen zur Grundqualifikation finden Sie auf den Seiten des TÜV Nord.

Ansprechpartner

Beschäftigungspolitik und Fachkräftesicherung

Martin Steindorf

E-Mailsteindorf@leipzig.ihk.de
Telefon0341 1267-1322
Fax0341 1267-1422