Eine nebenberufliche Selbstständigkeit liegt vor, wenn neben einer Haupttätigkeit, zum Beispiel im Angestelltenverhältnis oder Studium, eine selbstständige Tätigkeit ausgeübt wird, die nicht den Schwerpunkt der Erwerbstätigkeit bildet.
Eine starre allgemeine Grenze besteht nicht. Maßgeblich ist eine Gesamtbetrachtung von Zeitaufwand und wirtschaftlicher Bedeutung. Die sozialversicherungsrechtliche Einordnung nimmt die zuständige Krankenkasse anhand des Einzelfalls vor.
Anmeldung der Nebentätigkeit
Auch eine nebenberufliche Selbstständigkeit muss ordnungsgemäß angezeigt werden:
- Gewerbliche Tätigkeiten: Anmeldung beim zuständigen Gewerbe- oder Ordnungsamt
- Freie Berufe: steuerliche Erfassung beim zuständigen Finanzamt
Eine gesonderte Anmeldung bei der IHK erfolgt nicht. Die IHK erhält die Daten bei einer Gewerbeanmeldung grundsätzlich von der zuständigen Behörde.
Ob eine Tätigkeit steuerrechtlich als freiberuflich oder gewerblich einzuordnen ist, entscheidet das zuständige Finanzamt anhand der konkreten Tätigkeit.
Zusätzlich ist innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung elektronisch über
Vorteile der nebenberuflichen Selbstständigkeit
Eine Nebenerwerbsgründung kann insbesondere ermöglichen:
- zusätzliches Einkommen aufzubauen
- eine Geschäftsidee zunächst in kleinerem Umfang zu erproben
- erste Kundinnen und Kunden zu gewinnen
- Erfahrungen und Kontakte aufzubauen
- eine spätere Selbstständigkeit im Haupterwerb vorzubereiten
Geeignet sind häufig Geschäftsmodelle mit geringen Fixkosten und überschaubaren Anfangsinvestitionen.
Verhältnis zum Arbeitgeber
Grundsätzlich besteht Berufsfreiheit. Dennoch sind die arbeitsvertraglichen Regelungen und berechtigten Interessen des Arbeitgebers zu beachten.
Eine Anzeige oder Zustimmung kann insbesondere erforderlich sein, wenn:
- der Arbeitsvertrag eine Nebentätigkeitsklausel enthält
- eine Konkurrenz zum Arbeitgeber entstehen kann
- die Arbeitsleistung im Hauptberuf beeinträchtigt werden könnte
- sonstige berechtigte Interessen des Arbeitgebers betroffen sind
Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag und zeigen Sie die geplante Nebentätigkeit frühzeitig an, wenn dies vertraglich vorgesehen ist oder Interessen des Arbeitgebers betroffen sein können.
Arbeitszeitrecht
Bei mehreren abhängigen Beschäftigungen werden die Arbeitszeiten zusammengerechnet. Das Arbeitszeitgesetz bezieht sich auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und nennt ausdrücklich die Zusammenrechnung der Arbeitszeiten bei mehreren Arbeitgebern. Für selbstständige Tätigkeiten können andere Regelungen gelten. Die Nebentätigkeit darf jedoch die Arbeitsleistung im Hauptberuf nicht beeinträchtigen.
Kranken- und Pflegeversicherung
Die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit sollte der Krankenkasse mitgeteilt werden. Die Krankenkasse prüft, ob die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird und wie die Einkünfte beitragsrechtlich zu behandeln sind.
Ob zusätzliche Beiträge entstehen, hängt insbesondere vom Versicherungsstatus, vom Umfang der Tätigkeit und von der Höhe der Einkünfte ab. Eine verbindliche Auskunft erteilt die zuständige Krankenkasse.
Auch die Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann bei der Einordnung berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere, wenn mindestens eine Person mehr als geringfügig beschäftigt wird oder die Arbeitsentgelte mehrerer geringfügig Beschäftigter zusammengerechnet die Geringfügigkeitsgrenze überschreiten. Die abschließende Prüfung nimmt die zuständige Krankenkasse anhand des Einzelfalls vor.
Übersicht und Kontaktdaten: Krankenkassenliste des GKV-Spitzenverbandes
Rentenversicherung und Scheinselbstständigkeit
Je nach Art der selbstständigen Tätigkeit kann eine Rentenversicherungspflicht bestehen. Dies kann zum Beispiel Lehrkräfte, Erziehende, Pflegepersonen, Hebammen, bestimmte Handwerkerinnen und Handwerker oder Selbstständige mit nur einem Auftraggeber betreffen. Ob eine Versicherungspflicht besteht, prüft die Deutsche Rentenversicherung im Einzelfall.
Selbstständige Künstlerinnen, Künstler, Publizistinnen und Publizisten können unter bestimmten Voraussetzungen über die Künstlersozialkasse versichert sein.
Weitere Informationen: Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung
Für die Abgrenzung zwischen selbstständiger Tätigkeit und abhängiger Beschäftigung ist eine Gesamtbetrachtung erforderlich. Hinweise können insbesondere sein:
- Weisungsgebundenheit
- Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers
- fehlendes eigenes Unternehmerrisiko
- fehlender eigener Marktauftritt
Die Tätigkeit für nur einen Auftraggeber bedeutet nicht automatisch Scheinselbstständigkeit. Auch bei einer echten Selbstständigkeit kann jedoch unter bestimmten Voraussetzungen Rentenversicherungspflicht bestehen.
Bei Zweifeln kann ein Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden.
Weitere Informationen: Statusfeststellungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung
Gesetzliche Unfallversicherung
Für Unternehmen und selbstständig Tätige ist abhängig von der Tätigkeit eine Berufsgenossenschaft oder ein anderer Unfallversicherungsträger zuständig. Ein neues Unternehmen muss innerhalb einer Woche beim zuständigen Unfallversicherungsträger angemeldet werden. Die Gewerbebehörde übermittelt die Daten einer Gewerbeanmeldung zwar grundsätzlich an die gesetzliche Unfallversicherung. Gründerinnen und Gründer sollten dennoch innerhalb der Wochenfrist Kontakt mit dem zuständigen Unfallversicherungsträger aufnehmen, um die Zuständigkeit, die Mitgliedschaft und den Versicherungsschutz für die selbstständig tätige Person zu klären. Dies gilt auch für freiberuflich Tätige und Unternehmen ohne Beschäftigte.
Weitere Informationen: Unternehmen bei der gesetzlichen Unfallversicherung anmelden
Besondere Personengruppen
Bezug von Arbeitslosengeld
- Die Tätigkeit muss weniger als 15 Stunden pro Kalenderwoche umfassen.
- Grundsätzlich gilt ein Freibetrag von 165 Euro monatlich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein abweichender Freibetrag gelten.
- Darüber hinausgehendes anrechenbares Einkommen kann das Arbeitslosengeld mindern.
Die Nebentätigkeit ist der Agentur für Arbeit vorab mitzuteilen. Die genannten Regelungen beziehen sich auf Arbeitslosengeld. Für Leistungen des Jobcenters gelten andere Bestimmungen.
Weitere Informationen und Kontakt: Agentur für Arbeit Leipzig
Wer aus der Arbeitslosigkeit eine hauptberufliche Selbstständigkeit plant, sollte sich vor Aufnahme der Tätigkeit bei der Agentur für Arbeit über die Voraussetzungen des Gründungszuschusses informieren.
Studierende und BAföG
Für den studentischen Versicherungsstatus wird insbesondere geprüft, ob das Studium weiterhin im Vordergrund steht. Dabei können der zeitliche Umfang und die wirtschaftliche Bedeutung der selbstständigen Tätigkeit eine Rolle spielen. Die Krankenkasse nimmt eine Einzelfallprüfung vor.
Informationen für Studierende zu BAföG und Studienfinanzierung: Studentenwerk Leipzig
Einkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit kann auf das BAföG angerechnet werden. Die Berechnung hängt vom Einzelfall ab. Für Studierende ist das Amt für Ausbildungsförderung des Studentenwerks am Hochschulort zuständig; für schulische Ausbildungen in Leipzig das Sachgebiet Ausbildungsförderung der Stadt Leipzig. Allgemeine Informationen bietet das offizielle BAföG-Portal.
Familienversicherung
Ob eine Familienversicherung bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit fortbesteht, hängt insbesondere vom regelmäßigen Gesamteinkommen und vom Umfang der Tätigkeit ab. Eine verbindliche Auskunft erteilt die eigene Krankenkasse. Ergänzende allgemeine Informationen finden Sie beim Familienportal des Bundes
Elternzeit und Elterngeld
Wer sich in Elternzeit aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis befindet, kann grundsätzlich auch selbstständig tätig sein. Für Kinder, die nach August 2021 geboren wurden, darf die Erwerbstätigkeit durchschnittlich 32 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt nicht überschreiten. Bei früher geborenen Kindern können andere Regelungen gelten. Die selbstständige Tätigkeit sollte vorab mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden. Einkommen aus der Tätigkeit kann die Höhe des Elterngeldes beeinflussen. Eine verbindliche Auskunft erteilt die zuständige Elterngeldstelle. Weitere Informationen: Teilzeittätigkeit während der Elternzeit
Rentnerinnen und Rentner
Selbstständige Einkünfte können Auswirkungen auf die Rente, die Sozialversicherung und die Besteuerung haben. Welche Regelungen gelten, hängt von der Rentenart und der individuellen Situation ab. Eine verbindliche Auskunft erteilt die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland
Steuerliche Behandlung
Einkommensteuer
- Der Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit wird zusammen mit weiteren steuerpflichtigen Einkünften berücksichtigt.
- Grundfreibetrag 2026: 12.348 Euro
Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen, nicht allein der Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit.
Gewinnermittlung und Buchführung
Viele kleinere Einzelunternehmen und freiberuflich Tätige können ihren Gewinn durch eine Einnahmenüberschussrechnung ermitteln. Eine Verpflichtung zur Buchführung und Bilanzierung kann sich insbesondere aus dem Handelsrecht oder nach entsprechender Mitteilung des Finanzamtes ergeben. Die handelsrechtliche und die steuerrechtliche Buchführungspflicht beruhen auf unterschiedlichen Voraussetzungen.
Für gewerbliche Unternehmen gelten nach § 141 Abgabenordnung derzeit Grenzen von mehr als 800.000 Euro Gesamtumsatz im Kalenderjahr oder mehr als 80.000 Euro Gewinn im Wirtschaftsjahr.
Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung
Gesamtumsatz im Vorjahr: höchstens 25.000 Euro
Gesamtumsatz im laufenden Kalenderjahr: höchstens 100.000 Euro
Seit dem 1. Januar 2025 ist die Grenze von 100.000 Euro eine tatsächliche Umsatzgrenze. Im Jahr der Aufnahme der Tätigkeit ist grundsätzlich die Grenze von 25.000 Euro maßgeblich. Wird die Grenze von 100.000 Euro im laufenden Kalenderjahr überschritten, endet die Steuerbefreiung mit dem überschreitenden Umsatz.
Kleinunternehmer weisen in ihren Rechnungen grundsätzlich keine Umsatzsteuer aus und können regelmäßig keine Vorsteuer abziehen.
Gewerbesteuer
Freibetrag: 24.500 Euro
Der Freibetrag bezieht sich auf den Gewerbeertrag und gilt für natürliche Personen und Personengesellschaften. Kapitalgesellschaften haben keinen Gewerbesteuerfreibetrag. Freiberufliche Tätigkeiten unterliegen grundsätzlich nicht der Gewerbesteuer.
Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten
Alle betrieblichen Einnahmen und Ausgaben müssen vollständig und nachvollziehbar aufgezeichnet werden. Belege sind entsprechend den gesetzlichen Vorgaben aufzubewahren.
Bei Bargeschäften bestehen besondere Aufzeichnungspflichten. Ob ein förmliches Kassenbuch erforderlich ist, hängt unter anderem von der Gewinnermittlungsart und dem verwendeten Kassensystem ab.
Betriebliche Verluste können steuerlich grundsätzlich berücksichtigt werden. Ob und in welchem Umfang eine Verrechnung möglich ist, hängt von den steuerrechtlichen Voraussetzungen und vom Einzelfall ab.
Unternehmensbezeichnung
Kleingewerbetreibende, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, müssen im Geschäftsverkehr ihren Vor- und Nachnamen angeben. Ein Fantasiename kann ergänzend verwendet werden.
Der Fantasiename darf nicht irreführend sein. Abhängig von der Rechtsform und der Art des Geschäftsverkehrs gelten weitere Pflichtangaben, insbesondere auf Rechnungen, Geschäftsbriefen und Internetseiten.
Fazit
Eine nebenberufliche Selbstständigkeit kann einen schrittweisen Einstieg in die unternehmerische Tätigkeit ermöglichen.
Wichtig sind insbesondere:
- die ordnungsgemäße Anmeldung und steuerliche Erfassung
- die Abstimmung mit dem Arbeitgeber, soweit erforderlich
- die sozialversicherungsrechtliche Einordnung
- die vollständige Aufzeichnung der betrieblichen Einnahmen und Ausgaben
- die Prüfung möglicher Genehmigungs- oder Versicherungspflichten
Für die allgemeine Gründungsorientierung steht das StarterCenter der IHK zu Leipzig zur Verfügung. Bei rechtlichen Grundsatzfragen finden Sie weitere Informationen und zuständige Ansprechpersonen im Bereich Recht und Steuern der IHK zu Leipzig. Für individuelle Fragen sind je nach Thema das Finanzamt, die Krankenkasse, die Deutsche Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit oder weitere zuständige Fachstellen einzubeziehen.
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