Erbschaftsteuerliche Fragen zur Unternehmensnachfolge

1. Wer erbt mein Unternehmen?

Die erbschaftsteuerliche Unternehmensnachfolge kann durch eine letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) bestimmt werden. Wurde keine letztwillige Verfügung hinterlassen oder keine, in der eine Person zum Erben berufen wurde, so bestimmt sich die Erbfolge grundsätzlich nach dem Gesetz.

2. Ist eine Vererbung oder eine Übertragung meines Unternehmens sinnvoll?

Eine lebzeitige Übertragung Ihres Unternehmens ist aus vielerlei Hinsicht zu empfehlen, da Sie den Nachfolger einarbeiten und bei Fehlentwicklungen rechtzeitig unterstützend eingreifen können, aber vor allem kann eine lebzeitige Übertragung steuerlich gestaltet werden.

3. Welche Freibeträge sieht das Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuerrecht vor?

Die persönlichen Freibeträgebei unbeschränkt Steuerpflichtigen sind nach dem Verwandtschaftsgrad gestaffelt. Ihr Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner besitzt einen Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro. Des Weiteren kann einem Ehepartner ein besonderer Versorgungsfreibetrag von bis zu 256.000 Euro zustehen.

Ihre lebenden  Kinder haben einen Freibetrag von 400.000 Euro und ihre Enkel 200.000 Euro. Soweit Ihre Kinder verstorben sind, so können auch die Enkel den Freibetrag in Höhe von 400.000 Euro für sich beanspruchen. Für ihre Eltern und Großeltern ist zu unterscheiden, ob sie erben, dann 100.000 Euro Freibetrag, oder ob sie eine Schenkung von ihnen erhalten, dann nur 20.000 Euro. Im Übrigen stehen auch diesen Personengruppen bestimmte besondere Versorgungsfreibeträge zu.

4. Wie oft können diese Freibeträge genutzt werden?

In einer Frist von 10 Jahren werden alle Schenkungen und Erbschaften an einer Person zusammengefasst und diese kann ihren eigenen Freibetrag geltend machen. Die Freibeträge stehen somit nur alle 10 Jahre in voller Höhe zur Verfügung. Erfolgen mehrere Erwerbe innerhalb von 10 Jahren, sind diese für die Berechnung der Freibeträge zusammenzurechnen.

5. Welche Steuerklassen gibt es und wer ist welcher Steuerklasse zugeordnet?

Die Steuerklassen werden in drei Stufen (I bis III) eingeteilt:

In die Steuerklasse I fallen u.a. der Ehegatte, wenn zur Zeit der Entstehung der Steuer eine gültige Ehe bestanden hat, sowie der eingetragene Lebenspartner. Getrenntleben hindert die Anwendung der Steuerklasse I nicht. Der geschiedene Ehegatte und der Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft gehören dagegen zur Steuerklasse II.

Kinder im Sinne der Steuerklasse I Nr. 2 sind sowohl eheliche als auch nicht eheliche Kinder. Ebenso fallen Adoptivkinder und Stiefkinder in die Steuerklasse I. Stiefkinder bleiben in Steuerklasse I, auch wenn die das Stiefkindschaftsverhältnis begründende Ehe nicht mehr besteht.

Enkelkinder, Urenkel etc. werden ebenfalls von der Steuerklasse I erfasst und zwar unabhängig davon, ob die Eltern zur Zeit des Erwerbes noch leben.

Eltern und Voreltern (Großeltern, Urgroßeltern etc.) werden nur im Fall des Erwerbes von Todes wegen von der Steuerklasse I erfasst. Im Fall der Schenkung gehören sie zur Steuerklasse II.

Geschwister im Sinne der Steuerklasse II Nr. 2 ErbStG sind sowohl Voll- als auch Halbgeschwister.

Abkömmlinge 1. Grades von Geschwistern sind die Neffen und Nichten des Schenkers oder Erblassers. Deren Kinder fallen nicht in die Steuerklasse II, sondern in Steuerklasse III, weil sie keine Abkömmlinge 1. Grades, sondern Abkömmlinge 2. Grades von Geschwistern sind.

In die Steuerklasse III fallen alle übrigen Erwerber und die Zweckzuwendungen, insbesondere auch der Lebensgefährte und Verlobte.

6. Wie hoch ist der Steuersatz?

Die Erbschaft- und die Schenkungsteuer werden mit dem gleichen Steuersatz bemessen. Hierbei kommt es auf den Verwandtschaftsgrad zwischen ihnen und den Begünstigten an und dem Wert des Erbes oder der Schenkung. Der Steuertarif ist dabei progressiv ausgestaltet: Denn mit steigender Steuerklasse und steigendem Wert des steuerpflichtigen Erwerbes wächst auch die Steuerbelastung. Bemessungsgrundlage ist dabei der steuerpflichtige Erwerb.

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs bis einschließlich … Euro

Prozentsatz in der Steuerklasse

I

II

III

75.000

7

15

30

300.000

11

20

30

600.000

15

25

30

6.000.000

19

30

30

13.000.000

23

35

50

26.000.000

27

40

50

über 26.000.000

30

43

50

7. Gibt es unternehmensspezifische Unterschiede in erbschaftsteuerlichen Betrachtung?

Ja, es ist hierbei zwischen Einzelunternehmen, Personen- und Kapitalgesellschaften zu unterscheiden.

Bei Einzelunternehmen unterliegt der Erwerb der Erbschaftssteuer und erfolgt auf Grundlage der Bewertung des Erwerbsgegenstandes des inländischen Betriebsvermögens.

Bei Personengesellschaften ist zu unterscheiden, ob die Erben auf einer erbrechtlichen oder gesellschaftsrechtlichen Grundlage Unternehmensanteile erben. Die Bewertung ist auf die wirtschaftliche Einheit ausgerichtet. Des Weiteren sind in diesem Zusammenhang die Sonderregelungen insbesondere des Sonderbetriebsvermögen zu beachten.

Bei Kapitalgesellschaften unterliegt der Erwerb der erbschaftsteuerlichen Bewertung. Die Besonderheit liegt in den Verschonungsregeln, wenn  der oder die Erblasser oder Schenker eine unmittelbare Beteiligung von mind. 25 Prozent (Mindestbeteiligung) an der Kapitalgesellschaft hält.

8. Gibt es Steuervergünstigungen?

Ja, die §§ 13 a bis 13 c ErbStG sehen sachliche Steuervergünstigungen bei Betriebsvermögen, Betrieben der Land- und Forstwirtschaft und Beteiligungen an Kapitalgesellschaften vor:

  • durch einen Verschonungsabschlag von 85 Prozent (Regelverschonung),
  • eine Freigrenze von 150.000 Euro (Abzugsbetrag) und
  • einen optionalen Verschonungsabschlag von bis zu 100 Prozent (Optionsverschonung).

9. Was umfasst der Verschonungsabschlag?

Der Verschonungsabschlag beträgt bei der Regelverschonung 85 Prozent  und bei der Optionsverschonung 100 Prozent  des begünstigten Vermögens, sofern der Erwerb die Förderhöchstgrenze von 26 Mio. Euro nicht übersteigt. Dieser Verschonungsabschlag kann mehrfach genutzt werden, auch innerhalb von zehn Jahren durch dieselbe Person.

Wird die Grenze von 26 Mio. Euro durch mehrere Erwerbe von derselben Person innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren jedoch überschritten, so entfällt die Steuerbefreiung für die bis dahin als steuerfrei behandelten früheren Erwerbe mit Wirkung für die Vergangenheit.

10. Was bedeutet der Abzugsbetrag von 150.000 Euro?

Die verbleibenden 15 % des begünstigten Vermögens erhalten einen Abzugsbetrag von 150.000 Euro. Dieser Betrag verringert sich um die Hälfte des diesen Abzugsbetrag übersteigenden Betrages. Damit entfällt der Abzugsbetrag ab einem begünstigten Vermögensanteil von 450.000 Euro.

Im Übrigen entfällt der Abzugsbetrag mithin bei einem Unternehmenswert von 3 Mio. Euro.

Der Abzugsbetrag wird dem Erwerber auch bei mehreren begünstigten Übertragungen innerhalb der Frist von zehn Jahren allerdings nur einmal gewährt.

 

Stand: 28.02.2020

Ansprechpartner

Consulting Steuern | Geschäftsfeldmanager Existenzgründung und Unternehmensförderung

Jens Bierstedt

E-Mailbierstedt@leipzig.ihk.de
Telefon0341 1267-1405
Fax0341 1267-1420