Steuerliche Fragen zur Unternehmensnachfolge

  1. Wer erbt mein Unternehmen?

    Sollten Sie keine Testamentierung vorgenommen haben, so erben ihre gesetzlichen Erben.

    Besonderheit: Bei Personengesellschaften (z. B. einer Kommanditgesellschaft) erfolgt eine Sondererbrechtsnachfolge, hierbei wird nicht die Erbengemeinschaft, sondern die einzelnen Erben, entsprechend ihrer Quote Gesellschafter Ihrer Gesellschaft.
  2. Ist eine Vererbung oder eine Übertragung meines Unternehmens sinnvoll?

    Eine lebenszeitige Übertragung Ihres Unternehmens ist aus vielerlei Hinsicht sinnvoller, da Sie den Nachfolger einarbeiten und bei Fehlentwicklungen rechtzeitig unterstützend eingreifen können, aber vor allem kann eine lebenszeitige Übertragung steuerlich optimiert werden.
  3. Welche Freibeträge sieht das Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuerrecht vor?

    Die Freibeträge (§ 16 ErbStG) sind nach dem Verwandtschaftsgrad gestaffelt. Ihr Ehepartner/eingetragener Lebenspartner besitzt einen Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro. Des Weiteren können einem Ehepartner ein sogenannter Versorgungsfreibetrag von bis zu 256.000 Euro zustehen und für den Fall, dass Sie in einer Zugewinngemeinschaft leben, zahlt ihr Partner auf den Zugewinnausgleich keine Erbschaftssteuer. Sollten Sie nicht verheiratet sein, so besitzt ihr Partner nur einen Anspruch auf 20.000 Euro Freibetrag.

    Ihre Kinder haben einen Freibetrag von 400.000 Euro und ihre Enkel 200.000 Euro. Für ihre Eltern und Großeltern ist zu unterscheiden, ob sie erben, dann 100.000 Euro Freibetrag, oder ob sie eine Schenkung von ihnen erhalten, dann nur 20.000 Euro.
  4. Wie oft können diese Freibeträge genutzt werden?

    In einer Frist von 10 Jahren werden alle Schenkungen und Erbschaften einer Person zusammengefasst und diese kann ihren eigenen Freibetrag geltend machen. Eine Zersplitterung der Schenkung auf mehrere kleinere Teile, innerhalb dieser 10-Jahresfrist ist daher unbeachtlich. Für zuvor getätigte Schenkungen ergibt sich erneut ein Freibetrag.
  5. Welche Steuerklassen gibt es und wer ist welcher Steuerklasse zugeordnet?

    Es wird gesetzlich (§ 15 ErbStG) in drei Steuerklassen unterschieden:

    Steuerklasse I:

    • der Ehegatte und der Lebenspartner,
    • die Kinder und Stiefkinder,
    • die Abkömmlinge der Nummer 2 genannten Kinder und Stiefkinder,
    • die Eltern und Großeltern bei Erwerben von Todes wegen.

    Steuerklasse II:

    • die Eltern und Großeltern, soweit sie nicht zur Steuerklasse I gehören,
    • die Geschwister,
    • die Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern,
    • die Stiefeltern,
    • die Schwiegerkinder,
    • die Schwiegereltern,
    • der geschiedene Ehegatte und der Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft.

    Steuerklasse III:

    • alle übrigen Erwerber und die Zweckzuwendungen.

  6. Wie hoch ist der Steuersatz?

    Die Erbschaft- und die Schenkungsteuer werden mit dem gleichen Steuersatz (§ 19 ErbStG) bemessen. Hierbei kommt es auf den Verwandtschaftsgrad zwischen ihnen und den Begünstigten an und dem Wert des Erbes oder der Schenkung.

    Sollten Sie ihrer Frau eine Schenkung zukommen lassen in Höhe von 50.000 Euro (nach Abzug des Freibetrages) so beträgt der Steuersatz 7 Prozent. In der Spitze liegt er bei 50 Prozent. Zur Veranschaulichung die nachfolgende Abbildung.
  7. Wert des steuerpflichtigen Erwerbs (§ 10 ErbStG) bis einschließlich … Euro

    Prozentsatz in der Steuerklasse

    I

    II

    III

    75.000

    7

    15

    30

    300.000

    11

    20

    30

    600.000

    15

    25

    30

    6.000.000

    19

    30

    30

    13.000.000

    23

    35

    50

    26.000.000

    27

    40

    50

    über 26.000.000

    30

    43

    50

  8. Gibt es unternehmensspezifische Unterschiede in erbschaftsteuerlichen Betrachtung?

    Ja, es ist hierbei zwischen Einzelunternehmen, Personen- und Kapitalgesellschaften zu unterscheiden.

    Bei Einzelunternehmen unterliegt der Erwerb der Erbschaftssteuer und erfolgt auf Grundlage der Bewertung des Erwerbsgegenstandes "Betriebsvermögen". Diese Bewertung erfolgt gem. § 12 Abs. 5 ErbStG in Verbindung mit §§ 11, 95 f. BewG.

    Bei Personengesellschaften ist zu unterscheiden, ob die Erben auf einer erbrechtlichen oder einer gesellschaftsrechtlichen Grundlage Unternehmensanteile erben. Die Bewertung erfolgt in beiden Fällen § 12 Abs. 5 ErbStG, §§ 11, 95 ff. BewG und ist auf die wirtschaftliche Einheit ausgerichtet. Des Weiteren sind in diesem Zusammenhang die Sonderregelungen insbesondere das Sonderbetriebsvermögen zu beachten! (Einzelbewertung § 200 Abs. 2 bis 3 und § 97 Abs.1a Nr. 2 BewG)

    Bei Kapitalgesellschaften unterliegt der Erwerb der erbschaftsteuerlichen Bewertung nach § 12 Abs. 1 ErbStG in Verbindung mit § 11 BewG. Die Besonderheit liegt in der Verschonungsregel nach § 13b Abs. 1 Nr. 3 ErbStG, wenn die Rechtsnachfolge in eine unmittelbare Beteiligung, mit mehr als 25 Prozent, erfolgt.
  9. Gibt es weitere Steuervergünstigungen?

    Ja, § 13 a ErbStG sieht weitere Steuervergünstigungen bei Betriebsvermögen, land- und forstwirtschaftliches Vermögen und Anteile an Kapitalgesellschaften vor.

    • durch einen Verschonungsabschlag von 85 Prozent,
    • eine Freigrenze von 150.000 Euro (Abzugsbetrag) und
    • einen optionalen Verschonungsabschlag von bis zu 100 Prozent.

  10. Was umfasst der Verschonungsabschlag?

    Die Übertragung von begünstigtem Betriebsvermögen wird zu 85 Prozent von der Steuer freigestellt, wenn innerhalb von fünf Jahren nach dem Erwerb die Lohnsumme 400 Prozent der Ausgangslohnsumme nicht unterschreitet. Als maßgebende Ausgangslohnsumme wird die durchschnittliche Lohnsumme der letzten fünf abgelaufenen Wirtschaftsjahre herangezogen. (§ 13 a Abs. 1 ErbStG) Darin sind alle Bruttolöhne einschließlich aller Sachbezüge, Sozialabgaben und Sondervergütungen der im Betrieb tätigen Arbeitnehmer einzubeziehen.

    Unterschreitet die Mindestlohnsumme im Fünfjahreszeitraum 400 Prozent der Ausgangslohnsumme, reduziert sich die Steuerfreiheit des begünstigten 85 prozentigen Anteils am Betriebsvermögen um den Anteil, um den die Mindestlohnsumme unterschritten wird.

    (Beispiel: Liegt die Lohnsumme lediglich bei 350 Prozent, werden nicht 85 Prozent steuerfrei gestellt, sondern nur (350/400 = 87,5
    Prozent von 85 Prozent) 74,4 Prozent des Betriebsvermögens bleiben unversteuert.)

    Hat ein Betrieb nicht mehr als 20 Beschäftigte, braucht er die vorstehende Lohnsummenregelung nicht einhalten.

    Voraussetzung für die Gewährung des Verschonungsabschlags ist, dass das Betriebsvermögen zu weniger als 50 Prozent ausschädlichem Verwaltungsvermögen besteht, § 13 b Abs. 2 ErbStG. Das übersteigende Verwaltungsvermögen führt zum Verlust der Verschonungsregelungen.
  11. Was bedeutet der Abzugsbetrag von 150.000 Euro?

    Für den nicht steuerbefreiten Anteil von 15 Prozent des begünstigten Betriebsvermögens wird ein Abzugsbetrag von 150.000 Euro gewährt.

    Dieser reduziert sich jedoch mit steigendem Vermögen um die Hälfte des Betrages, der die 150.000 Euro-Grenze überschreitet. Der Abzugsbetrag entfällt, wenn das betriebliche Vermögen 3.000.000 Euro erreicht, weil der 15 prozentige Anteil dann 450.000 Euro beträgt. Bei einem begünstigten Betriebsvermögen bis 1.000.000 Euro greift der Abzugsbetrag voll, so dass hier eine vollständige Steuerbefreiung zugestanden wird.

Ansprechpartner

Consulting Steuern

Andrea Schäfer

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