Ausbildungsvoraussetzungen eines Unternehmens

1. Wann ist ein Unternehmen als Ausbildungsstätte geeignet?

Das ist im § 27 Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt:

Auszubildende dürfen nur eingestellt und ausgebildet werden, wenn die Ausbildungsstätte nach Art und Einrichtung für die Berufsausbildung geeignet ist und die Zahl der Auszubildenden in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Ausbildungsplätze oder zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte steht, es sei denn, dass anderenfalls die Berufsausbildung nicht gefährdet wird. D.h. im Unternehmen müssen dem Auszubildenden die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten des entsprechenden Ausbildungsberufes vermittelt werden können. Grundlage dafür ist die Ausbildungsordnung für den Ausbildungsberuf, in der Art, Inhalt und Dauer der Ausbildung festgehalten sind.

Ihr Unternehmensgegenstand muss also mit dem Berufsbild übereinstimmen.

 

2. Was ist der Unterschied zwischen Ausbildender und Ausbilder?

Ausbildender ist der Einstellende. Das kann sowohl eine juristische als auch eine natürliche Person sein. Einstellen heißt, Auszubildende in die Ausbildungsstätte aufnehmen. Der Ausbilder führt die Berufsausbildung verantwortlich durch.

 

3. Wann sind Ausbildende geeignet?

Die §§ 28 und 29 BBiG geben dazu Auskunft. Auszubildende darf nur einstellen, wer persönlich geeignet ist. Persönlich nicht geeignet ist, wer Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen darf oder wiederholt und schwer gegen das Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder die aufgrund dieses Gesetzes erlassenen Vorschriften und Bestimmungen verstoßen hat.

 

4. Wann sind Ausbilder geeignet?

Ausbilder müssen persönlich und fachlich geeignet sein. Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen sowie die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind (§ 30 BBiG). Es müssen also ein Berufsabschluss oder ein Hochschul- bzw. ein Fachhochschulabschluss in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung, einschl. einer angemessenen Zeit beruflicher Erfahrung, vorliegen.

Die berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse werden durch die Ausbilder-Eignungsprüfung nachgewiesen.

 

5. Kann der Ausbilder in mehreren Ausbildungsstätten/Filialen tätig sein?

Hat Ihr Unternehmen mehrere Standorte, Filialen oder Niederlassungen muss der Ausbilder dort tätig sein, wo auch die Ausbildung überwiegend stattfindet.

 

6. Wie erfolgt die Eignungsfeststellung?

Die Feststellung der Ausbildungseignung Ihres Unternehmens erfolgt durch die Aus- und Weiterbildungsberater der IHK zu Leipzig bei Ihnen vor Ort. Terminvereinbarungen sind telefonisch oder per E-Mail möglich. Die Aus- und Weiterbildungsberater übergeben Ihnen die Ausbildungsordnungen, einschließlich der Rahmenlehrpläne, die Prüfungsanforderungen und die sachlich-zeitliche Gliederung für den Ausbildungsberuf.

 

7. Was muss ich beim Verhältnis von Fachkräften zu Auszubildenden beachten?

Als angemessenes Verhältnis der Zahl der Auszubildenden zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte im Sinne des § 27 Abs. 1 Nr. 2 des BBiG gilt:

1–2 Fachkräfte > 1 Auszubildender
3–5 Fachkräfte > 2 Auszubildende
6–8 Fachkräfte > 3 Auszubildende
je weitere 3 Fachkräfte → ein weiterer Auszubildender.

Nebenberuflich tätige Ausbilder, die daneben andere berufliche Tätigkeiten ausüben, sollen durchschnittlich nicht mehr als drei Auszubildende selbst ausbilden. Hauptberufliche Ausbilder sollen nicht mehr als 16 Auszubildende in einer Gruppe ausbilden.

 

8. Ist Ausbildung in mehreren Ausbildungsstätten möglich?

Ja, das ist möglich.

Wenn Sie im Ausbildungsbetrieb die Inhalte des Ausbildungsberufes nicht in vollem Umfang selbst vermitteln können, können Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte, beispielsweise im Rahmen einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte oder eines Ausbildungsverbundes vereinbart werden. Wird die Ausbildung in mehreren Ausbildungsstätten durchgeführt, so muss jede dieser Ausbildungsstätten für den jeweiligen Ausbildungsabschnitt den vorstehenden Kriterien entsprechen. Eine entsprechende Vereinbarung für Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte ist im Ausbildungsvertrag vorgesehen. Der überwiegende Teil der Ausbildung muss allerdings in der Ausbildungsstätte selbst stattfinden.

Die Verbundausbildung ermöglicht Ihnen die Durchführung einer ordnungsgemäßen Berufsausbildung und wird in Sachsen durch die Sächsische Aufbaubank gefördert.
 

9. Gibt es Vorgaben zur materiell-technischen Ausstattung der Ausbildungsstätte?

Die Ausbildungsstätte muss über die erforderliche Einrichtung und Ausstattung verfügen, um die berufliche Handlungsfähigkeit des angestrebten Ausbildungsberufes vermitteln zu können, zudem muss dort eine angemessene Zeit für die Ausbildungszwecke zur Verfügung stehen. Zu den notwendigen Ausbildungsmitteln zählen z. B. erforderliche Kommunikations- und Informationssysteme, Anwendungssoftware, Grundausstattungen an Werkzeugen, Maschinen, Apparaten, Geräten sowie bürotechnische Einrichtungen und notwendige Lehr- und Lernmittel.

 

10. Ist ein betrieblicher Ausbildungsplan erforderlich?

Ja, der Ausbilder erstellt einen betrieblichen Ausbildungsplan. Der betriebliche Ausbildungsplan ist auf die individuellen Gegebenheiten des Ausbildungsbetriebes abgestimmt- gegliedert nach Ausbildungsjahren- und enthält Angaben über die konkreten Ausbildungsplätze, die Ausbildungsabschnitte, die zu vermittelnden Ausbildungsinhalte und die zugeordneten Ausbildungszeiten. Die Basis bietet die sachliche und zeitliche Gliederung des jeweiligen Ausbildungsberufs.

Es muss also erkennbar sein, dass die Ausbildung in Ihrem Unternehmen systematisch durchgeführt wird.

 

Stand: 07.01.2020

 

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