VW-Standort Zwickau: Sächsische IHKs drängen auf neue Wirtschaftsstrategie für Sachsen
Das Werk von Volkswagen in Zwickau ist ein Weckruf für Sachsen. Wer nur auf „verlängerte Werkbänke“ setzt, aber keine eigenen starken Unternehmen aufbaut, macht sich abhängig von Entscheidungen, die anderswo getroffen werden.
Die drei sächsischen IHKs fordern deshalb gemeinsam einen sofortigen Kurswechsel:
- Weniger reine Förderpolitik, mehr Beteiligungen, mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit.
- Eine Zukunftsstiftung jetzt.
Mit tiefer Erschütterung nehmen die Sächsischen IHKs die Meldungen aus Wolfsburg zur Kenntnis, wonach es 2031 keine Folgebelegung für das VW-Werk in Mosel geben soll.
Der Chemnitzer IHK-Präsident und Sprecher der Sächsischen IHKs, Max Jankowsky, erklärt: „Wir werden bis zum Letzten dafür kämpfen, dass unser Standort erhalten bleibt und wir eine klare Zukunftsperspektive für die Zulieferindustrie und die Belegschaften haben."
Aus Sicht der drei sächsischen IHKs zeigt die Entwicklung bei VW ein grundsätzliches strukturelles Problem des Wirtschaftsstandortes Sachsen. Über Jahrzehnte wurde zu stark auf „verlängerte Werkbänke“ gesetzt. Zu wenig ist es dagegen gelungen, eigene starke mittelständische Unternehmen, Unternehmenszentralen und damit wirtschaftliche Entscheidungskompetenz in Sachsen aufzubauen und zu entwickeln.
Präsident der IHK Dresden Dr. Andreas Sperl: „Die erfolgreiche Strukturpolitik von Bundesländern wie Niedersachsen spricht eine klare Sprache: Wer keine eigenen starken Unternehmen in der eigenen Region hat, wird zum Spielball.“
Präsident der IHK zu Leipzig Kristian Kirpal weiter: „Daher ist es jetzt allerhöchste Zeit, unsere Wirtschaftsstrategie zu verändern. Weg von Förderungen hin zu Beteiligungen. Ein wichtiger Baustein dafür ist die zügige Errichtung einer Zukunftsstiftung, die unabhängig von bürokratischen Abläufen Investitionen in Sachsen ermöglicht.“
Aus Sicht der drei sächsischen IHKs muss die Errichtung einer Zukunftsstiftung jetzt zügig vorangetrieben werden. Der Freistaat muss stärker von reiner Förderung hin zu Beteiligungen und langfristigem Wachstumskapital kommen. Die Zukunftsstiftung soll unabhängig und mit schlanken Verfahren Investitionen ermöglichen und dazu beitragen, Unternehmen und unternehmerische Entscheidungskompetenz dauerhaft in Sachsen zu verankern.
„Die Wirtschaft ist hier in Vorleistung getreten und hat Vorschläge und Konzepte erarbeitet. Es liegt jetzt an der Politik, die nötigen Beschlüsse zu fassen. Wer die VW-Entwicklung nicht ernst nimmt und daraus inhaltliche Schlüsse zieht, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden“, so Jankowsky.
Max Jankowsky, Präsident IHK Chemnitz; Dr. Andreas Sperl, Präsident IHK Dresden; Kristian Kirpal, Präsident IHK zu Leipzig