Konjunkturumfrage im IHK-Bezirk Leipzig: Verhaltene Erholung ohne neue Dynamik
+++ Geschäftslage leicht verbessert +++ Geschäftserwartungen bleiben verhalten+++ Personalplanungen auf Talfahrt +++ Arbeitskosten wieder größtes Geschäftsrisiko +++
Die konjunkturelle Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft im IHK-Bezirk Leipzig bleibt auch im Herbst 2026 ohne spürbaren Schwung. Die aktuelle Geschäftslage hat sich nach dem energiepreisbedingten Dämpfer im Frühjahr leicht verbessert; von einer nachhaltigen Erholung ist die regionale Wirtschaft aber immer noch weit entfernt. Die Geschäftserwartungen bleiben gedämpft, die Beschäftigungsplanungen verschlechtern sich und die Investitionsbereitschaft verharrt auf niedrigem Niveau. Der IHK-Geschäftsklima-Index steigt lediglich um drei auf 101 Punkte und liegt damit weiterhin unter dem Vorjahresstand von 105 Punkten.
An der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig im Herbst 2026 beteiligten sich 507 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit mehr als 29.000 Beschäftigten.
Geschäftslage leicht verbessert
Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage wieder etwas positiver als im Frühjahr. Der Lagesaldo steigt um fünf auf 15 Punkte und erreicht damit wieder das Niveau vom Jahresbeginn. Von einer nachhaltigen Stabilisierung kann jedoch keine Rede sein. Die schwache Nachfrage bremst in vielen Branchen die Umsatzentwicklung, während der anhaltend hohe Kostendruck die Ertragslage belastet. Fast 40 Prozent der Unternehmen verzeichnen sinkende Erträge. Die leichte Verbesserung der Lageeinschätzungen steht damit auf einer weiterhin fragilen Grundlage.
Am deutlichsten fiel der Anstieg im Baugewerbe aus, der von kurzfristigen Nachholeffekten und einzelnen Projekten aus dem Sondervermögen für Infrastruktur profitierte. Auch im Verkehrsgewerbe hat sich die Lage nach dem energiepreisgetriebenen Stimmungseinbruch im Frühjahr wieder deutlich erholt. Dagegen gingen die Lagebewertungen in Handel und Dienstleistungsgewerbe zurück.
Geschäftserwartungen bleiben verhalten
Die Aussichten für die kommenden Monate haben sich nicht verbessert. Der Erwartungssaldo verharrt bei -11 Punkten. Positive Konjunktursignale bleiben rar; in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe haben sich die Erwartungen sogar weiter eingetrübt. Auch im Handel überwiegt die Skepsis deutlich. Die expansive Finanzpolitik der Bundesregierung und die beschlossenen öffentlichen Investitionsprogramme haben bislang noch keinen breiten, selbsttragenden Aufschwung ausgelöst. Neben den geopolitischen Unsicherheiten bremsen vor allem die schwache Inlandsnachfrage und unzureichende wirtschaftspolitische Rahmen-bedingungen die Entwicklung.
Besonders deutlich zeigt sich die Skepsis in der Industrie, deren Geschäftserwartungen auf den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn 2024 fällt. Auch im Baugewerbe ist die aktuell gute Lage kein Indiz für eine konjunkturelle Wende. Im Gegenteil, die Baufirmen senken ihren Ausblick wieder. Auch im Handel und im Dienstleistungsgewerbe fallen die Prognosen schlechter aus als im Frühjahr. Dagegen sind die Aussichten im Verkehrs- und Tourismusgewerbe zwar besser als zuletzt, jedoch überwiegen in beiden Wirtschaftsbereichen weiterhin die pessimistischen Einschätzungen.
Personalplanungen auf Talfahrt
Die anhaltend schlechten Geschäftsaussichten schlagen zunehmend auf die Personalplanungen durch. Nur 13 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Beschäftigtenzahlen, während 19 Prozent von einem Rückgang ausgehen. Der Beschäftigungssaldo sinkt um fünf auf -6 Punkte und erreicht damit den schlechtesten Wert seit Frühjahr 2020. Mit Ausnahme des Bau- und Verkehrsgewerbes liegen die Beschäftigungssalden in allen Wirtschaftsbereichen im negativen Bereich. Besonders im Handel zeichnet sich ein weiterer Personalabbau ab. Insgesamt sprechen die Personalplanungen für einen weiteren Beschäftigtenrückgang in der gewerblichen Wirtschaft.
Investitionen bleiben schwach
Auch bei den Investitionsplanungen ist keine grundlegende Wende erkennbar. Zwar verbessert sich der Investitionssaldo um vier auf -4 Punkte, er bleibt damit aber im negativen Bereich. Lediglich 17 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionsausgaben erhöhen, während 22 Prozent Kürzungen planen. Der für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung notwendige Investitionsschub bleibt weiterhin aus. Die bislang beschlossenen öffentlichen Investitionsprogramme haben noch keinen spürbaren Stimmungsumschwung bei den privaten Investitionen ausgelöst.
Arbeitskosten wieder größtes Geschäftsrisiko
Im Risikoradar der Unternehmen stehen die Arbeitskosten mit 63 Prozent der Nennungen wieder an erster Stelle. Sie lösen damit die im Frühjahr führenden Energiepreise ab, die weiterhin von 62 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt werden. Auf Rang drei folgen die Kraftstoffpreise, die zuletzt häufig neue Höchststände erreichten. Für jeweils etwa die Hälfte der Unternehmen stellen zudem die schwache Inlandsnachfrage und die unbefriedigenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko für die Geschäftsentwicklung dar. Die Ergebnisse verdeutlicht damit, dass neben den geopolitischen Belastungen insbesondere die aktuellen inländischen Kosten- und Standortbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen.
Die vollständigen Ergebnisse der Konjunkturumfrage finden Sie hier: Konjunkturreport IHK-Bezirk Leipzig | Herbst 2026