Die IHK zu Leipzig vertritt die Interessen von rund 69.000 Mitgliedsunternehmen in der Stadt Leipzig sowie in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen. Die „Wirtschaftspolitischen Positionen 2026“ dienen dabei als Leitbild und Orientierung für die Arbeit gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.
Für zahlreiche relevante Handlungsfelder werden darin Standpunkte und Forderungen der Unternehmen formuliert. Die Themen reichen von der dualen Berufsausbildung und Fachkräftesicherung über das Steuersystem und den Ausbau der Infrastruktur bis hin zu den energiepolitischen Rahmenbedingungen.
Die festgelegten Zielsetzungen bilden den Rahmen, um die Wirtschaft in der Region Leipzig zu stärken, Belastungen für Unternehmen zu reduzieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Die „Wirtschaftspolitischen Positionen 2026“ wurden in einem umfassenden und demokratischen Konsultationsprozess mit den Mitgliedsunternehmen und Gremien der IHK zu Leipzig erarbeitet. Alle Fachausschüsse der IHK waren in die Redaktion einbezogen. Unterschiedliche Interessen einzelner Branchen oder Unternehmen wurden dabei sorgfältig abgewogen und ausgeglichen. Minder- und Einzelmeinungen sind in den Texten ausdrücklich kenntlich gemacht.
Die Vollversammlung der IHK zu Leipzig hat die „Wirtschaftspolitischen Positionen 2026“ am 9. Dezember 2025 beschlossen.
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Geschäftsfeld Aus- und Weiterbildung
Die Aus- und Weiterbildung ist ein zentraler Schlüssel zur Sicherung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft. Insbesondere die duale Berufsausbildung bildet das Fundament für eine nachhaltige Fachkräftesicherung und eröffnet jungen Menschen attraktive berufliche Perspektiven. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, demografischer Wandel und Internationalisierung die Anforderungen an Qualifikationen und Bildungsstrukturen grundlegend.
Vor diesem Hintergrund gilt es, die duale Ausbildung in ihrer Attraktivität weiter zu stärken, berufliche Weiterbildung bedarfsgerecht auszubauen, Durchlässigkeit im Bildungssystem zu erhöhen und internationale sowie digitale Potenziale konsequent zu nutzen. Ziel ist ein leistungsfähiges, praxisnahes und zukunftsorientiertes System der Aus- und Weiterbildung, das den Unternehmen verlässlich qualifizierte Fachkräfte sichert und individuelle Aufstiegsperspektiven eröffnet.
- Popularität und Attraktivität der dualen Berufsausbildung erhöhen!
- Berufliche Qualifizierung und betriebliche Weiterbildung stärken!
- Digitalisierung in der Bildung stärker nutzen!
- Berufsorientierung weiterentwickeln: praktisch, flexibel, modern, verständlich!
- Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems erhöhen!
- Die Möglichkeit des „längeren gemeinsamen Lernens“ umfänglich nutzen!
- Integration von ausländischen Jugendlichen in Ausbildung unterstützen!
- Duale Ausbildungsprojekte im Ausland aufwerten!
- Europäische Perspektiven in der Berufsausbildung nutzen!
- Attraktivität der Ausbildung als Prämisse für die Fortschreibung der Teilschulnetzplanung für Berufsschulen in Sachsen heranziehen!
Existenzgründung und Unternehmensförderung
Unternehmertum stärken!
Für positiveres Unternehmerbild in der Gesellschaft eintreten!
Um das Unternehmertum zu stärken, das Unternehmerbild in ein positiveres Licht zu rücken, ihm ein frischeres Antlitz zu verleihen und damit zu Unternehmensgründungen sowie Unternehmensnachfolgen anzuregen, sind Politik und Verwaltung gehalten, unternehmerisches Handeln wieder stärker wertzuschätzen und dem Unternehmertum wieder mehr Freiräume zu geben. Sie müssen dazu beitragen, das positive Verständnis des Unternehmers bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Generierung von Wertschöpfung in der gesamten Gesellschaft wieder zu stärken und mittels geeigneter Instrumente wahrnehmbar zu kommunizieren. Positive Beispiele von erfolgreichem Unternehmertum müssen stärker von den Medien, in der Schulbildung und in der beruflichen Weiterbildung kommuniziert werden.
Zur Stärkung des Unternehmertums gehört es auch, unternehmerisches Scheitern gesellschaftlich besser zu akzeptieren. Es braucht eine positive Fehlerkultur und die Option auf eine zweite Chance. Neben dem gesellschaftlichen Verständnis müssen dafür die Rahmenbedingungen stimmen. Beispielsweise dürfen negative Einträge in Auskunfteien nach der bestandenen Wohlverhaltensphase und erteilten Restschuldbefreiung infolge einer Insolvenz die Bankfähigkeit des Unternehmers nicht negativ beeinflussen.
- Bürokratieabbau forcieren – Deregulierung vorantreiben!
- Unternehmensnachfolge erleichtern!
- Im Krisenfall für Vertrauen und Sicherheit bei den Wirtschaftsakteuren sorgen!
- Unternehmensgründung und Förderverfahren vereinfachen!
- Unternehmern den Neustart erleichtern!
- Innovatives Gründungsgeschehen in der Region forcieren!
- Unternehmensfinanzierung zukunftsfähig aufstellen!
- Betriebliches Eigenkapital weiter stärken!
- Eigenkapitalförderung durch Stiftung für strategische Investitionen im Freistaat Sachsen
- Fremdkapitalzugang erleichtern – Bankenregulierung mittelstandsfreundlich ausgestalten!
- Digitalisierung unterstützen
- Möglichkeiten der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz umfassend nutzen!
Geschäftsfeld Innovation und Umwelt
Zukunftsorientierte Innovationspolitik aufsetzen
Innovationsförderung dauerhaft sicherstellen und Verfahren vereinfachen!
Zur Stärkung der betrieblichen Forschung und Entwicklung müssen EU, Bund und Freistaat Sachsen die Finanzierung der Technologieförderung bedarfsgerecht aufrechterhalten und die Programmfinanzierung/Projektbewilligung weiterhin themenoffen gestalten. Projektförderungen, insbesondere das Zentrale Innovationsprogramm Mitteldeutschland“ (ZIM) sind dafür wichtige und bewährte Programme, insbesondere für KMU. Die Politik ist angehalten, Gesetzesvorhaben und Rahmenbedingungen auf Innovationsfreundlichkeit zu prüfen sowie Innovationshemmnisse und bürokratische (Förder-)Verfahren abzubauen. Zeitlich und räumlich begrenzte Experimentierräume sowie Unterstützungsangebote innerhalb der Markteinführungsphase müssen geschaffen werden, denn sie ermöglichen innovativen Technologien, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen eine Erprobung unter realen Bedingungen.
- Praxistaugliche Rahmenbedingungen für den Prozess der Digitalisierung schaffen!
- Kooperationen gezielt unterstützen!
- Rohstoffversorgung kostensensibel sichern – Klimapolitik und Umweltrecht mit Augen-maß
- Umweltrecht – überzogene Reglementierungen vermeiden!
- Potenzial der Umwelt- und Klimaallianz Sachsen nutzen!
- Umweltrechtliche Genehmigungsverfahren beschleunigen!
- Wirtschaftliche Entwicklung an geeigneten Standorten ermöglichen!
- Auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft setzen!
- Strategische Energiepolitik für den Freistaat Sachsen implementieren
- Klimaziele mit der Wirtschaft erreichen!
- Den Emissionshandel europäisch harmonisieren!
- Energieeinsparungen und Investitionen in Energieeffizienztechnologien weiter fördern!
- Eigenerzeugung unterstützen!
- Die Transformation der Energiewirtschaft ermöglichen und unterstützen!
- Versorgungssicherheit in Qualität und Quantität gewährleisten!
- Die Kosten des Energiesystems begrenzen sowie effizient und verursachergerecht verteilen!
- Den Ausbau von Erneuerbare-Energien-Anlagen voranbringen!
- Wasserstoffwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickeln!
- Carbon Management in den Blick nehmen!
- Kommunale Wärmewende(n) unterstützen!
Geschäftsfeld International
Internationalisierung der Unternehmen der Region weiter fördern!
Obgleich sich die Exportquote der sächsischen Wirtschaft, insbesondere durch die starke Automobilbranche, in den vergangenen Jahren signifikant verbessert hat, liegt die Anzahl der exportierenden klein- und mittelständischen Unternehmen anderer Branchen weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt. Um den Internationalisierungsgrad des regionalen Mittelstands branchenübergreifend zu erhöhen, muss die zielgerichtete staatliche Unterstützung außenwirtschaftlicher Aktivitäten unter dem Dach der „Außenwirtschaftsinitiative Sachsen“ (AWIS) künftig effektiver erfolgen. Im Rahmen der sächsischen Internationalisierungsoffensive sind Unternehmen bei ihren ersten Schritten in neue Märkte zu begleiten, z. B. durch Messeteilnahmen und Delegationsreisen, aber auch durch die anteilige Förderung der Einstellung von Fachpersonal in kleinen Betrieben zum Aufbau von Internationalisierungsstrategien und
-strukturen sowie zum anschließenden Einstieg in das Auslandsgeschäft.
Moderne Formen der Markterschließung und des Treffens im virtuellen Raum haben in den vergangenen Jahren eine neue Dynamik erhalten und tragen verstärkt zum Kontaktaufbau und der Erstkommunikation bei. Die Chancen der Digitalisierung für die Internationalisierung von kleinen und mittleren Unternehmen müssen daher konsequent unterstützt und genutzt werden.
- Gefahren für die Exportwirtschaft entgegenwirken – Sanktionen nur als Ultima Ratio!
- Rahmenbedingungen für diversifizierten, verlässlichen Außenhandel schaffen!
Geschäftsfeld Recht und Steuern
Belange der Wirtschaft in der EU-Rechtsetzung stärker berücksichtigen!
EU-Verordnungsvorschlag zur Festlegung der Bedingungen und des Verfahrens für ein Auskunftsersuchen der Kommission an Unternehmen und Unternehmensvereinigungen in Bezug auf den Binnenmarkt und damit verbundene Bereiche verhindern!
Mit EU-Verordnung soll ein neues Binnenmarktinformationstool (kurz SMIT) geschaffen werden, welches es der EU-Kommission ermöglicht, gezielt definierte Daten unmittelbar gegenüber Unternehmen (außer Kleinstunternehmen) im Falle erheblicher Schwierigkeiten bei Anwendung des Unionsrechts erheben zu können. Das kann auch sensible Unternehmensdaten betreffen, so unter anderem zur Kostenstruktur, zur Preispolitik, zu Merkmalen von Waren oder Dienstleistungen, zur Geschäftsentwicklung oder zu Kunden- und Lieferantenbeziehungen. Es ist stark zu bezweifeln, ob die vorgesehenen Erhebungen notwendig und verhältnismäßig sind. Auf nationaler und EU-Ebene werden bereits in großem Umfang Daten zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Außerdem bestehen zahlreiche Berichts- und Informationspflichten für Unternehmen. Zudem würden Datenabfragen für Unternehmen mit beträchtlichen Kosten, bürokratischem Aufwand und Gefahren für den Schutz der eigenen Daten verbunden sein. Als Beantwortungskosten pro Ersuchen werden für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) 300 bis 1.000 EUR veranschlagt. Bei Weigerung der Auskunftserteilung soll eine zwangsweise Durchsetzung möglich sein. So können Geldbußen (bis 1 Prozent Jahresumsatz) und Zwangsgelder (bis 5 Prozent Tagesumsatz pro Arbeitstag der Fristüberschreitung) verhängt werden. Das Auskunftsersuchen ist intransparent, unverhältnismäßig und mit erheblichen bürokratischen Aufwänden für Unternehmen verbunden. Obwohl der Verordnungsvorschlag zwischenzeitlich von EU-Parlament und EU-Rat abgelehnt worden ist, besteht für die Kommission weiterhin die Möglichkeit, die Verordnung in einer neuen Fassung vorzulegen. Gegenüber der EU-Politik ist daher weiterhin einzufordern, den Verordnungsvorschlag nicht weiterzuverfolgen und final zu verwerfen.
- Neue EU-Zahlungsverzugsverordnung in der aktuellen Fassung verhindern!
- Der Flexibilisierung des AGB-Rechts zulasten des Mittelstands entgegentreten!
- Strengere Ahndung von Rechtsverstößen – Unternehmen nicht kriminalisieren!
- Kommunale Unternehmen als faire Player in den Blick nehmen!
- Mittelstandsfreundliches Vergaberecht erhalten!
- Unternehmenssteuerrecht vereinfachen – Belastungen reduzieren!
- Investitionskraft der Unternehmen stärken und Besteuerung von Kosten zurückführen!
- Regelungen für Kleinunternehmen weiter vereinfachen!
- Einkommensteuer reformieren!
- Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung effektiver vorantreiben!
- Digitalisierung des Steuerrechts – digitales Besteuerungsverfahren vorantreiben!
- Weitere Anpassungen im Unternehmenssteuerrecht vornehmen!
Geschäftsfeld Standortpolitik
Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik flexibel und anreizkompatibel gestalten
Die Sicherung des Fach- und Arbeitskräftebedarfs bleibt eine der zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Eine moderne Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik muss dafür sorgen, dass Unternehmen auch künftig die benötigten Fachkräfte finden. Ebenso gilt es, bürokratische Hürden abzubauen, Anreize zur Erwerbsarbeit zu stärken und das soziale Sicherungssystem zukunftsfest auszurichten.
- Flexible Erwerbsformen berücksichtigen!
- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördern!
- Wochenarbeitszeit statt täglicher Höchstarbeitszeit!
- Keine politischen Eingriffe in die Mindestlohnfindung!
- EU-Entgelttransparenzrichtlinie wirtschaftsfreundlich umsetzen!
- Berichtspflichten reduzieren!
- Betriebliche Gesundheitsförderung ausbauen!
- Erwerbsanreize stärken - Steuer-Transfer-System reformieren!
- Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen!
- Erwerbsbeteiligung Älterer fördern!
- Zugang zum Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen verbessern
- Beschäftigungsförderung am ersten Arbeitsmarkt ausrichten
- Zuwanderung und Integration erleichtern
- Standortmarketing und Willkommenskultur ausbauen
- Geflüchtete nachhaltig in Arbeit integrieren!
- Soziale Sicherungssysteme reformieren – Belastungen für Unternehmen begrenzen
- Anteil jüngerer Menschen an SV-pflichtige Beschäftigung erhöhen!
- Rente mit 63 abschaffen!
- Altersvorsorgepflicht für Selbstständige wirtschaftsfreundlich gestalten!
- Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen in Krisen ermöglichen
- Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft stärken
- Infrastruktur weiterentwickeln – Wirtschaftsverkehr gewährleisten
- Infrastrukturausbau beschleunigen, Strukturwandel gestalten – nicht nur in Kohleregionen!
- Digitale Infrastruktur stärken: Breitbandausbau mit zukunftstauglichen Übertragungsraten!
- Regionale und überregionale Verkehrsanbindung sicherstellen und verbessern!
- Reibungslosen Wirtschaftsverkehr gewährleisten!
- Mobilität in Leipzig und Umland zukunftsfähig und unternehmensfreundlich gestalten!
- Flughafen Leipzig/Halle zukunftsfähig machen
- Mittelstandsfreundliche Steuer- und Finanzpolitik umsetzen!
- Zweckbindung für kommunale Tourismusabgaben anstreben!
- Mehrwegoffensive statt Verpackungssteuer!
- Öffentliche Haushalte: Mehr Investitionen, weniger Bürokratie!
- Bürokratielasten der Wirtschaft konsequent reduzieren!
- Kommunalverwaltungen: Wirtschafts- und Mittelstandsorientierung stärken!
- Regionale Standortpolitik strategisch denken!
- Industriestandort Region Leipzig stärken!
- Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft ausbauen!
- Logistikstandort Region Leipzig weiterentwickeln!
- Touristische Destination Leipziger Neuseenland ausbauen – Infrastruktur vollenden!
- Gesamte Region Leipzig vermarkten!
- Landes- und Regionalplanung demografiefest und zukunftsweisend weiterentwickeln, ländliche Räume stärken!
- Integrierte Stadtentwicklung unterstützen und begleiten!
- Regionale und lokale Standortfaktoren für Unternehmen verbessern!
- Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit gewährleisten!