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Pressemitteilung | 12.05.2026

Konjunkturumfrage im Frühjahr 2026: Rückschlag für die sächsische Konjunktur

+++ Geschäftsklima eingetrübt +++ Lage und Erwartungen wieder schlechter +++ Investitionsbereitschaft sinkt +++ Beschäftigung weiter rückläufig +++ Risiken nehmen erneut zu +++

Leipzig/ Dresden/ Chemnitz, 12. Mai 2026. Die sächsische Wirtschaft kann sich im Frühjahr 2026 nicht aus ihrer anhaltenden Schwächephase lösen. Im Gegenteil: Die konjunkturelle Lage hat sich gegenüber dem Jahresbeginn wieder spürbar verschlechtert. Hauptursache sind die jüngsten geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten, die zu einem starken Anstieg der Energie- und Kraftstoffpreise geführt haben. Diese Entwicklungen haben die ohnehin fragile wirtschaftliche Stimmung weiter belastet und bestehende Erholungshoffnungen zunichtegemacht.

So das Fazit der aktuellen Konjunkturergebnisse der sächsischen Industrie- und Handelskammern im Frühjahr 2026, an der sich 1.697 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe mit mehr als 82.000 Beschäftigten beteiligten. 

Die wirtschaftlichen Folgen des Nahostkonflikts wirken sich vor allem über die gestörten Lieferketten für Erdöl und Erdgas auf die globale Energieversorgung aus. Die dadurch ausgelösten schwer kalkulierbaren Preisanstiege verschlechtern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter und bremsen beziehungsweise verhindern einen konjunkturellen Aufschwung. Viele Unternehmen sehen sich gleichzeitig mit steigenden Kraftstoffpreisen, hohen Arbeitskosten, verhaltener Nachfrage und anhaltender Unsicherheit konfrontiert. In der Folge bleibt die Liquiditätslage vielfach angespannt. Kostenkontrolle dominiert die unternehmerischen Entscheidungen und geplante Investitionen werden vielerorts erneut zurückgestellt.

Geschäftsklimaindex

Der IHK-Geschäftsklimaindex verliert gegenüber dem Jahresbeginn 2026 sechs Punkte und liegt mit nunmehr 93 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2022.

Geschäftslage und Erwartungen

Die aktuelle Geschäftslage der sächsischen Unternehmen hat sich spürbar eingetrübt. Der Lagesaldo sinkt von 11 auf 6 Punkte. Besonders deutlich haben sich die Lagebeurteilungen im Verkehrsgewerbe sowie im Handel und im Gast- und Tourismusgewerbe verschlechtert. Insbesondere die explodierenden Kraftstoffpreise haben hier zu einem unerwartet massiven Kostenanstieg und in vielen Unternehmen zu Liquiditätsproblemen geführt. Die Ertragslage hat sich in der Mehrzahl der Betriebe verschlechtert. Im Tourismusgewerbe belasten ebenso Einschränkungen im Reise- und Flugverkehr sowie Buchungseinbrüche bei Nahostreisen. 

Auch die Geschäftserwartungen zeigen klar nach unten. Der Erwartungssaldo sinkt um sechs auf -18 Punkte. Damit rechnen auch in den kommenden Monaten deutlich mehr Unternehmen mit einer Verschlechterung als mit einer Verbesserung ihrer geschäftlichen Situation. Während sich die Aussichten in der Industrie- und im Baugewerbe zumindest nicht weiter eingetrübt haben, hat der Pessimismus in den anderen Wirtschaftsbereichen wieder zugenommen. Dabei ist die Zuversicht wiederum im Verkehrs- und Tourismusgewerbe sowie im Handel besonders stark gesunken. Angesichts der schwer absehbaren Dauer des Nahostkonflikts fehlen verlässliche Perspektiven für einen Aufschwung. Stattdessen nehmen Inflationsrisiken und Kostendruck weiter zu und bringen zunehmend mehr Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Die Ergebnisse der Frühjahrskonjunkturumfrage zeigen deutlich: Die sächsische Wirtschaft befindet sich weiterhin im Krisenmodus. Der Energiepreisschock hat die ohnehin fragile Lage verschärft und die Erwartungen der Unternehmen weiter eingetrübt. Ohne spürbare Entlastungen bei Kosten, Energiepreisen und Bürokratie sowie verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen droht eher eine weitere Verfestigung der Wachstumsschwäche als die erhoffte konjunkturelle Erholung.

Investition, Beschäftigung, Risiken

Die Investitionstätigkeit bleibt auf niedrigem Niveau. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Investitionsausgaben liegt weiterhin bei 17 Prozent, während 29 Prozent mit sinkenden Budgets planen. Der Investitionssaldo sinkt auf -12 Punkte. Ersatzbeschaffungen bleiben mit großem Abstand meistgenanntes Investitionsmotiv vor Rationalisierungsmaßnahmen und Innovationen. Kapazitätserweiterungen sind nur noch in jedem fünften Unternehmen vorgesehen, auch als Folge der schwachen Wachstumsaussichten. 

Die Beschäftigungspläne der Unternehmen fallen ebenfalls verhaltener aus. Lediglich 11 Prozent planen einen Personalaufbau, 22 Prozent rechnen dagegen mit einem Rückgang. Der Saldo liegt somit bei -11 Punkten. Die Unternehmen reagieren auf die schwache Konjunktur und die gestiegenen Kosten mit restriktiver Personalpolitik: Neueinstellungen werden zurückgestellt, freie Stellen bleiben länger unbesetzt, und in einzelnen Branchen ist bereits ein Personalabbau zu beobachten.

Die Risiken nehmen erneut zu. Im aktuellen Risikoradar stehen die Energiepreise mit 68 Prozent nunmehr wieder an erster Stelle, dicht gefolgt von den Arbeitskosten mit 67 Prozent. Besonders stark gestiegen ist die Bedeutung der Kraftstoffpreise, deren Anteil sich von 33 auf 64 Prozent nahezu verdoppelt und damit auf Rang drei vorstößt. Mehr als die Hälfte der Betriebe nennt außerdem die Inlandsnachfrage, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die Rohstoffpreise als zentrale Risiken. Der Fachkräftemangel verliert demgegenüber weiter an Bedeutung und wird aktuell nur noch von 35 Prozent der Unternehmen als Risikofaktor wahrgenommen.

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Porträt von Carsten Wurtmann