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Marcel Engemann (© IHK zu Leipzig/ Anja Jungnickel)

Solide Basis für künftige Lebenswege schaffen

Gespräch mit dem ehrenamtlichen Prüfer der IHK zu Leipzig Marcel Engemann

Die IHK zu Leipzig hat als eine ihrer hoheitlichen Aufgaben die Prüfung von Berufsabschlüssen zu gewährleisten. Dafür braucht es engagierte Prüferinnen und Prüfer. Einer dieser Ehrenamtler ist Marcel Engemann. WIRTSCHAFT ONLINE sprach mit ihm.

WIRTSCHAFT ONLINE: Guten Tag, Herr Engemann. Sie sind für die IHK zu Leipzig Prüfer in verschiedenen Prüfungsausschüssen. In welchen denn?

Marcel Engemann: Derzeit bin ich berufen in den Ausschüssen der Kaufleute für Dialogmarketing und der Kaufleute im E-Commerce. Großes Interesse hätte ich darüber hinaus auch am neuen Ausschuss für die Kaufleute für IT-System-Management, was aber leider auch immer eine zeitliche Frage ist. Schließlich soll die Qualität ja nicht darunter leiden.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wie muss ich mir denn Ihr Engagement vorstellen? Was machen Sie ganz konkret als Prüfer?

Marcel Engemann: Als Prüferinnen und Prüfer korrigieren wir in erster Linie die ungebundenen Teile der schriftlichen Prüfungen, das sind die offenen Fragen in den Prüfungsbögen. Zudem bilden wir die Teams für die Abnahme der mündlichen Prüfungen und versuchen hier, die Auszubildenden bestmöglich durch diese Situation zu begleiten.

Neben diesen operativen Aufgaben fallen uns aber auch planerische zu. Konkret bedeutet das, gemeinsam mit der Prüfungsorganisation der IHK den Ablauf der jeweiligen Prüfungszeiträume zu koordinieren.

WIRTSCHAFT ONLINE: Und wie viele Prüfungen nehmen Sie persönlich ab, im Laufe eines Jahres?

Marcel Engemann: Eine gute Frage. Dazu müsste ich tatsächlich erst einmal ins IHK Prüferportal schauen, denn die Anzahl hängt davon ab, wie viele Auszubildende in den jeweiligen Berufen zur Prüfung angemeldet sind – und auch davon, wie viele Prüferinnen und Prüfer zu den jeweiligen Prüfungs- bzw. Korrekturtagen zur Verfügung stehen. Für den nun startenden Zeitraum Sommer 2022 werden es wohl zwölf zu Prüfende im Bereich E-Commerce sein, mit jeweils zwei schriftlichen und mündlichen Prüfungen.
Und bei den Kaufleuten für Dialogmarketing geschätzt acht bis zehn mit demselben Pensum.

WIRTSCHAFT ONLINE: Nun steht man ja nicht frühmorgens auf und ist Prüfer. Was hat Sie bewogen, sich zu engagieren?

Marcel Engemann: Ich bin ein sehr impulsiver Mensch; es hätte so sein können!
In diesem Fall kam aber meine Schulleitung 2017 auf mich zu und schlug mir die Idee vor. Ich fand sie gleich spannend, da ich selbst schon einige Prüfungen der IHK durchlaufen habe, erst die AEVO und dann die zum Berufspädagogen. Selbst prüfen konnte ich mir gut vorstellen. Der wichtigste Grund ist aber der, dass ich die Verzahnung von Berufsschule, IHK und Ausbildungsunternehmen für eine gelungene Ausbildung im dualen System für essenziell halte. Vor allem die Berufsschule kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, um die Auszubildenden auf die Inhalte der Ausbildung und die Anforderungen der Abschlussprüfungen vorzubereiten.

WIRTSCHAFT ONLINE: Um Prüfer zu werden, braucht es Qualifikationen. Welche waren das in Ihrem Fall?

Marcel Engemann: Im Wesentlichen braucht es nur eine abgeschlossene Berufsausbildung, mehrjährige Berufspraxis und die persönliche Eignung, zu prüfen. Neben diesen bringe ich hier schon viele persönliche Kompetenzen mit. Die fachlichen und methodischen konnte ich mir in den oben genannten Lehrgängen aneignen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Und seit wann sind Sie Prüfer?

Marcel Engemann: 2017 hatte ich mein Debüt im Prüfungsausschuss der Kaufleute im Dialogmarketing. Die Kaufleute im E-Commerce kamen 2019 dazu.

WIRTSCHAFT ONLINE: Sie haben auch an der Einführung des neuen Berufes „Kaufmann im E-Commerce“ mitgewirkt. Inwieweit?

Marcel Engemann: Sie sagen es bereits: die Herausforderung in diesem Beruf liegt in seiner Neuheit! Wir wussten zu Beginn noch nicht, wie sich die schriftlichen Prüfungen und vor allem die mündliche Prüfung mit ihrem vorausgehenden Report zu einem praktischen Projekt gestalten werden. Unsere Aufgabe bestand darin, gemeinsam mit der Prüfungsorganisation in der IHK zu Leipzig, ein Konzept zu entwickeln, wie die Teile der gestreckten Abschlussprüfung auf den Prüfungszeitraum im Sommer und Winter verteilt werden können.
In langen Online-Sitzungen – der erste Prüfungszeitraum fiel in den Lockdown – haben wir darüber beraten, wie wir die Fragen der mündlichen Prüfung so formulieren, dass wir sowohl die Vorgaben der Ausbildungsverordnung zur mündlichen Prüfung einhalten als auch ein gutes Bild über die Kompetenzen der zu Prüfenden zur Einschätzung erlangen. Ich denke, da haben wir ein ganz solides Verfahren geschaffen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Prüfersein ist Ehrenamt. Das impliziert, dass Sie auch einem regulären Arbeitsverhältnis nachgehen. Was machen Sie im Berufsleben?

Marcel Engemann: Ja genau, für den Lebensunterhalt reicht es leider nicht.
Ich bin Lehrkraft und Fachleitung der Berufsschule an der Euro Akademie Leipzig.

WIRTSCHAFT ONLINE: Ach, an der Euro Akademie Leipzig. Können Sie uns ein bisschen mehr zu dieser Institution erzählen?

Marcel Engemann: Die Euro Akademie ist ein Bildungsträger in Leipzig im Aus- und Weiterbildungsbereich. Neben den dualen Ausbildungen für die Berufe Kaufmann/frau für Dialogmarketing, Kaufmann/frau im Gesundheitswesen und Kaufmann/frau im E-Commerce an der Berufsschule bilden wir auch Sozialassistentinnen und –assistenten sowie Erzieherinnen und Erzieher, in Voll- und Teilzeit an unserer Berufsfachschule und Fachschule, aus. Derzeit sind wir außerdem in den Vorbereitungen für den Start des Berufs Kaufmann/frau für IT-System-Management ab dem Schuljahr 22/23.

Für die berufliche Weiterqualifizierung nach der Ausbildung bieten wir in diesen Bereichen (Wirtschaft & Management sowie Pädagogik & Soziales) auch verschiedene Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung. Viele unserer Schülerinnen und Schüler begleiten wir so über viele Jahre auf Ihrem beruflichen Weg.

Die Euro-Schulen Leipzig GmbH unterstützen außerdem externe Auszubildende und Unternehmen durch Azubi-Trainings und Prüfungsvorbereitungen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Sie unterstützen Menschen bei Weichenstellungen, in ihrem Leben, Beruf und in der Bildung. Was reizt Sie an dieser Tätigkeit?

Marcel Engemann: Mich reizt vor allem, jungen Menschen dabei zu helfen, ihr Potenzial zu erkennen, von dem sie vielleicht selbst nicht wussten, dass sie es besitzen. Ich denke, vor allem die Berufsschule kann dazu beitragen, dass eventuelle negativen Erfahrungen in ihrer Bildungsbiographie im Setting der Erwachsenbildung nicht zwangsläufig Fortbestand haben müssen. Mein Ziel und auch das Ziel meiner Kolleginnen und Kollegen in unseren Ausbildungen ist es, unseren Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen für ein lebenslanges Lernen zu vermitteln. Nicht nur, um die Abschlussprüfung zu schaffen, sondern auch, um sich danach stetig weiter zu qualifizieren, um sich eine solide Basis für ihren künftigen Lebensweg zu schaffen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Was würden Sie sich vom Ausbildungswesen in unserem Land wünschen, wenn Sie wüssten, dass Ihr Wunsch in Erfüllung geht?

Marcel Engemann: Mein größter Wunsch wäre es, dass die Qualifizierungen über eine Aus- und Weiterbildung über die Kammern mehr Anerkennung und Gewicht gegenüber den Hochschulabschlüssen gewinnen.
In meiner Beobachtung ist dies noch immer nicht der Fall, trotz dessen sie nach DQR auf ähnlichen oder gleichen Stufen zu betrachten sind. Ich denke, dass sich mit der Erfüllung dieses Wunsches mehr junge Menschen für einen Ausbildungsberuf entscheiden würden.

WIRTSCHAFT ONLINE: Danke, Herr Engemann, für Ihre Zeit und Ihr Engagement.

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Ansprechpartner

Patricia Siebert
Abteilungsleiterin Prüfungsorganisation

So erreichen Sie Patricia Siebert:

Tel.: 0341 1267 - 1350
patricia.siebert@leipzig.ihk.de

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