Conrad Hempel über die Ziele des neuen Netzwerks Grimma und die Chancen für die Stadt

Wie aus vielen Ideen gemeinsames Handeln entsteht

02. September 2026

Seit dem 1. Juni 2026 gibt es mit dem Netzwerk Grimma e. V. einen neuen gemeinnützigen Verein. Hinter der Initiative stehen 14 Gründungsmitglieder aus unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens. Welche Rolle das Netzwerk künftig in Grimma spielen soll, welche Themen zunächst auf der Agenda stehen und warum auch Unternehmen von einem stärkeren Miteinander profitieren, darüber spricht der Vereinsvorsitzende Conrad Hempel im Interview.

WIRTSCHAFT ONLINE: Herr Hempel, mit dem Netzwerk Grimma ist im Juni ein neuer Verein entstanden. Welche Idee steckt dahinter?

Hinter dem Netzwerk Grimma steckt die Idee, Menschen, Vereine und Initiativen aus der Region zusammenzubringen. Der neue Verein soll den Austausch fördern, gemeinsame Projekte anstoßen und das gesellschaftliche Engagement in Grimma stärken. Er versteht sich als Interessenvertretung in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Soziales. In Grimma gibt es fast 9000 Gewerbeanmeldungen, über 400 ansässige Vereine sowie eine große Vielfalt sozial engagierter Initiativen. Wir sehen sehr großes Potenzial in der Vernetzung aller Akteure, da so eine Kommunikation auf kurzen Wegen ermöglicht wird, man sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen kann.

WIRTSCHAFT ONLINE: In Grimma gibt es bereits zahlreiche Vereine, Initiativen und den Gewerbeverein. Welche Funktion soll das Netzwerk Grimma zusätzlich übernehmen?

Das Netzwerk Grimma soll die bestehenden Strukturen nicht ersetzen, sondern miteinander verbinden. Die Idee ist, Vereine, soziale Initiativen, Gewerbetreibende und engagierte Menschen stärker zu vernetzen, Informationen und Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Projekte anzustoßen. So sollen Kräfte gebündelt und Doppelstrukturen vermieden werden. Das Netzwerk soll eine verbindende und koordinierende Funktion übernehmen – als Plattform für Austausch, Kooperation und gemeinsame Ideen in Grimma.

WIRTSCHAFT ONLINE: Was zeichnet das Miteinander in Grimma bereits heute aus und an welchen Stellen fehlt es aus Ihrer Sicht noch an Austausch oder gemeinsamer Initiative?

Grimma zeichnet sich bereits heute durch ein großes ehrenamtliches Engagement und viele Menschen aus, die Verantwortung für ihre Stadt übernehmen. In Vereinen, Initiativen, Gewerbe und Nachbarschaften gibt es viel Bereitschaft, etwas zu bewegen. Gleichzeitig arbeiten viele Akteure noch eher nebeneinander als miteinander. Informationen erreichen nicht immer alle, Kontakte entstehen oft zufällig und gute Ideen werden nicht unbedingt gemeinsam weiterentwickelt. Genau dort kann das Netzwerk Grimma ansetzen: 

Bestehendes sichtbar machen, Menschen zusammenbringen und aus einzelnen Aktivitäten gemeinsame Projekte entstehen lassen. Dabei geht es weniger um eine weitere Organisation als um eine offene Plattform, die den Austausch erleichtert und vorhandene Kräfte bündelt.

WIRTSCHAFT ONLINE: Die Satzung nennt das Ziel, Grimma als Lebens-, Arbeits-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort zu stärken. Können Sie anhand konkreter Beispiele erläutern, was das bedeutet?

Konkret bedeutet das, nicht nur einzelne Projekte zu fördern, sondern die Lebensqualität und die Zusammenarbeit in Grimma insgesamt zu verbessern. Unsere Vision ist es, eine barrierefreie Kontaktvermittlung und kurze Kommunikationswege für alle Akteure zu ermöglichen, sowohl auf digitalen Plattformen als auch in persönlichen Austauschformaten wie Stammtischen. Es geht um die Aktivierung von Bestehendem, die Schaffung regionaler Identität und die Nutzung daraus entstehender Synergieeffekte.

Vereine, soziale Initiativen und Gewerbetreibende können beispielsweise gemeinsame Veranstaltungen oder Nachbarschaftsprojekte entwickeln, wie Dorffeste, Kulturangebote oder Aktionen für Familien und Jugendliche, um Grimma als Lebensort zu stärken.

Unternehmen und Beschäftigte sollen stärker miteinander und mit lokalen Bildungs- und sozialen Einrichtungen ins Gespräch kommen. Daraus können beispielsweise Praktikumsangebote, Ausbildungspartnerschaften oder gemeinsame Fachkräfteprojekte entstehen. Schulen, Vereine, Unternehmen und andere Bildungsträger könnten enger kooperieren – zum Beispiel bei Berufsorientierung, Projekttagen oder außerschulischen Angeboten. 

Um Grimma als Wirtschaftsstandort zu stärken, sollen lokale Unternehmen sichtbarer werden und stärker voneinander profitieren. Gemeinsame Aktionen, Veranstaltungen oder Projekte können Kaufkraft und Aufmerksamkeit in Grimma halten. 

Der entscheidende Punkt ist für uns: Das Netzwerk soll diese Akteure zusammenbringen. Wenn aus vielen einzelnen Ideen und Engagements mehr gemeinsames Handeln entsteht, stärkt das Grimma als attraktiven Ort zum Leben, Lernen, Arbeiten und Wirtschaften.

WIRTSCHAFT ONLINE: Welche Themen und Herausforderungen möchten Sie als Netzwerk zuerst angehen?

Zuerst möchten wir zuhören und herausfinden, wo die Akteure in Grimma tatsächlich Unterstützungs- und Kooperationsbedarf sehen. Ein wichtiges Thema ist deshalb zunächst die Vernetzung selbst: Wer macht was in Grimma, welche Angebote gibt es bereits und wo können wir voneinander profitieren?

Eine weitere Herausforderung ist, Menschen für gemeinsames Engagement zu gewinnen und dabei auch diejenigen einzubeziehen, die bisher wenig Berührungspunkte mit Vereinen oder bestehenden Netzwerken haben. Unser Anspruch ist deshalb, nicht mit einem fertigen Maßnahmenkatalog zu starten, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort Prioritäten zu entwickeln und daraus konkrete Projekte entstehen zu lassen.

Voraussetzung für alle unsere Vorhaben ist es, die Gründungsformalitäten zunächst professionell und rechtssicher auf den Weg zu bringen. Ziel ist es, im Oktober die erste Mitgliederversammlung einzuberufen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Das Netzwerk bringt Unternehmen, Vereine, Kulturakteure und engagierte Bürgerinnen und Bürger zusammen. Worin sehen Sie die größte Stärke, wenn so viele verschiedene Akteure zusammenkommen?

Gerade das ist die größte Stärke des Netzwerks Grimma – die Vielfalt der Akteure, Perspektiven und Möglichkeiten. 

Ein Unternehmen denkt anders als ein Verein, ein Kulturakteur anders als eine soziale Initiative – und gerade daraus können neue Ideen entstehen. Wenn diese unterschiedlichen Akteure miteinander ins Gespräch kommen, können Kontakte, Wissen, Räume, finanzielle Möglichkeiten und persönliches Engagement zusammengebracht werden. Was für einen Einzelnen vielleicht nicht umsetzbar ist, kann gemeinsam plötzlich möglich werden.

Dabei geht es nicht darum, dass alle das Gleiche machen. Im Gegenteil: Die unterschiedlichen Interessen und Kompetenzen sollen sich ergänzen. Unser Ziel ist es, eine Kultur des Miteinanders zu schaffen, in der man sich gegenseitig unterstützt, voneinander lernt und gemeinsam Lösungen für Grimma entwickelt. Aus vielen einzelnen Kräften kann so eine gemeinsame Kraft für Grimma entstehen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Welche Möglichkeiten eröffnet das Netzwerk den Unternehmen in Grimma und wie können sie sich selbst einbringen?

Für Unternehmen eröffnet das Netzwerk vor allem die Möglichkeit, über den eigenen Betrieb hinaus Kontakte zu knüpfen und aktiv an der Entwicklung Grimmas mitzuwirken. Sie kommen mit Vereinen, sozialen Initiativen, Kultur, Bildung und anderen Unternehmen ins Gespräch und können dadurch neue Kooperationen und Projekte entwickeln.

Einbringen können sich Unternehmen ganz unterschiedlich: mit Ideen, ihrem Know-how, personellen Ressourcen, Räumen, Sachleistungen oder finanzieller Unterstützung. Ebenso wichtig ist aber die Bereitschaft, sich in gemeinsame Themen einzubringen – beispielsweise bei Ausbildung und Fachkräftesicherung, Veranstaltungen, Bildungsprojekten oder der Belebung der Innenstadt. Dabei verstehen wir Unternehmen nicht nur als Sponsoren. Sie sind aktive Partner, die ihre Erfahrungen und Kompetenzen einbringen und gemeinsam mit anderen etwas für Grimma bewegen können.

WIRTSCHAFT ONLINE: Viele Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie Fachkräfte gewinnen und langfristig an die Region binden können. Welche Rolle spielen dabei Kultur, lokale Identität und gesellschaftliches Engagement in Grimma?

Fachkräfte gewinnt man nicht allein über einen Arbeitsplatz. Entscheidend ist auch die Frage: Wie attraktiv ist der Ort, an dem ich lebe und arbeite? Genau hier spielen Kultur, lokale Identität und gesellschaftliches Engagement eine wichtige Rolle.

Wenn Menschen sich mit ihrer Stadt identifizieren, gute Freizeit- und Kulturangebote vorfinden und erleben, dass sie sich selbst einbringen und etwas bewegen können, entsteht Verbundenheit mit der Region. Das kann gerade für junge Menschen ein wichtiger Grund sein, nach Ausbildung oder Studium in Grimma zu bleiben oder später zurückzukehren.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie profitieren nicht nur von gut ausgebildeten Fachkräften, sondern auch von einem Umfeld, in dem sich ihre Mitarbeiter wohlfühlen und langfristig eine Perspektive sehen. Das Netzwerk kann dazu beitragen, Unternehmen, Kultur, Vereine, Bildung und gesellschaftliches Engagement stärker miteinander zu verbinden und damit Grimma als Lebens- und Arbeitsort attraktiver zu machen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Was wünschen Sie sich: Was sollte das Netzwerk in den nächsten Jahren für Grimma erreicht haben?

Ich wünsche mir, dass das Netzwerk in einigen Jahren ganz selbstverständlich als Plattform für Zusammenarbeit in Grimma wahrgenommen wird. Dass Menschen nicht mehr überlegen, wer für eine bestimmte Idee der richtige Ansprechpartner sein könnte, sondern wissen: Im Netzwerk finden wir die passenden Partner.

Ideal wäre, wenn daraus konkrete gemeinsame Projekte entstanden sind – zwischen Unternehmen, Vereinen, Kultur, Bildung und sozialen Initiativen. Projekte, die sichtbar etwas in Grimma verändern und gleichzeitig zeigen, was möglich ist, wenn unterschiedliche Akteure ihre Stärken zusammenbringen.

Außerdem wünsche ich mir, dass das Netzwerk dazu beiträgt, mehr Menschen für Grimma zu begeistern und stärker an die Stadt zu binden – insbesondere junge Menschen und Fachkräfte.

Und ganz wichtig: Das Netzwerk sollte offen bleiben und wachsen. Es soll kein weiterer geschlossener Kreis werden, sondern ein Ort, an dem neue Ideen, neue Menschen und neue Kooperationen jederzeit willkommen sind. Wenn wir in einigen Jahren sagen können, dass durch das Netzwerk mehr miteinander statt nebeneinander gearbeitet wird, wäre für mich schon sehr viel erreicht.

WIRTSCHAFT ONLINE: Zum Schluss noch ein persönlicher Blick auf die Stadt: Welchen Ort in Grimma zeigen Sie besonders gern Menschen, die zum ersten Mal hier sind, und was macht ihn für Sie so besonders?

Dazu gehört für mich insbesondere der Bereich entlang der Mulde – von der Pöppelmannbrücke über das Alte Seminar und St. Augustin, entlang der Stadtmauer mit ihren malerischen Gartenhäusern bis hin zur Großmühle und der Hängebrücke. Besonders beeindruckend finde ich die Hochwasserschutzmauer, die technisch wie gestalterisch sehr gelungen ist und für mich ein echtes Highlight darstellt. Gerade das Zusammenspiel von Flusslandschaft, historischen Gebäuden und moderner Gestaltung macht diesen Teil Grimmas zu einem ganz besonderen Ort.

Für mich steht dieser Ort deshalb auch ein Stück weit für das, was wir mit dem Netzwerk erreichen möchten: das Bewusstsein dafür zu stärken, was Grimma bereits hat – und gemeinsam dafür zu sorgen, dass dieses Potenzial sichtbar wird und sich weiterentwickelt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Am 10. September ist Conrad Hempel bei „Wirtschaft trifft Kultur“ im Rathaus Grimma zu Gast. Im Talk diskutiert er mit weiteren Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft darüber, was die Region stärkt und welche Rolle ehrenamtliches Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt. 

Das musikalische Programm gestaltet die Leipziger Sängerin und Songwriterin Laura Liebeskind mit einer Mischung aus Pop, Chanson, Folk und Electronica sowie poetischen, gesellschaftskritischen Texten.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Ihre Kontaktperson

    Bei Fragen hilft Ihnen Sara Holitschke gerne weiter.    

T: +49 341 1267-1129
F: +49 341 1267-1474
E: sara.holitschke@leipzig.ihk.de

Sara Holitschke – IHK zu Leipzig

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