Aus Vietnam nach Leipzig-Gohlis: Wie das Restaurant Lá Chè neue Köche ins Team holt
27. August 2026Internationale Fachkräfte erweitern für Unternehmen den Kreis passender Bewerberinnen und Bewerber. Das Leipziger Restaurant Lá Chè hat zwei Köche aus Vietnam eingestellt. Der Weg dorthin zeigt, wie wichtig Vorbereitung, Austausch und verlässliche Unterstützung sind.
Ein Montagmittag im Februar
Es ist Anfang Februar 2026, kurz nach Mittag am Leipziger Hauptbahnhof. Der Nahverkehr streikt, draußen herrschen Minusgrade. Auf dem Bahnsteig warten Elisabeth Weiß und Yvonne Ruhnau, HR-Beraterinnen der IHK zu Leipzig sowie Duc Thanh Tran, zentrale Ansprechperson vom Lá Chè, einem vietnamesisch-japanischen Restaurant in Leipzig-Gohlis. Die Reise verläuft schneller als erwartet. Der Zug kommt früher an als geplant. Unter den Ankommenden mit ihren großen Koffern ist er derjenige mit nur einem Gepäckstück und einer dünnen Jacke: Tan Thanh Ngo ist Koch aus Vietnam. Hinter ihm liegen 24 Stunden Reise – und ein knappes Jahr Vorbereitung.
„Ein warmer Empfang bei frostigen Temperaturen“, erinnert sich Tran. Es ist der erste Augenblick, in dem sich alle nach monatelangen Mails, Anrufen und Videotelefonaten persönlich begegnen. Ein besonderer Moment. Denn es ist auch die erste Einreise einer Fachkraft über das Projekt Hand in Hand for International Talents in Sachsen.
Gesucht: Köche, die es kaum gibt
Bis zu diesem Bahnsteig war es ein langer Weg. Für sein vietnamesisches Restaurant Lá Chè im Hotel de Saxe sucht Tran Köche, die, wie er sagt, „direkt einsteigen können“. Auf dem regionalen Arbeitsmarkt bleibt die Suche für ihn erfolglos. „Wenn wir jemanden ohne Erfahrung in der vietnamesischen Küche einstellen, müssen wir ihm quasi alles von Grund auf beibringen.“ Tran möchte die Speisekarte kontinuierlich weiterentwickeln und das Niveau des Restaurants weiter anheben.
Über den Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit wird Tran auf das Projekt Hand in Hand for International Talents aufmerksam. Die Unternehmen in Leipzig und der Region werden dabei eng durch die IHK zu Leipzig begleitet.
Schnelle Entscheidungen, langer Weg
Im Frühjahr 2025 nimmt das Lá Chè an digitalen Recruiting Days teil. Dort führen Unternehmen erste Gespräche mit internationalen Fachkräften anhand anonymisierter Profile. Auf diesem Weg kommen Tran und Ngo erstmals ins Gespräch. Ngo überzeugt durch seine Berufserfahrung als gelernter Koch und weil er bereits in verantwortungsvoller Position in der Küche gearbeitet hat.
Trotz des schnellen Matchings dauert es fast ein Jahr, bis Ngo aus Vietnam im Lá Chè in Leipzig-Gohlis in der Küche steht.
Während alle Vorbereitungen für die Einreise laufen, sucht Tran weiter. Denn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Küche ist hoch. Über weitere Recruiting Days von Hand in Hand for International Talents lernt er schließlich Anh Minh Truong kennen. Als gelernter Koch hat er bereits in der internationalen Luxus-Hotelkette Sofitel in Ho-Chi-Minh-Stadt gearbeitet. „Das fand ich schon sehr interessant“, erzählt Tran. Auch Fotos seiner Gerichte konnten den ersten Eindruck bestätigen. „Beim Essen ist immer das Endprodukt entscheidend. Und das sah überzeugend aus.“
Aus einer Fachkraft über Hand in Hand werden zwei. Das Lá Chè entscheidet sich schnell für Truong als zweiten Koch.
Zwischen Zusage und erstem Arbeitstag stehen noch Sprachkurse, Anerkennungsverfahren, Visa-Anträge und zahlreiche Abstimmungen an.
Viele Schritte bis zum ersten Arbeitstag
Die Rollen im Projekt sind klar verteilt: Die Auslandshandelskammer (AHK) begleitet die Fachkräfte im Herkunftsland, die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) koordiniert das Projekt bundesweit und organisiert die Recruiting Days. Die IHK zu Leipzig unterstützt gemeinsam mit dem Arbeitgeberservice die Unternehmen vor Ort bei Fragen zu Arbeitsvertrag, Gehaltsstruktur, Behördenfragen und Zustimmungsverfahren. „Wir sind die Drehscheibe zwischen allen Beteiligten“, beschreiben Weiß und Ruhnau ihre Rolle.
Damit Unternehmerinnen und Unternehmer in diesen komplexen Prozessen nicht die Orientierung verlieren, gibt es feste Ansprechpersonen. Tran bestätigt: „Die Zusammenarbeit mit der IHK war hervorragend, sehr eng, sehr schnell und immer gut abgestimmt.“
Bei Ngos Einreise laufen viele Schritte erstmals in dieser Konstellation zusammen. Eine positive Überraschung ist die volle berufliche Anerkennung durch die IHK FOSA. „Dass Herr Ngo vollständig als Fachkraft anerkannt wurde, war ein Meilenstein. Damit stand fest, er kann sofort starten“, erklärt Ruhnau. Parallel schließt er seinen Deutschkurs auf A2-Niveau ab.
Bei Truong läuft der Prozess etwas routinierter. Besonders wichtig war die sogenannte Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit zur Beschäftigung in Deutschland. „Uns war klar: Wenn wir die Vorabzustimmung nicht bekommen, funktioniert es mit dem Visum nicht“, sagt Tran. Anders als bei Ngo wird sein Berufsabschluss nicht vollständig anerkannt. „Das kommt gar nicht so selten vor“, ordnet Ruhnau im Gespräch ein. Die fehlenden Inhalte der deutschen dualen Ausbildung kann Truong parallel zur Beschäftigung im Unternehmen nachholen. Als Ausbildungsbetrieb kann das Lá Chè vieles im Arbeitsalltag vermitteln.
Vom ersten Kontakt bis zur Einreise vergehen bei beiden Köchen fast zwölf Monate. „Wenn man sich schon gefunden hat und trotzdem ein Jahr warten muss, ist das natürlich eine lange Zeit. Aber ich bin froh, dass es geklappt hat“, sagt Tran.
Während sich die Wartezeit für das Lá Chè lang anfühlt, laufen die Vorbereitungen bei Weiß und Ruhnau auf Hochtouren. „Wir waren täglich erreichbar, teilweise haben wir mehrfach am Tag telefoniert“, erklärt Weiß. „Wenn eine Anfrage kam, haben wir innerhalb von 24 Stunden reagiert. Wir wussten: Jeder Tag zählt.“
Für die Fachkräfte sind Sprachkurse, Anerkennung und Visumverfahren die Grundlage dafür, dass sie gut vorbereitet einreisen und in den Betrieb starten können.
Im Januar 2026 kommt schließlich die Genehmigung. Am 2. Februar landet Ngo in Deutschland. Truong folgt wenige Monate später und reist Anfang Mai 2026 ein.
Ankommen ist mehr als Einreise
Nach dem Empfang am Bahnhof an diesem kalten Februartag geht es für Ngo zunächst ins Hotel de Saxe. Es gibt warmes Essen, ein Zimmer, ausruhen nach der langen Reise. Am nächsten Tag stehen die ersten Behördengänge an: Anmeldung, Konto, Krankenversicherung, Handyvertrag, Gesundheitspass. Tran begleitet viele dieser Schritte persönlich. Innerhalb weniger Tage sind die wichtigsten Formalitäten erledigt.
Ngo nutzt die Woche vor Arbeitsbeginn für Spaziergänge durch Leipzig. Er erkundet die Stadt, fährt Bus und Bahn, schaut sich um. „Leipzig hat viele schöne Ecken“, sagt er. „Fast schon ein richtiger Leipziger“, kommentiert Tran lachend. Bald wollen sie gemeinsam ins Fußballstadion gehen.
Als Truong im Mai ankommt, sind viele Abläufe eingespielter. Auch er wohnt zunächst im Hotel, eine Wohnung wenige Hausnummern weiter ist bald gefunden. Um die ersten Behördengänge kommt auch er nicht herum. Sein neuer Kollege Ngo unterstützt ihn so gut, wie er kann.
Für Tran ist das ein sichtbarer Lerneffekt. „Die beiden tauschen sich so gut aus, dass ich die Einarbeitung fast abgeben kann“, lacht er.
Jede Küche hat ihre eigenen Kniffe
Im Küchenalltag zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel von Erfahrung und Einarbeitung ist. Ngo findet sich nach seiner Ankunft schnell ins Team ein und übernimmt bald die Grillgerichte. Truong bringt neue Ideen für die Speisekarte ein, darunter ein Lachs-Tatar für die Sommerkarte.
Gleichzeitig werden Rezepte gemeinsam weiterentwickelt und an die Erwartungen der Gäste in Leipzig-Gohlis angepasst. „Wenn ich in Vietnam bin, muss ich nicht nachwürzen. Aber hier in Leipzig passen wir die Gerichte noch einmal geschmacklich an“, erklärt Tran.
Für ihn ist dieser Austausch wichtig: „Die beiden Köche bringen ihre Erfahrungen aus Vietnam ein, und wir unsere mit den Gästen und betrieblichen Abläufen.“
Internationale Fachkräfte gewinnt man nicht über Nacht
Das Beispiel Lá Chè zeigt, dass internationale Fachkräftegewinnung kein schneller Ersatz für kurzfristige Personalsuche ist. Aber sie kann eine Lösung sein, wenn sich der Fachkräftebedarf auf dem regionalen Arbeitsmarkt nicht decken lässt. Unternehmen sollten Zeit einplanen, Anforderungen frühzeitig klären und das Ankommen neuer Mitarbeitender aktiv begleiten, nicht nur am Bahnsteig, sondern auch in den Wochen danach. Die IHK zu Leipzig unterstützt Unternehmen dabei. „Es war ein langer Weg“, sagt Tran rückblickend. „Aber besser lang als gar nicht erfolgreich.“
Auch nach den beiden Einstellungen bleibt das Thema Fachkräfte für Tran aktuell. „In der Gastronomie darf man nicht erst suchen, wenn der Bedarf bereits besteht. Besser ist, man fängt rechtzeitig an, sich umzuschauen“, sagt er.
Kontakte
Unternehmen, die sich für internationale Fachkräftegewinnung über „Hand in Hand for International Talents“ interessieren, können sich an die Projektpartnerinnen vor Ort wenden.
IHK zu Leipzig
Yvonne Ruhnau
Yvonne.RuhnaunoSpam@leipzig.ihk.de
Elisabeth Weiß
Elisabeth.WeissnoSpam@leipzig.ihk.de
IHK-Fachkräfteprojekt - Talente gewinnen und sichern | IHK zu Leipzig
Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Leipzig
Christiane Hintermeyer
christiane.hintermeyernoSpam@arbeitsagentur.de
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/leipzig/unternehmen
Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen
Eileen Gammelin
eileen.gammelinnoSpam@arbeitsagentur.de
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/oschatz/unser-arbeitgeberservice
DIHK-Koordination für das Projekt Hand in Hand for International Talents in Sachsen
Marcel Fernandes
fernandes.marcelnoSpam@dihk.de
https://hand-in-hand-for-international-talents.de/
https://hand-in-hand-for-international-talents.de/ueber-uns/
Das Projekt wird mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt und über die DIHK Service GmbH umgesetzt.
Fotos: IHK zu Leipzig/Stefan Schacher