Staatsministerin Barbara Klepsch am Ruder eines Schiffes
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Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch im Interview

Was ist der Masterplan Tourismus Sachsen?

18. März 2024

Über 91.000 Menschen arbeiten in der sächsischen Tourismusbranche. Insgesamt verdienen etwa 180.000 Menschen in Sachsen ihr Einkommen direkt oder mittelbar über die Wertschöpfung durch den Tourismus. 2023 kamen allein nach Leipzig 2 Millionen Gäste, die 3,8 Millionen Übernachtungen erzeugten.

Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, beantwortet in unserem Interview Fragen zum gerade erstellten „Masterplan Tourismus Sachsen“ und äußert sich zum Vertrauensverlust großer Teile der Branche gegenüber der Politik.

WIRTSCHAFT ONLINE: Guten Tag, Frau Staatsministerin Barbara Klepsch. In Ihrer Funktion als Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus haben Sie Ende Februar 2024 den „Masterplan Tourismus Sachsen“ vorgestellt. Dieser wurde gemeinsam mit der Branche als neue Strategie erarbeitet. Welche neuen Inhalte sind denn im Masterplan versammelt?

Barbara Klepsch: Der Masterplan umfasst 65 lesenswerte Seiten, die ich hier gar nicht alle im Detail vorstellen kann. Konkret wollen wir die Gästezahlen noch einmal steigern und die Gästezufriedenheit weiter erhöhen. Wir wollen wachsen in Qualität und Quantität. Ebenso wichtig ist, das hat uns der Beteiligungsprozess für den Masterplan gezeigt, die sächsische Bevölkerung für das Thema Tourismus zu begeistern.
Die Vorhaben, die wir in 15 prägnanten Punkten des Masterplans und in den sieben Handlungsfeldern Tourismusmarketing, Finanzen, Ganzjahrestourismus, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Mobilität und Fachkräfte aufgezeigt haben, werden wir in jährlichen Handlungspläne nun konkretisieren. Wichtig bleibt dabei, sich mit der Branche und den anderen Ministerien auszutauschen und abzustimmen – denn Tourismus ist ein Querschnittsthema, welches nicht allein mein Haus betrifft.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wie gestaltete sich der Beteiligungsprozess?

Barbara Klepsch: Der Beteiligungsprozess durchlief verschiedene Phasen und war stets von einer großen Resonanz geprägt. Ende 2022 nahmen 172 Partner aus der Tourismusbranche an unserer Befragung zu den aktuellen Herausforderungen teil. Im ersten Halbjahr 2023 haben wir dann insgesamt sieben Zukunftswerkstätten in allen Tourismusregionen Sachsens durchgeführt – jede zu einem anderen zentralen Handlungsfeld. Die Zukunftswerkstätten standen für alle offen und wurden von Leistungsträgern aus der Tourismusbranche, Vereinen und Verbänden, Vertretern der kommunalen Ebene und anderer Ministerien rege genutzt. Insgesamt 500 Teilnehmer brachten hier ihre Ideen ein, viele waren mehrfach dabei.
Fachlich begleitet wurde die Erstellung des Masterplans durch die Expertise eines Tourismusbeirats mit 51 Mitgliedern. In diesem haben verschiedene Interessensvertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Handel, Verkehr, Kultur, Tourismus und Verwaltung unter anderem intensiv das neue Leitbild diskutiert.
Gerade sind wir wieder mit dem Masterplan in Sachsen unterwegs und stellen die Ergebnisse nun in sieben Roadshows mit jeweils einem Schwerpunkt in den Reiseregionen vor.

WIRTSCHAFT ONLINE: Auf den Masterplan sollen jährliche Handlungspläne folgen – können Sie uns dazu bitte Näheres erzählen?

Barbara Klepsch: Der Masterplan gibt einen Orientierungsrahmen vor. In jährlichen Handlungsplänen, die auf dem Masterplan aufbauen, wird das Tourismusministerium nun die notwendigen Maßnahmen zur Erreichung der Ziele ab 2025 konkret definieren. Mit diesem Vorgehen gewährleisten unsere Maßnahmen eine größtmögliche Aktualität und sind auch auf die aktuellen Herausforderungen abgestimmt.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wichtig für Unternehmen ist natürlich, neben dem Abbau der Bürokratiehemmnisse, Punkt 8 Ihres Masterplans: „Finanzierung auf eine gesicherte Basis stellen“. Hier formulieren Sie: „Eine gesicherte Finanzierung ist eine wesentliche Voraussetzung für einen funktionierenden Tourismus. Deshalb werden wir den Einsatz der bisherigen Zuwendungsmöglichkeiten des Freistaates für die Partner im Tourismus evaluieren und auf dieser Basis weiterentwickeln und bei Bedarf neu aufstellen.“ Wie wollen Sie hier vorgehen? Viele Unternehmen haben das Vertrauen in die Politik verloren, schließlich gab es auch das Versprechen des Bundeskanzlers im Wahlkampf 2021, in der ARD-Wahlarena im September, dass die Gastro-Regelung zur Mehrwertsteuer nie wieder abgeschafft werde. Hier wissen wir, dass dies nicht eingehalten wurde …

Barbara Klepsch: Dass die Regelung zum reduzierten Mehrwertsteuersatz nicht verlängert wurde, bedauere ich außerordentlich. Dass die reduzierte Mehrwertsteuer weiter gelten soll, dafür habe ich mich immer wieder an verschiedenen Stellen eingesetzt. Daher kann ich nachvollziehen, dass das Vertrauen in die Politik durch dieses Ereignis belastet ist.
Als Tourismusministerin für den Freistaat Sachsen setze ich mich mit meiner ganzen Kraft für unsere Leistungsträger vor Ort ein. So fördert die Sächsische Staatsregierung den Tourismus auf vielfältige Art und Weise. Nur auf ein paar Beispiele möchte ich hier eingehen: Wir fördern die Destinationsentwicklung und das Tourismusmarketing über unsere Förderrichtlinie Tourismus in diesem Jahr mit rund 5,4 Mio. Euro. Davon erhalten die Destinationsmanagementorganisationen (DMO) den Großteil. Die DMO Leipzig Region unterstützen wir in diesem Jahr so mit rund 770.000 Euro, um beispielsweise die Umsetzung der regionalen Nachhaltigkeitsstrategie und die Entwicklung digitaler touristischer Angebote voranzubringen.
Die finanzielle Unterstützung für den Landestourismusverband Sachsen e.V. (LTV) haben wir in den letzten Jahren stetig erhöhen können, auf in diesem Jahr rund 2 Mio. Euro. Damit kann der LTV für den Tourismus im wichtigen Feld der Digitalisierung für kleine und mittelständige Unternehmen kostenfreie Beratungs- und Weiterbildungsangebote anbieten. Es werden ebenfalls Projekte zur Fachkräfteausbildung- und Qualifizierung umgesetzt und die Medienkampagne „Tourismustalente für Sachsen“ fortgeführt. Außerdem zeichnen wir auch dieses Jahr unsere Tourismushelden für herausragende Leistungen im Berufsalltag aus und prämieren unsere Gästelieblinge, die bei Sachsenurlaubern die höchste Gästezufriedenheit vorweisen. Hinzu kommen der Kleinprojektefonds für Wander- und Tourismusinitiativen, die der LTV betreut. Damit konnten bereits 316 Kleinprojekte wie z. B. der Bau von Schutzhütten oder das Aufstellen von Bänken an Verweil- und Rastplätzen gefördert werden.
Die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS) bündelt die touristischen Marketingmaßnahmen unter der Dachmarke „SACHSEN. LAND VON WELT.“ und vermarket das Reiseland Sachsen erfolgreich im In- und Ausland. Dafür stellen wir in diesem Jahr über 7 Mio. EUR zur Verfügung.

WIRTSCHAFT ONLINE: Auch Punkt 14 unter der Überschrift „Touristische Mobilität in den Regionen voranbringen“ dürfte schwer umsetzbar sein, sehen wir doch die katastrophalen Zustände im ÖPNV besonders in Großstädten mit Überbelastung, Sicherheitsproblemen und Verdreckung; auch bei der Bahn ist äußerst viel Luft nach oben. Wie kann hier Verlässlichkeit errungen werden?

Barbara Klepsch: Tourismus und Mobilität sind untrennbar miteinander verbunden. Wir werden die Touristische Mobilität nur gemeinsam mit anderen Partnern voranbringen können. Deswegen ist es notwendig, dass Kooperationen mit Verkehrsunternehmen, der Tourismusbranche, Kommunen, Landkreisen und den DMO beschleunigt werden.
Die größte Herausforderung für uns besteht daher darin, dass wir als Ministerium gemeinsam mit den DMO und Touristikern vor Ort nur wenige Aspekte selbst gestalten können. Hier existieren für uns klare Grenzen, bspw. im Hinblick auf die Bahnanbindung und die ÖPNV-Situation vor Ort. Wir positionieren uns klar zur Mobilitätswende und müssen doch die tatsächlichen Bedingungen der Erreichbarkeit berücksichtigen, die durch Topografie und Lage unserer touristischen Regionen bestimmt werden. Und so bleibt auch die Individualmobilität mit Pkw Bestandteil der künftigen Betrachtung im Tourismus. Wichtig ist hier das Bewusstsein und die Verantwortung in den Regionen, Mobilität mit Nachhaltigkeitskonzepten, wie bspw. intelligenter Besucherlenkung, zu ergänzen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Jetzt ist der „Masterplan unterwegs“. Mit dieser Veranstaltungsreihe kommen Sie in die Regionen, beispielsweise am 25. April 2024 von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr für die Region Leipzig ins Kaiserbad in der Karl-Heine-Straße in den Leipziger Westen. Was soll denn hier geschehen und wen möchten Sie mit der Veranstaltung ansprechen?

Barbara Klepsch: Mit unserer Veranstaltungsreihe „Masterplan unterwegs" gehen wir noch einmal in die sieben Destinationen, in denen bereits die Zukunftswerkstätten stattgefunden haben. In jeder Destination wird das Schwerpunktthema der Zukunftswerkstatt aus dem vergangenen Jahr inhaltlich aufgegriffen, in Leipzig also das Thema Nachhaltigkeit. Außerdem werden die Ergebnisse der ersten umgesetzten Maßnahmen aus dem Masterplan vorgestellt. Dazu zählt beispielsweise die Vorstellung der ersten Ergebnisse der Markentreiberanalyse. Wir haben die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbh (TMGS) mit der Studie beauftragt, um zu zeigen, was Sachsen als Reiseland attraktiv macht. Und wir werden auch Einblicke in die neue Studie zu Lebensqualität und Tourismus in Sachsen geben.

Vor wenigen Tagen ist unsere Wertschätzungskampagne für Sachsens Tourismus an den Start gegangen. Dafür wurden sieben Protagonisten aus der Branche aus ganz Sachsen vor die Kamera geholt, die für den Tourismus in Sachsen brennen. Für Leipzig Region ist das Holger Hartig, Schifffahrtskapitän am Markleeberger See, unter dem Leitsatz „Tourismus: Verbindet. Bei uns in Sachsen.“ Er und seine sechs Mitstreiter sind in diesen Tagen auf Großflächen in ganz Sachsen und online zu sehen. Mit dieser Kampagne wollen wir in der breiten Bevölkerung das Bewusstsein dafür stärken, welchen großen Wert der Tourismus als Wirtschaftsfaktor und für die Lebensqualität bei uns im Freistaat hat.

WIRTSCHAFT ONLINE: Jetzt ist der Masterplan final beschlossen. Wie geht es jetzt aber ganz konkret mit der Umsetzung im Sinne der Branche weiter? Ganz praktisch, Frau Staatsministerin Klepsch?

Barbara Klepsch: Ich freue mich sehr, dass wir die Umsetzung konkreter Maßnahmen bereits anpacken konnten.

Neben der Wertschätzungskampagne und den Studien zu unseren touristischen Alleinstellungsmerkmalen und zur Lebensqualität können wir – Dank des Sächsischen Landtags – seit 2023 Investitionen in übersaisonale Aktivangebote über das Programm Ganzjahrestourismus fördern. Bis Ende 2024 stehen dafür insgesamt 7,2 Mio. Euro zur Verfügung. Wir konnten bereits zahlreiche Projektvorhaben unterstützen, u. a. den Winterzauber im Sonnenlandpark Lichtenau, eine Indoor-Spiel-Erlebniswelt für Familien mit Kindern in Eibenstock, den Aufbau von Aktivtourismus im Sommer und ein ganzjähriges Angebot zur Bewegungsförderung in Oberwiesenthal.
2025 wird es einen neuen Landeshaushalt geben. Für diesen werden wir mit den im Masterplan festgehaltenen Vorschlägen in die Planung gehen. Darüber hinaus werden wir weitere Maßnahmen ergreifen, um die konkret definierten Ziele bis 2030 (Steigerung der Gästeankünfte, Übernachtungen, Gästezufriedenheit, regionales Einkommen und Tourismusakzeptanz der Bevölkerung) zu erreichen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Gibt es Möglichkeiten, auch fernab der Veranstaltungen auf dem Laufenden zu bleiben? Vielleicht einen Masterplan-Newsletter oder so etwas Ähnliches? Wenn ja, wie könnte ich diesen ordern?

Barbara Klepsch: Ja, es gibt einen Masterplan-Newsletter, über den Sie Neuigkeiten erfahren können. Dafür können Sie sich über unsere Seite www.masterplan-tourismus.sachsen.de anmelden. Dort finden Sie unter anderem auch einen schönen Rückblick auf den Beteiligungsprozess und können den gesamten Masterplan nachlesen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Danke, Frau Staatsministerin Barbara Klepsch, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Auf dass der Prozess Früchte trägt.

Anmeldungen zu den Veranstaltungen „Masterplan unterwegs“:

»Masterplan unterwegs« in den sieben Tourismusregionen - Tourismus Sachsen - sachsen.de

Ihre Kontaktperson

Bei Fragen hilft Ihnen Birgit Kratochvil gerne weiter.

T: +49 341 1267-1403
M: +49 151 12670034
F: +49 341 1267-1420
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Porträt Birgit Kratochvil

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