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Frau Uta Schladitz (© Schladitz/ Landkreis Nordsachsen)

„Ich bin Teil eines Ganzen. Teil der Umwelt und Natur. Ich gehöre dazu.“

Gespräch mit Uta Schladitz, Leiterin im Amt für Wirtschaftsförderung und Landwirtschaft im Landratsamt Nordsachsen

Grün ist die Farbe der Zeit. Im Landkreis Nordsachsen gibt es seit Jahren „Grüne Berufe“, die die Region prägen. Was diese ganz konkret sind und an wen sich das Angebot „Grüne Berufe“ richtet, erfragte WIRTSCHAFT ONLINE bei Uta Schladitz, die im Landratsamt Nordsachsen das Amt für Wirtschaftsförderung und Landwirtschaft leitet.

WIRTSCHAFT: Guten Tag, Frau Uta Schladitz. Sie sind die Leiterin im Amt für Wirtschaftsförderung und Landwirtschaft im Landratsamt Nordsachsen. Kollege Dr. Ziener aus unserem Haus sagte mir, dass die „Grünen Berufe“ mit im Mittelpunkt Ihrer Arbeit stehen. Inwieweit agieren Sie in Ihrem Amt für die „Grünen Berufe“?

Uta Schladitz: Durch unsere Bildungsberater gemäß § 76 BBiG für die „Grünen Berufe“ als auch durch die Fachkräfte- und Imagekampagne für die nordsächsische Land- und Ernährungswirtschaft „natürlich.frisch.nordsächsisch.“, ein Projekt der Fachkräfteallianz Nordsachsen, stehen wir in engem Kontakt mit den agrar- und hauswirtschaftlichen Unternehmen sowie den regionalen Kreisbauernverbänden in unserem Landkreis und unterstützen diese bei der Fachkräftegewinnung sowie deren Öffentlichkeitsarbeit und Imageverbesserung, zum Beispiel mit einem eigenen Facebook-Kanal sowie der Homepage landwirtschaft-nordsachsen.de (Links am Ende des Beitrags, Anm. d. Red.)

WIRTSCHAFT: Was ist das eigentlich, dieses „Grüne Berufe“?

Uta Schladitz: Unter „Grüne Berufe“ fassen wir 14 Berufe der Agrarwirtschaft, einschließlich des Gartenbaues, hier beispielsweise im Landkreis Nordsachsen erlernbar: Landwirt, Tierwirt, Fachkraft für Agrarservice, Pferdewirt, Gärtner, Revierjäger, Fischwirt oder Forstwirt (m/w/d) zusammen.

WIRTSCHAFT: Gibt es Zahlen? Wie viele Ausbildungen in wie vielen Unternehmen in welchen Sektoren, seit wann und was für Berufsbilder betrifft es?

Uta Schladitz: In insgesamt 163 anerkannten Ausbildungsunternehmen der Agrarwirtschaft und in drei hauswirtschaftlichen Unternehmen im Landkreis Nordsachsen werden mit Stand 14. April 2022 ausgebildet: 88 Mal Berufe der Land- und Tierwirtschaft in vier Fachrichtungen, davon 23 in der Pferdewirtschaft in zwei Fachrichtungen, 51 im Gartenbau in vier Fachrichtungen, neun Mal zur Fachkraft Agrarservice und 32 weitere Ausbildungen, beispielsweise Fischwirt, Revierjäger, hauswirtschaftliche Berufe. Die Angaben verstehen sich ohne den Forst.

WIRTSCHAFT: Die „Grünen Berufe“ betreffen – so stellt es auch Ihr großartiger Film zum Thema dar – die Landwirtschaft. Wie steht es denn da um den Nachwuchs? Interessieren sich junge Menschen in Nordsachsen dafür? Welche Stellschrauben können noch gedreht werden, um mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken?

Uta Schladitz: Wir nutzen verschiedenste Instrumente der Kommunikation zwischen Schulen und Betrieben der „Grünen Berufe“, um über die Ausbildungsrichtungen zu informieren. Die nordsächsische Plattform ausbildung-gruen.de (Link am Ende des Beitrags, Anm. d. Red) gibt eine Übersicht aller Berufe und der dazugehörigen Ausbildungsbetriebe. Außerdem finden sich hier aktuelle Broschüren für Ausbilder auf der einen Seite und Schülerinnen und Schüler auf der anderen Seite. Unsere Partner an den Schulen kennen diese Instrumente. Wir organisieren Veranstaltungsformate, wo sich Schulen und Betriebe kennen lernen. Wir unterstützen bei der Organisation von Praktika und Berufsfelderkundungen. Außerdem sind unsere Bildungsberater auf allen regionalen Ausbildungsmessen präsent, meist mit technischer und personeller Unterstützung regionaler Betriebe vor Ort. Das Interesse der jungen Leute ist vorhanden. Stellschrauben sind sicherlich Verdienstmöglichkeiten und die Attraktivität des Betriebes, die das Ringen um Nachwuchs befördern könnten. Die Jugendlichen informieren sich heute im Wesentlichen über das Internet, leider sind hier viele Unternehmen noch nicht bzw. nicht zielgruppengerecht präsent. Hier besteht also noch Handlungsbedarf.

Hervorheben möchte ich auch die seit 2019 laufende Organisation, Durchführung und Nachbereitung des Berufsfachinformationstages „Green Day“ am zuständigen BSZ.

Fragen, die sich unsere ausbildungswillige Jugend immer mehr stellt, sind u.a.: Was ist Stadtökologie? Wie können der dörflich-ländliche Strukturen erhalten werden? Wie werden und können Grundnahrungsmittel ökologisch produziert werden? Was kann ich zum Erhalt und zum Schutz der Artenvielfalt beitragen? Wie geht Waldumbau? Nicht zuletzt auch neue Produktionsmethoden und -techniken kennen- und bedienen lernen. „Ich bin Teil eines Ganzen, Teil der Umwelt und Natur – ich gehöre dazu!“

WIRTSCHAFT: Und junge Menschen außerhalb Nordsachsens? Gibt es da einen Drang hinein in Ihren Landkreis?

Uta Schladitz: Zugpferd im wörtlichen Sinn ist auch das Landesgestüt Graditz. Lehrstellen werden mit begabten Jugendlichen aus anderen Bundesländern sehr gern besetzt. Forschung und Lehre geht auch in der Besetzung freier Ausbildungsstellen im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch einher. Stadtökologie, ebenso naturnahes Wohnen im Kommunal- und auch im privaten Wohnumfeld, sind Themen des Garten- und Landschaftsbaus. Immer häufiger werden entsprechende Ausbildungsstellen geschaffen, weitere werden stetig im Produktions- und im Dienstleistungsgartenbau mit interessierten und leistungswilligen Jugendlichen anderer Bundesländer besetzt.

Die Vertreter der zuständigen Stelle nach BBiG unterstützen und begleiten aktiv den Stellenbesetzungsprozess, Beratungsaufgaben im hoheitlichen Sinn nehmen zu.

WIRTSCHAFT: Auch „Grüne Berufe“ müssen zukunftssicher aufgestellt sein. Welche Entwicklungen werden da gerade – auch durch Ihr Haus – begleitet? Was muss noch geschehen?

Uta Schladitz: Förderung beruflicher Absolventen durch Bildung ist in der Landwirtschaft und im Gartenbau existenziell entscheidend. Unternehmen nutzen die vielfältigen Möglichkeiten der beruflichen Bildung. So beispielsweise die kooperative Ausbildung zwischen Unternehmen und Hochschule, die Berufsausbildung einhergehend mit der Hochschulreife (Berufsausbildung mit Abitur) bzw. auch die Möglichkeit des Erwerbes der FOS+Grün im BSZ Dresden immer häufiger genutzt. Beratungen dazu werden über die Bildungsberater gem. BBiG abgesichert. Immer besser gelingt es den Unternehmen, Berufsabsolventen über die Bildungsgebote der land- und gartenbaulichen Fachschulen in Sachsen zu beraten und Bildungsangebote zu nutzen.

Die meisterliche Ausbildung in der nordsächsischen Agrarwirtschaft und im Gartenbau hat für die Bildungsberatung absolute Priorität.

Eine fachlich-praktische Mitwirkung unserer Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den Meisterprüfungsausschüssen der Landwirtschaft und im Gartenbau ist selbstverständlich. Durch den Wissenstransfer wird unsere nordsächsische Agrarwirtschaft sozial-fachlich und wirtschaftlich gestärkt.

WIRTSCHAFT: Welches sind die weichen und harten Faktoren für eine ganz persönliche Zukunft in Nordsachsen? Warum sollten Menschen ihre Zukunft gerade in Nordsachsen suchen?

Uta Schladitz: Nordsachsen ist ein lebens- und liebenswerter Landkreis, ideal zum Wohnen und Arbeiten. Prosperierende Wirtschaftsstandorte machen ihn ebenso aus wie naturbelassene Landschaften.

Im boomenden Westen des Kreises sind der Flughafen Leipzig/Halle sowie Unternehmen mit weltweit begehrten Produkten die Aushängeschilder. Eine gut ausgebaute Infrastruktur, die Anbindung an das internationale Autobahnnetz, Bahn- und S-Bahnanschlüsse sowie der Hafen in Torgau bilden die Grundlage für Nordsachsens Wirtschaft.

Ein breiter Branchenmix bietet verteilt über alle Regionen im Landkreis vielfältige Arbeitsmöglichkeiten. Industrie, wie Glas, Maschinen- und Anlagenbau, die Ernährungswirtschaft oder Unternehmen des Handwerks, der Dienstleistungen und der Landwirtschaft sorgen in den Städten und Gemeinden für Beschäftigung.

Prägend für Nordsachsen ist die intakte Landschaft. Sie wartet mit besonderem Charme an Elbe und Mulde auf, verfügt über die Waldgebiete der Dübener Heide, des Wermsdorfer Forsts oder der Dahlener Heide, verzaubert mit den Auenlandschaften in Schkeuditz oder den Tagebauseen im Leipziger Norden, die Teile des Leipziger Neuseenlandes sind. Zahlreiche gut ausgeschilderte sowie gut ausgebaute Rad- und Wanderwege warten auf Erholungssuchende. Ausstellungen, Museen, Musikevents, Theater und Volksfeste bieten zudem Kurzweil und Möglichkeiten der Begegnung.

Lebenswert machen den Landkreis zudem die gut organisierten Bildungs- und Gesundheitsangebote sowie die umfangreichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten der Kommunen. Zu den Vorteilen des Lebens im ländlichen Raum gehören auch bezahlbare Wohngrundstücke.

Noch sind nicht alle Trümpfe dieser Region aufgezählt. Denn Alteingesessene, aber auch Neu-Nordsachsen schätzen die Nähe zu den Oberzentren Leipzig und Halle. Hier stimmt also das Gesamtpaket.

WIRTSCHAFT: Danke, liebe Frau Schladitz, für Ihre Zeit und Ihre Antworten.

Die im Text erwähnten Verlinkungen:

www.facebook.com/LandwirtschaftNordsachsen

www.landwirtschaft-nordsachsen.de

www.ausbildung-gruen.de

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