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Thomas Reinhold (© MFAG)

Weg von Schwarz oder Weiß!

Gespräch mit dem Leiter Kommunikation und Politikbeziehungen der Mitteldeutschen Flughafen AG Thomas Reinhold

Um in der Gesellschaft, der Politik und der Verwaltung Tendenzen nachvollziehen zu können, braucht es belastbares Zahlenmaterial – und dafür braucht es Studien. Nun liegt eine Studie vor, die die Wahrnehmung des Flughafens Leipzig/Halle in der Bevölkerung repräsentativ abgefragt hat. WIRTSCHAFT ONLINE sprach mit Thomas Reinhold, Leiter Kommunikation und Politikbeziehungen der Mitteldeutschen Flughafen AG, über die Ergebnisse.

WIRTSCHAFT ONLINE: Die Mitteldeutsche Flughafen AG hat am 16. März 2022 die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zur Wahrnehmung des Flughafens Leipzig/Halle in der Bevölkerung veröffentlicht. Beauftragt war Forsa, Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH. Wie viele Menschen haben eigentlich an der Befragung teilgenommen und wie wurde diese in welchem Zeitraum durchgeführt?

Thomas Reinhold: Lassen Sie uns nicht allein auf die Zahl der Befragten schauen. Der Auftrag an Forsa war klar: wir wollten unbedingt ein repräsentatives Stimmungsbild aus der Region. Diese umfasst Leipzig, Halle, den Landkreis Leipzig, den Kreis Nordsachen sowie den Saalekreis. Vom 26. Januar bis zum 16. Februar 2022 wurden dafür insgesamt 1.053 Bürger ab 18 Jahre über das Online-Panel „forsa.omninet“ befragt. Ohne zu tief in die Methoden der Meinungsforschung einzusteigen: diese Stichprobe der Bevölkerung in der Region Leipzig/Halle ist so zusammengesetzt, dass die Ergebnisse repräsentativ sind und die Meinung zum LEJ abbilden.

WIRTSCHAFT ONLINE: Neben der Grundhaltung zum Fliegen wurde auch die Bedeutung des Flughafens für die Bevölkerung abgefragt. Welche Ergebnisse lesen Sie ab?

Thomas Reinhold: Die Ergebnisse motivieren und bestärken uns. 90 Prozent der Menschen, die rund um den Flughafen leben, erkennen seine Bedeutung als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung. 71 Prozent sehen den Flughafen als Bereicherung. Aus den Antworten ergibt sich ein großer Rückhalt in der Bevölkerung für den Flughafen Leipzig/Halle.

WIRTSCHAFT ONLINE: Gerade für die wirtschaftliche Entwicklung, die Ansiedlungspolitik und Arbeitsplatzgarantie sind die Ergebnisse eindeutig. Welche Schlüsse können daraus gezogen werden?

Thomas Reinhold: Der Flughafen ist als Standort der Nukleus (lat. Kern, Anmerkung der Redaktion) eines deutlich wachsenden Logistik- und Innovationsclusters. Er bringt neue Ideen und Köpfe in die Region; hier treffen sich Unternehmen und Menschen über Sektoren- und Landesgrenzen hinweg. Es gibt eine große Bereitschaft zu investieren, deshalb entwickeln wir die Infrastruktur am Flughafen und setzen dabei auch bewusst auf innovative und nachhaltige Konzepte. Aber das ist nur ein Aspekt. Ebenso wichtig ist: Der LEJ ist als Start- und Zielort für Reisende – wie übrigens auch der Flughafen Dresden – von großer Bedeutung.

WIRTSCHAFT ONLINE: Der Beitrag des Flughafens für die wirtschaftliche Entwicklung des Kammerbezirks ist bei der Mehrheit der Befragten unumstritten. Gibt es eigentlich Unterschiede bei der Einschätzung der Befragten aus den einzelnen Regionen?

Thomas Reinhold: Die Daten zeigen ein sehr homogenes Bild. Weder der Wohnort noch das Alter der Befragten sorgen für starke Abweichungen. Wir sprechen über positive Zuschreibungen, die um die 90 Prozent liegen. Das ist wirklich überdeutlich.

WIRTSCHAFT ONLINE: Ist das Bild bei der persönlichen Bewertung des Flughafens bunter?

Thomas Reinhold: Ja, hier lässt sich differenzieren. Zwei Drittel der Menschen, die beruflich oder privat fliegen, finden den Flughafen wichtig. Das mag erwartbar sein. 71 Prozent der FDP-Wähler unter den Befragten sagen das auch. 70 Prozent sind es bei der CDU, 55 Prozent bei der SPD, 48 Prozent unter den Linken, 40 Prozent unter den Grünen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Des Weiteren wurde gefragt, wie die Menschen zu den Erweiterungsplänen des Flughafens stehen, wie sie sich informieren und wie bekannt die Pläne überhaupt sind. Welche Ergebnisse gab es hier und wie können die eingeschätzt werden?

Thomas Reinhold: Die Mitteldeutsche Flughafen AG investiert 500 Millionen Euro in neue Vorfelder, Logistik- und Bürogebäude. Die Ausbaupläne sind unter den Befragten weithin bekannt. Insgesamt stehen 58 Prozent einem Ausbau offen gegenüber und halten eine Erweiterung für „unbedenklich“. Hätten Sie das gedacht? Und noch etwas: 61 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass die Proteste gegen die Ausbaupläne die Meinung einer Minderheit vertreten. Die Ergebnisse belegen wieder einmal, dass nicht die lautesten oder medial präsentesten Meinungen eine Mehrheit repräsentieren. Aber klar, zum ganzen Bild gehört auch: 27 Prozent äußern Bedenken, 15 Prozent haben keine Meinung dazu. Allen Nachbarinnen und Nachbarn, die zu diesen Gruppen gehören, wollen wir noch besser erklären, was wir tun und warum. Unsere neue Plattform www.LEJ-Nachbarn.de ist dabei ein Baustein. Hier informieren wir transparent und treten in den Dialog, offen und für alle nachlesbar.

WIRTSCHAFT ONLINE: Was für Schlussfolgerungen ergeben sich, Ihrer Meinung nach, daraus für die Politik, die Gesellschaft, Verwaltung und hiesige Wirtschaft?

Thomas Reinhold: Wir fühlen uns bestärkt und können selbstbewusst sagen: Wir sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und eine erfolgreiche Infrastruktur. Und die Ergebnisse sind für Politik und Wirtschaft in Mitteldeutschland ein starkes Signal, dass die Menschen dies erkennen und begrüßen. Noch sind Flughafenfans oft sehr leise. Das ist schade, denn wir brauchen und schätzen die Fürsprache durch Ihre Kammermitglieder, unsere Partner am Standort und unsere Gesellschafter. Wir alle haben da noch einiges zu tun. Wir wollen doch weg von Schwarz oder Weiß. Lassen Sie uns hier in Mitteldeutschland eine differenzierte und unaufgeregte Debatte über die Zukunft des Flughafens führen. Die Umfrage kann dazu beitragen.

Ergebnisse der Umfrage

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Dr. Tilman Schenk
Regionale Standortpolitik

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Tel.: 0341 1267 - 1277
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