Thorben Petri, Referatsleiter Europäische Wirtschaftspolitik bei der DIHK in Brüssel
Thorben Petri, bei der DIHK Brüssel zuständig für die Europäische Wirtschaftspolitik, gibt einen Überblick

"ReArm Europe" & Co.: Was die neuen Sicherheitsimpulse aus Brüssel für die Wirtschaft bedeuten

20. Januar 2026

In einer Welt, in der geopolitische Spannungen zunehmen und gestörte Lieferketten sowie Cyberangriffe zum unternehmerischen Alltag gehören, hat Brüssel Sicherheit zur Priorität gemacht. Ein besonderer Schwerpunkt dieser neuen Priorität liegt auf der Stärkung der „technologischen und industriellen Basis der europäischen Verteidigung“. Was können Unternehmen davon erwarten? Ein kurzer Überblick von Thorben Petri, Referatsleiter Europäische Wirtschaftspolitik bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Brüssel.

Strategiepapiere sind geschrieben, Umsetzung läuft an 

Ihre Strategien und Absichten hat die Europäische Kommission im März 2025 in ihrem „ReArm Europe“-Plan und im Weißbuch zur europäischen Verteidigung vorgestellt: Während „ReArm Europe“ insbesondere Gelder mobilisieren und Investitionen ermöglichen soll, gibt das Weißbuch die strategische Richtung vor. Zusammen zielen die Papiere darauf ab, die Verteidigungsindustrie der EU zu stärken – von der Forschung bis zu den Produktionskapazitäten. Außerdem bilden sie eine wichtige Grundlage für die europäische Kooperation in zentralen Fragen der Sicherheit. 

Förderung, Beschaffung und Finanzierung bleiben zentrale Themen 

Der derzeitige Maßnahmenkatalog erfasst sowohl bereits existierende als auch neue Instrumente, mit denen unter anderem Innovationen gefördert werden sollen. Dazu zählen etwa der europäische Verteidigungsfonds (European Defence Fund – EDF) oder das Programm für die europäische Verteidigungsindustrie (European Defence Industry Programme – EDIP), über das die Gesetzgeber (Stand Oktober 2025) noch verhandeln. EDIP soll sowohl die Industrie direkt unterstützen als auch die gemeinsame Beschaffung von Verteidigungsgütern fördern. Ziel ist, dass die Mitgliedstaaten 40 Prozent ihrer Beschaffung gemeinsam tätigen. Das könnte den Produzenten mehr Planungssicherheit verschaffen und einen Rüstungsbinnenmarkt mit Effizienzgewinnen ermöglichen. Langfristig sollen so die Kosten für die Verteidigung gesenkt werden. 

Gleichzeitig eröffnet "ReArm Europe" den Mitgliedstaaten neue Spielräume bei der Haushaltsgestaltung und Schuldenaufnahme, die rege genutzt werden dürften. Daher ist es aus Sicht der deutschen Wirtschaft wichtig, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene die richtigen Prioritäten zu setzen, um eine nachhaltige Finanzierung von Verteidigungsausgaben und solide Staatsfinanzen zu gewährleisten. Nur so lassen sich langfristig die generelle Handlungsfähigkeit der EU und auch die erforderlichen Dauerinvestitionen in die Verteidigungsfähigkeit sichern. Beim nächsten EU-Haushalt, der laut Vorschlag eine umfangreiche Unterstützung für Investitionen in Verteidigung und Sicherheit vorsieht, darf dies nicht aus dem Blick geraten.

Dual Use als Innovationstreiber 

Die in vielen Kommissionsvorschlägen angedeutete Öffnung von Forschungs- und Innovationsförderung auch für sogenannte „Dual Use"-Projekte könnte zu mehr Synergien zwischen ziviler und militärischer Forschung führen. So soll etwa das Forschungsrahmenprogramm „Horizon Europe” künftig erstmals die Förderung von Innovationen mit doppeltem Anwendungszweck ermöglichen. Auch die Vereinfachungsvorschläge der Kommission für bestehende Regelungen und die Zusammenführung verschiedener Förderprogramme im Rahmen des neu geplanten „Wettbewerbsfähigkeitsfonds“ lassen darauf schließen, dass auch risikoreichere und kapitalintensive Innovationen mit „Dual Use"-Charakter zusätzlich finanziell unterstützt werden könnten.

Beschleunigung und Klarheit wichtige Voraussetzungen 

Brüssel möchte aber nicht nur Förderprogramme vereinfachen, sondern auch Beschaffungsprozesse und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Außerdem plant die Kommission, Herausforderungen zu entschärfen, die sich aufgrund sperriger Prozesse beim grenzübergreifenden Transfer von Verteidigungsgütern oder wegen der „Sustainable Finance“-Nachhaltigkeitsvorschriften bei der Kreditvergabe ergeben. Zudem öffnet sich die Europäische Investitionsbank immer weiter für die Kreditvergabe bei Verteidigungs- und Sicherheitsprojekten.

Ausblick 

Obwohl für viele der genannten Initiativen gilt, dass sich die Gesetzgeber noch in Gesprächen befinden, können Unternehmen erwarten, dass Investitionen und auch damit verbundene Fördermöglichkeiten im Bereich Sicherheit weiter an Bedeutung gewinnen. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer bringt sich bei diesen Konsultationen über verschiedene Formate aktiv ein und berät die Entscheidungsträger im Sinne der Breite der deutschen Wirtschaft.

Text von: Thorben Petri

Ähnliche Artikel

Julia Leppin lächelt in die Kamera Im Interview mit der Konferenzdirektorin Julia Leppin von den Wirtschaftsjunioren

MiRKo 2026: Wie Leipzig zur Bühne für junge Wirtschaft wird

06. Februar 2026

Im Juni wird Leipzig zum Treffpunkt für junge Wirtschaft, Engagement und Zukunftsgestaltung: Die Wirtschaftsjunioren richten die Mitteldeutsche Regionalkonferenz 2026 aus – ein Netzwerk- und Weiterbildungswochenende, das jährlich rund 350 Nachwuchsführungskräfte aus Deutschland zusammenbringt.

Jetzt lesen
Kathrin Rieger im Gespräch mit ihrer Tochter und Nachfolgerin Marie-Luise Rieger Auch bei ZAROF. braucht die Unternehmensübergabe langfristige Planung

Kathrin Rieger, Geschäftsführerin der ZAROF. GmbH

21. Oktober 2025

Gründende, die kurz nach der Wende ihre Unternehmen an den Markt brachten, müssen sich jetzt langsam mit dem Thema Unternehmensnachfolge auseinandersetzen. Die ZAROF. GmbH ist hier ein gutes Beispiel. Wir fragten bei der Gründerin und Geschäftsführerin Kathrin Rieger nach, wie es bei ihr läuft.

Jetzt lesen
Breitbandkoordinator Nordsachsens Julian Völkel | © Landkreis Nordsachsen Projektkoordinator Breitband Nordsachsen J. Völkel

Flächendeckender Glasfaserausbau in den 2030er Jahren für den Landkreis realistisch.

16. September 2025

Um den flächendeckenden Breitbandausbau zu koordinieren, braucht es auch Menschen, die das Thema allumfassend bearbeiten. In Nordsachsen gibt es dafür den Projektkoordinator Breitband Julian Völkel. Wir sprachen mit ihm.

Jetzt lesen