Dr. Fabian Magerl, Hauptgeschäftsführer IHK zu Leipzig
Neue Wahlperiode, neue Impulse

Die Wirtschaft hat das Wort

04. März 2026

Vor der Wahl zur neuen Vollversammlung spricht IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fabian Magerl über Mitgestaltung, Verantwortung und den Wert des Ehrenamts – und warum all das der Schlüssel für eine starke Wirtschaft ist.

WIRTSCHAFT ONLINE: Guten Tag, Herr Dr. Magerl. Die IHK-Wahl steht bevor. Was bedeutet dieser Übergang für Sie – und warum ist diese Wahl für die regionale Wirtschaft so wichtig?

Dr. Fabian Magerl: Eine IHK-Wahl ist immer ein besonderer Meilenstein. Denn hier entscheiden Unternehmerinnen und Unternehmer selbst, wer die wirtschaftliche Entwicklung der Region in den nächsten fünf Jahren mitgestaltet. Jede Stimme zählt. Das macht die Wahl so bedeutsam: Nicht abstrakte Institutionen treffen Entscheidungen, sondern Menschen aus der Mitte der Wirtschaft – aus verschiedenen Branchen, mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkeln. Sie haben über ihre Wahlbeteiligung direkten Einfluss darauf, wie ihre Interessen vor Ort wahrgenommen und vertreten werden.

Für mich persönlich bedeutet eine neue Wahlperiode auch: innehalten, schauen, was funktioniert hat, und sich ehrlich fragen, wo wir besser werden müssen. Darüber hinaus gilt, mit Hermann Hesse gesprochen, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt.

WIRTSCHAFT ONLINE: Viele fragen sich, was sich durch eine neu zusammengesetzte Vollversammlung tatsächlich verändert. Was würden Sie sagen?

Dr. Fabian Magerl: Sehr viel. Was sich grundsätzlich und unmittelbar durch jede Wahl verändert: Die neue Vollversammlung entscheidet über die Zusammensetzung des Präsidiums, über den Haushalt, über Positionierungen und zentrale Weichenstellungen der Kammer. Zudem wählt sie die Präsidentin oder den Präsidenten und bestellt die Hauptgeschäftsführerin bzw. den Hauptgeschäftsführer – und bringt damit auch mir ihr Vertrauen entgegen.

Dabei bringen die Mitglieder der neuen Vollversammlung stets auch ihre persönlichen Hintergründe und Erfahrungen ein. Das bedeutet frische Ideen, andere Schwerpunkte und manchmal auch eine Art, Dinge ganz neu zu betrachten. Und es sorgt dafür, dass wir uns nicht zu sehr auf Routinen verlassen, sondern agil bleiben. Die Zusammensetzung der Vollversammlung zeigt, wie breit die Wirtschaft unserer Region ist. Leipzig, der Landkreis Nordsachsen, der Landkreis Leipzig – überall gibt es unterschiedliche Realitäten und Prioritäten. Diese Vielfalt sollte sich auch in allen Entscheidungen wiederfinden.

„Eine IHK-Wahl ist eine Chance echter Einflussnahme – jede Stimme gestaltet mit, wie sich unsere Wirtschaftsregion entwickelt.“

WIRTSCHAFT ONLINE: Sie bewegen sich täglich im operativen Geschäft, die Vollversammlung setzt den strategischen Rahmen. Wie gelingt der Austausch zwischen diesen beiden Ebenen?

Dr. Fabian Magerl: Am besten, wenn man versucht, Unterschiede nicht wegzudiskutieren, sondern diese bewusst nutzt. Wir als „das Hauptamt“ bringen Kontinuität, fachliche Tiefe und Umsetzungsstärke mit. Unser Ehrenamt darüber hinaus die betriebliche Realität – Erfahrungen, Stimmungen, Engpässe, Chancen.

Unsere Aufgabe ist es, der Vollversammlung aufmerksam zuzuhören, ihre Positionen einzuordnen und Entscheidungen so vorzubereiten, dass sie Hand und Fuß haben. Und zwar immer mit dem Bewusstsein, dass die IHK kein Selbstzweck ist. Wir sind für unsere rund 70.000 Unternehmen da – deutlich über 90 Prozent von ihnen haben weniger als zehn Beschäftigte.

Hier in Leipzig funktioniert der Austausch gut. Trotzdem bleibt es eine Aufgabe, unterschiedliche Erwartungen, Zeithorizonte und auch Unternehmerpersönlichkeiten so zusammenzuführen, dass am Ende gute Ergebnisse stehen.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wenn neue Mitglieder in die Vollversammlung kommen: Welche Chancen und welche Herausforderungen sehen Sie?

Dr. Fabian Magerl: Neue Köpfe stellen neue Fragen, sehen Dinge unverstellt und bringen Perspektiven mit, die uns voranbringen. Dieser Blick von außen ist eine große Chance. Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Ein mittelständischer Betrieb im ländlichen Raum hat andere Themen als ein Softwareunternehmen in der Stadt. Beides ist legitim. Die Kunst besteht darin, diese Sichtweisen zusammenzubringen – ohne jemanden zu verlieren. Was mich optimistisch macht: Die Leipziger Region hat eine Kultur des Anpackens. Viele gehen offen in Diskussionen, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Das hilft ungemein.

WIRTSCHAFT ONLINE: Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit einer neu gewählten Vollversammlung und den Fachausschüssen besonders wichtig?

Dr. Fabian Magerl: Eine ehrliche, offene Diskussion – und der Wille, Dinge gründlich zu durchdringen. Wir stehen nicht auf dem Level von Überschriften, sondern arbeiten uns in Themen hinein: Was bedeutet das für die Betriebe? Welche Auswirkungen hat das auf langfristige Entscheidungen?

Wenn Themen sensibel sind, gehen wir bewusst in mehrere Runden: Infoveranstaltungen, Austauschformate, fachliche Einordnung. Am Ende entstehen so Positionen, die breit getragen werden. In vielen Fällen gelingt ein Konsens. Und dort, wo es ihn nicht gibt, entscheidet die demokratische Mehrheit. Wichtig ist der Weg: fair, respektvoll, transparent.

„Unterschiedliche Positionen sind kein Hindernis, sondern Voraussetzung für gute Entscheidungen.“

WIRTSCHAFT ONLINE: Welche Themen werden aus Ihrer Sicht die nächste Wahlperiode prägen?

Dr. Fabian Magerl: Wenn ich auf die kommenden Jahre schaue, sehe ich eine ganze Reihe von Themen, die schon jetzt unsere Arbeit prägen – angefangen bei der Frage, wie wir in einer wirtschaftlich angespannten Lage wieder zu stabilem Wachstum finden. Das berührt natürlich die großen Querschnittsfelder: die Digitalisierung, ohne die es kaum noch effiziente Geschäftsmodelle gibt; die Herausforderung, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen und am Standort zu halten; und die Entwicklung einer regionalen Identität, die Unternehmen bindet und Talente anzieht.

Hinzu kommen die Themen, die im Alltag oft noch viel unmittelbarer wirken: Energiepreise, internationale Abhängigkeiten, Versorgungssicherheit. Und schließlich der technologische, vielleicht auch gesellschaftliche Wandel durch künstliche Intelligenz, dessen Auswirkungen wir heute nur in Ansätzen erahnen können. Entscheidend wird sein, Entwicklungen früh zu erkennen, einzuordnen und die regionalen Unternehmen so aufzustellen, dass sie ihre Chancen bestmöglich nutzen können.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wie entstehen diese Themen eigentlich? Wer bringt sie ein – und wie können Unternehmen mitgestalten?

Dr. Fabian Magerl: Die Themen kommen aus unterschiedlichen Richtungen: aus den Fachausschüssen, aus der Vollversammlung, von hauptamtlich Mitarbeitenden, aus Gesprächen mit Unternehmen, aus gemeinsamen Projekten mit der Stadt, den Landkreisen, anderen Kammern oder der DIHK.

Wichtig ist die Offenheit: Themen entstehen, verändern sich, verschwinden wieder – je nachdem, wie relevant sie zum jeweiligen Zeitpunkt für die regionale Wirtschaft sind. Und natürlich gilt, dass jede Unternehmerin, jeder Unternehmer sich mit Ideen einbringen kann. Über die Ausschussarbeit, über Netzwerkveranstaltungen wie unseren jährlichen Neujahrsempfang mit über 1.000 Gästen oder auch einfach im direkten Gespräch.

WIRTSCHAFT ONLINE: In Fachausschüssen und Vollversammlung treffen Menschen aufeinander, deren Erfahrungen und Prioritäten kaum unterschiedlicher sein könnten. Wie lassen sich trotzdem gemeinsame Entscheidungen herbeiführen?

Dr. Fabian Magerl: Indem man die Vielfalt nicht als Störung begreift, sondern als Stärke. Unterschiedliche Blickwinkel führen zu besseren Entscheidungen, weil sie blinde Flecken sichtbar machen.

Wir sorgen dafür, dass Argumente klar auf dem Tisch liegen, bereiten Themen fachlich auf und stellen Pro und Kontra transparent gegenüber. Wichtig sind Wirkung, Fakten und das Gesamtinteresse der Wirtschaft. Nicht jede Entscheidung gelingt im Konsens – und das muss sie auch nicht. Dann entscheidet die Mehrheit.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen ändern sich oft schneller als Gremien tagen können. Wie reagiert die IHK darauf?

Dr. Fabian Magerl: Wir müssen schneller sein als der Sitzungskalender. Entwicklungen verändern sich teilweise innerhalb weniger Tage – und die Unternehmen erwarten Orientierung. Das bedeutet: Wir reagieren, soweit es geht, kurzfristig und beziehen Präsidium und Vollversammlung eng ein. Manchmal müssen wir Positionen unterwegs anpassen, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Transparenz ist dabei zentral – ebenso die klare Verankerung der wesentlichen Entscheidungen in den Gremien.

Ich wünsche mir eine Vollversammlung, die diese Beweglichkeit weiterhin unterstützt – und gleichzeitig respektvoll mit früheren Entscheidungen umgeht, die unter ganz anderen Voraussetzungen getroffen wurden.

WIRTSCHAFT ONLINE: Die IHK lebt vom Ehrenamt, gleichzeitig schrecken viele Unternehmerinnen und Unternehmer vor zusätzlichem Aufwand zurück. Wie sehen Sie das – und warum lohnt sich Engagement trotzdem?

Dr. Fabian Magerl: Das Ehrenamt ist das, was unsere Arbeit trägt – ohne die Menschen, die sich dort einbringen, gäbe es keine glaubwürdige Interessenvertretung. Wer sich engagiert, gestaltet nicht für sich allein, sondern für die gesamte Region. Und ganz nebenbei entsteht durch die ehrenamtliche Tätigkeit ein Netzwerk, das im Alltag oft wertvoller ist, als man vorher denkt.
Zugleich verstehe ich jeden, der sagt: „Ich habe dafür kaum Zeit.“ Die Realität vieler kleiner und mittlerer Unternehmen ist fordernd genug. Aber Engagement muss nicht heißen, jede Woche Stunden zu investieren. Es gibt viele Wege, mitzugestalten: durch die Arbeit in den Fachausschüssen, durch Impulse und Gespräche. Und auch durch die Wahl selbst. Deshalb wünsche ich mir, dass möglichst viele Unternehmen diese Chance nutzen. 

„Engagement entsteht immer aus Überzeugung. Genau das macht das Ehrenamt für die IHK so wertvoll.“

WIRTSCHAFT ONLINE: Zum Abschluss: Wenn Sie auf die neue Wahlperiode blicken – was stimmt Sie persönlich optimistisch?

Dr. Fabian Magerl: Unsere Region hat eine Wirtschaft, die trotz aller Unsicherheiten nicht in den Rückspiegel schaut, sondern nach vorn. Hier gibt es Unternehmen, die anpacken, experimentieren, dazulernen. Und ich bin überzeugt, dass auch die neue Vollversammlung diese konstruktive Herangehensweise teilen wird – weil unsere Mitglieder genau dafür gewählt werden: die Wirtschaft der gesamten Region im Blick zu behalten.

Wenn wir weiterhin offen diskutieren, unterschiedliche Perspektiven ernst nehmen und Entscheidungen mutig, aber auf guter fachlicher Grundlage treffen, dann wird diese Wahlperiode ein Gewinn. Für die Unternehmen – und für einen Standort, der seine Stärken kennt und nutzt.

WIRTSCHAFT ONLINE: Vielen Dank für das Gespräch.

Autorin: Dana Ulbricht


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Sarah Sieber, Geschäftsführerin Ehrenamt und Kommunikation – IHK zu Leipzig