Online-Magazin der IHK zu Leipzig
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Frau Angelika Kell, Geschäftsführerin der Stiftung „Bürger für Leipzig“ (© Angelika Kell, privat)

Teil 2 der Serie „Wirtschaft ist für mich …“

In dieser Ausgabe schreibt für uns Angelika Kell, Geschäftsführerin der Stiftung „Bürger für Leipzig“.

Wirtschaft ist für mich …

… zunächst mal schon ein Teil meiner Familiengeschichte: Die Großmutter führte eine Strickerei in Apolda, der Opa war Malermeister. Beide waren selbständig, bis in den siebziger Jahren die Kollektivierung ihr Unternehmertum beendete. Für einen Neustart kam die Wende zu spät.

Apropos Neustart: Meine Stiftung lädt ab April zur Veranstaltungsreihe „Erzählcafés über die 1990er Jahre“. Wir erwarten, monatlich spannende Umbruchserfahrungen, auch von Unternehmern, zu hören. Wie lief die erste Gewerbeanmeldung? Wie war das, mitunter wohl unerwartet IHK-Mitglied zu werden? Welche Gewinne und Verluste waren mit dem Start im neuen Wirtschaftssystem verbunden? Was musste alles neu gelernt werden und wie hat die IHK zu Leipzig dabei geholfen?

Alte Fäden neu knüpfen

Mir erscheint „Wirtschaft“ – bildlich gesprochen – wie ein großes Mosaik. Je nach Perspektive kann man Unternehmen als einzelne, individuell gefärbte und geformte Steinchen sehen. Zoomt man heraus, erfasst der Blick eine größere Fläche. Vielleicht sieht man eine Branche, in der pandemiebedingt die Arbeit ruhen muss – oder auch Unternehmen, die vom Lockdown profitieren wie die Online-Händler. Nach der Pandemie alte Fäden wieder neu zu knüpfen, das sehe ich als eine große Herausforderung für die Stadtgesellschaft – für lokale Einzelhändler wie auch für die Kundschaft.

Institutionen wie die IHK sehe ich in der Verantwortung, über den Tag hinaus das große Ganze im Blick zu haben. Welche Trends kommen, welche Innovationen werden gebraucht, welche Netzwerke müssen geknüpft werden? Ob Klimawandel, Ressourceneffizienz oder Fachkräftemangel – großen Herausforderungen kann man nur „im Team“ begegnen.

Wirtschaft ist praktisch

Ich habe außerordentlichen Respekt vor all jenen, die unternehmerisch tätig sind. Die eine Vision haben, die Risiken tragen, die weitsichtig nicht nur in Technik, sondern auch in die Ausbildung junger Menschen investieren. Klar macht es Mühe, Schüler oder Studenten als Praktikanten in den Betrieb zu lassen. Aber was könnte ihnen denn eine bessere Orientierung geben als die Praxis – und Wirtschaft ist praktisch.

Kinder und Jugendliche brauchen gestandene Erwachsene als Rollenmodelle. Für unser Projekt „Die Wunderfinder“ nutzen wir ehrenamtliche Mentoren, die ein Jahr lang Kinder begleiten und ihnen neue Bildungsräume eröffnen. Zum Glück haben wir eine Reihe von aufgeschlossenen Handwerkern und Gewerbetreibenden gefunden, die die Kinder über die Schulter schauen lassen. 

Gerade beim Thema Fachkräftemangel ist klar, dass einzelne Unternehmer dem nur begrenzt etwas in Eigeninitiative entgegensetzen können. Projekte wie die Fachkräfteallianz oder genialsozial, in denen die IHK mitwirkt, stärken die Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft und sind deshalb so wichtig.

Unternehmen werden ja oft um Unterstützung für Projekte vor Ort gebeten. Da fragt der Jugendclub nach einer Spende, der Sportverein braucht Sponsoren. Wer kann, hilft auch. Als wirkungsvoll erlebe ich, wenn sich Mitarbeitende, besonders auch Führungskräfte, selbst aktiv bürgerschaftlich engagieren. Ein fundierter Rat oder ein guter Kontakt kann mitunter sehr effektiv helfen; dazu muss man aber bereit sein, eigene Lebenszeit und seine Ideen einzubringen. Und ja, das schafft auch einen Mehrwert.

Ob im privatwirtschaftlichen oder im gemeinnützigen Unternehmen – die wichtigste Währung ist das Vertrauen. Wenn man respektvoll und auf Augenhöhe miteinander umgeht, wird das stark und dauerhaft. Ich war ein Jahr lang Gast-Mitglied im Business Network International (Chapter Karl Heine) und habe jede Woche Gewerbetreibende erlebt, die sich gegenseitig unterstützen, sich empfehlen und so letztlich gemeinsam mehr Umsatz generieren. Kooperation vom Feinsten. 

Leipzig erlebe ich überhaupt als eine Stadt, in der man pragmatisch aufeinander zugeht und sich gegenseitig unterstützt. Das möge bitte so bleiben und nach Möglichkeit noch besser werden.

Mehr zum Erzählcafé: www.buergerfuerleipzig.de/90erjahre

Die Stiftung „Bürger für Leipzig“: https://www.buergerfuerleipzig.de/

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