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Jasmin Voigt vor ihrem großen Auftritt (© Anja Jungnickel / IHK zu Leipzig)

„Man lernt nie aus!“

Gespräch mit der Biologielaborantin Jasmin Voigt nach der Zeugnisübergabe XL

Am 6. April 2022 hatte Jasmin Voigt im Haus Leipzig ihren ganz großen Auftritt. Bei der Zeugnisübergabe XL der IHK zu Leipzig berichtete sie auf der Bühne vor vollem Saale von ihrer Ausbildung.

Damit ihre Geschichte nicht verlorengeht, hat sich die Redaktion der WIRTSCHAFT ONLINE entschlossen, im Nachhinein noch ein kleines Interview mit ihr zu führen. Und so durfte die frischgebackene Biologielaborantin gleich noch einmal berichten.

WIRTSCHAFT ONLINE: Sie haben Biologielaborantin gelernt. Was beinhaltet denn die Ausbildung eigentlich?

Jasmin Voigt: Als Biologielaboranten untersuchen wir Pflanzen, Tiere und Zellen mit verschiedenen Labortests. Je nachdem, in welchem Labor oder Bereich man ist, gibt es unterschiedliche Methoden und Versuche, die man überwacht, erfasst und dann auch auswertet. In der Ausbildung lernt man dazu alle Branchen kennen, wie beispielsweise die Mikrobiologie, die Lehre von Mikroorganismen. Da werden zum Beispiel Bakterien auf einem Nährmedium gezüchtet. Mit diesen Bakterien kann man dann wieder spezielle Experimente und Versuche durchführen. Der Bereich beinhaltet aber noch viel mehr. Weitere Branchen wären auch die Hämatologie, die befasst sich mit der Diagnostik des Blutbildes (Blutausstriche, Blutkörperchen zählen, Blut analysieren), die Histologie, die Gewebelehre, Zellkultur, die Botanik, Pharmakologie, Chemie und und und. Also: Eine enorme Vielfalt.

WIRTSCHAFT ONLINE: In Ihrem „Erfahrungsbericht“ erzählten Sie eine Geschichte aus einem Praktikum; können Sie uns diese bitte noch einmal erzählen? Was war das Interessante, was hat Sie überrascht, wo haben Sie das Praktikum wann und wie lange gemacht?

Jasmin Voigt: Das war mein Zoologie-Praktikum. Das hatte ich im Juli 2020 am Fraunhofer Institut in Leipzig für eine Woche. Eigentlich hätten wir dafür mehr Zeit gebraucht und eigentlich war es in Dresden für drei Wochen angesetzt. Aufgrund des Durchbruchs von Corona mit den Lockdowns war das leider nicht mehr möglich.

Deshalb machten wir einen Crashkurs. Wir haben gelernt, wie man Versuchstiere richtig hält, ihnen Medikamente injiziert, Blut abnimmt, bis hin zur Sektion. Wobei es ausschließlich Mäuse oder Ratten waren. Was mich überrascht hat, war, dass man am meisten Blut an der Maus bekommt, indem man ihr retro-orbital mit einer Hohlkapillare in den Innenwinkel des Auges sticht, natürlich im narkotisierten Zustand.

Ich fand die Arbeit mit den Tieren am Anfang nicht so toll, da ich gegen Tierversuche bin. Es gibt heutzutage ja auch Methoden, die dies ersetzen. Aber wie die Tiere dort gehalten wurden, hatte mich überzeugt und dann hatte ich auch etwas „Spaß“ an dem Praktikum.

Wie ich schon auf der Bühne erzählte, dies war eine der interessantesten Erfahrungen in meiner Ausbildung.
Das „Highlight“ war aber der Anfang. Wir gingen durch eine Art Schleuse, welche sich als Umkleideraum entpuppte. Dort haben wir erst einmal unsere ganzen Alltagsklamotten ausziehen müssen. Und daraufhin bekamen wir jeweils einen Ganzkörperanzug an mit Haarnetz, Maske und zwei Paar Handschuhen, um besonders steril für die Tiere zu sein.

Wir sahen echt witzig aus.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wie lange ging Ihre Ausbildung und wo fand sie konkret statt?

Jasmin Voigt: Meine Ausbildung ging dreieinhalb Jahre und begann im August 2018 nach meinem Abitur. Ich durfte im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) als Biologielaborantin im ersten Lehrjahr in einem Lehrlabor die ganze Biologie kennenlernen. Meine Ausbilderinnen waren dabei Frau Heidtmann und Frau Rohmer. Wobei ich auch viele Praktika in unterschiedlichen Unternehmen hatte, wie beispielsweise das schon erwähnte Zoologie-Praktikum.
Im zweiten Lehrjahr wurden wir dann von unserem Betrieb in eine Abteilung geschickt, wo wir bis zum Ende der Ausbildung bleiben sollten, was bei mir bis heute noch der Fall ist. Das war bei mir die Isotopenbiogeochemie. Da waren Katja Nerlich und meine Chefin Niculina Musat für mich zuständig. Am liebsten war ich aber in der Berufsschule (August von Parseval in Bitterfeld-Wolfen). Dort hatte ich super Lehrerinnen und Lehrer, mit denen es auch Spaß gemacht hat, die Unterrichtsthemen so gut wie möglich zu verstehen. Vielen lieben Dank dafür stellvertretend an Frau Jana Deutsch und Frau Sieglinde Stoye.

WIRTSCHAFT ONLINE: Wieso haben Sie sich eigentlich für die Ausbildung zur Biologielaborantin entschieden?

Jasmin Voigt: Schon im Abitur war mir klar, dass ich gerne etwas mit Biologie machen wollte. Die ganzen Themen waren sehr interessant für mich und ich wollte alles hinterfragen, warum, weshalb, wieso. Und meine Antworten fand ich dann in meiner Ausbildung. Ein weiterer großer Aspekt, warum ich mich für die Ausbildung entschied, war der Gedanke, Menschen helfen zu wollen. Was man ja in der Forschung vielfach tut.

WIRTSCHAFT ONLINE: Und wie geht es jetzt weiter? Wohin treibt es Sie? Was machen Sie jetzt mit Ihrem Zeugnis?

Jasmin Voigt: Erst einmal möchte ich ausruhen von dem ganzen Prüfungsstress. Ich bin dankbar dafür, dass mein Freund und meine Familie immer hinter mir standen und meine Launen aushalten konnten während dieser Zeit. Am liebsten würde ich aber zu meinem Freund nach Gotha ziehen und dort in der Nähe einen Job finden, um auch ein wenig an die Zukunft zu denken. Aber ich nehme es, wie es kommt, vielleicht bleibe ich auch noch länger in Leipzig oder vielleicht geht es für mich doch noch einmal zurück in meine Heimat nach Anhalt-Bitterfeld? Wer weiß! Das lasse ich alles den Zufall entscheiden.
Aber was ich noch sagen kann, ist, dass der Beruf als Biologielaborantin sehr vielfältig ist und man dort nie auslernt! Und das reizt mich ganz besonders.

WIRSCHAFT ONLINE: Sie erzählten auf der Bühne, dass Sie Freunde kennengelernt und lieben gelernt haben – wie halten Sie diese Freundschaften jetzt aufrecht? Soll es Treffen geben?

Jasmin Voigt: Ich bin im regelmäßigen Kontakt mit den Leuten aus meinem Lehrjahr, der Berufsschule und sogar aus meinem Betrieb. Heutzutage gibt es ja viele Möglichkeiten, sich zu kontaktieren und obwohl man vielleicht weit entfernt von einander lebt und wohnt. Eine Freundschaft hält sicher auch, ohne sich permanent treffen zu müssen.
Auf jeden Fall hatten wir geplant, ein Klassentreffen zu organisieren, auch mit unseren Lehrern. Ich denke, das wird ein schönes Wiedersehen, vor allem, weil ich viele sehr ins Herz geschlossen habe.
Und eine Freundin, die ich in meinem Lehrjahr kennenlernen durfte, die mit mir durch Dick und Dünn im Lehrlabor ging, heiratet dieses Jahr. Wir feiern zusammen ihren Junggesellinnenabschied und ich begleite sie sogar bei ihrer Heirat.

WIRTSCHAFT ONLINE: Möchten Sie noch etwas zum Abschluss sagen? Hier haben Sie die Möglichkeit.

Jasmin Voigt: Vor meiner Ausbildung war ich ein sehr schüchternes Mädchen, mir war vieles unangenehm. Dank meiner Zeit hier wurde ich immer selbständiger und auch etwas selbstbewusster. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich hätte mir damals nie vorstellen können, vor so vielen Menschen eine Art Rede oder Interview zu halten. Da bin ich selbst von mir sehr überrascht. Aber ich möchte auch einen ganz großen Dank an meinen Eltern sagen, die immer für mich da waren, in guten und auch schweren Zeiten. In den ganzen fast vier Jahren!

Alles zum Thema Ausbildung im Netz der IHK zu Leipzig:

https://www.leipzig.ihk.de/azubis/

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Patricia Siebert
Abteilungsleiterin Prüfungsorganisation

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