Außenwirtschaftsnachrichten

Aber auch außerhalb der Chipindustrie wird gefördert, besonders bei den wichtigen Problemstellungen des Mittelstands: Zugang zu Krediten, Internationalisierung, Nachfolgeregelung und Startup-Gründungen. Dies spiegelt das Kreditprogramm der Japan Finance Corporation (JFC) wider. Laut dem Geschäftsbericht für 2024 nutzen rund 45 Prozent der KMU Kreditgarantien der JFC. Binnen drei Jahren stieg die Zahl der bei der Internationalisierung unterstützten KMU von 274 (2020) auf 643 (2023). Wie dringend Nachwuchs benötigt wird, zeigen die Darlehen zur Unterstützung der Nachfolgeregelung in diesen oft familiengeführten Unternehmen. Laut dem Jahrbuch 2025 stieg die Zahl der geförderten Unternehmen zwischen 2014 und 2024 von 176 auf 3.488; das Fördervolumen erhöhte sich im selben Zeitraum von 11,9 Milliarden Yen (rund 66 Millionen Euro) auf 133,2 Milliarden Yen (rund 738 Millionen Euro). Die Frühförderung von Start-ups in der Phase unmittelbar vor und nach der Gründung stieg in den drei Jahren bis 2024 um 9,8 Prozent auf über 28.000 Unternehmen. Auch lokale Behörden sind in diesem Bereich innovativ aktiv. So haben die Stadt Hamamatsu und die Präfektur Shizuoka das „Zentrum für Fahrzeuge der nächsten Generation“ ein gerichtet. Ein Team um den ehemaligen Chefingenieur des Autoherstellers Suzuki, Eiji Mochizuki, hat dort über 20 Elektroautos aus China, den USA, Deutschland, Japan und Südkorea auseinandergebaut und die Bauteile analysiert. Mochizuki erklärt den lokalen Unternehmen die Technik, um sie auf die Transformation der Autoindustrie vorzubereiten. Die schwerste Arbeit müssen die Unternehmen allerdings selbst verrichten. Beobachter sehen dabei ein extrem gemischtes Bild. Der amerikanische Japan-Experte Richard Katz hält die Zeit reif für einen möglichen Wandel: „Zum ersten Mal seit einer Generation bietet sich diese Gelegenheit.“ Allerdings setzten viele Unternehmen in der Exportindustrie anstatt auf Innovation eher auf den billigen Yen, auch ermutigt durch dessen 40-prozentigen Wertverlust in den letzten drei Jahren. Der Break-Even-Punkt, also die Schwelle, ab der ihre Exporte profitabel sind, sei in der Zeit von 100 auf 130 Yen gestiegen. Auch bei der Digitalisierung hinkten viele Unternehmen, gerade die kleineren, hinterher, sagt Katz. Es gebe aber auch viele positive Geschichten, wie er in seinem Buch „The Contest for Japans Future“ erläutert. Von den 55 Milliardären Japans im Jahr 2021 hätten 11 innerhalb der letzten 25 Jahre ein Unternehmen gegründet – junge, weltoffene, unkonventionelle Visionäre. „Dies ist die größte Welle neuer, wachstumsstarker Unternehmen seit Jahrzehnten“, sagt Katz im Interview. Familientradition auf neuen Wegen Ein Beispiel für den Zustrom neuer Ideen liefert Chinriu Honten in Odawara. Der 1871 gegründete Hersteller von umeboshi (eingelegten Pflaumen) stand vor 15 Jahren vor dem Bankrott, als der Schwiegersohn des damaligen Chefs das Ruder übernahm: Nicolas Sörgel, ein Konzernmanager aus Deutschland. „Wir hatten in zehn Jahren 56 Prozent des Umsatzes verloren“, erzählt er. „Die Firma war auf dem Weg in den Konkurs.“ Drei Geschäftsfelder waren gleichzeitig weggebrochen: Das Geschenkgeschäft schrumpfte, Warenhäuser gerieten unter Druck, der Tourismus litt. Dazu kamen massive Bankschulden. Sörgel handelte radikal: Er verkaufte Grundstücke und andere Vermögenswerte, konsolidierte die vielen Bankkonten in einem Finanzinstitut und konzentrierte sich auf das Kerngeschäft umeboshi. Zusätzlich baute er unter der Marke „Nihon Ichiban“ einen Onlinehandel auf, in dem er seine eigenen sowie exklusive Lebensmittel- und Handwerksprodukte anderer Familienbetriebe aus Japan verkauft. Seither wächst der Umsatz und die Schulden sind fast abgebaut. Besonders stolz ist er darauf, dass immer mehr Gourmetköche aus aller Welt bei ihm bestellen. Satt ist Sörgel dennoch nicht: Als Beitrag zur Belebung Japans propagiert er nun das Prinzip der deutschen Mittelstandsholding – eine Dachgesellschaft, die verschiedene Mittelständler kauft, weiterführt und mit Diensten wie Personalführung unterstützt. Seine Vision ist es, eine solche Holding einer Stiftung zu unterstellen, deren Ziel der Erhalt und die Weiterentwicklung von Familienunternehmen ist. Denn oft würden bei Übernahmen durch andere Unternehmen die Belegschaften entlassen und nur die Marke weitergeführt, moniert er. Fallbeispiele: Fusionsreaktoren und Chipkonsortium Doch auch in Japans Schlüsselindustrien gibt es Beispiele für den Wandel, gerade bei globalen Hidden Champions wie dem Sensor- und Laserhersteller Hamamatsu Photonics. Der Erfinder des Begriffs, der deutsche Unternehmensberater Hermann Simon, nahm dieses Unternehmen sogar in seine Liste der 500 globalen versteckten Industriehelden auf. 13 Außenwirtschaftsnachrichten 3 | Juni / Juli 2026 Weltweit erfolgreich

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