Business as usual? – Nicht auf dieser Reise! Mosambik rückt als Zukunftsmarkt für deutsche Unternehmen in den Fokus. Eine Delegationsreise der IHK Chemnitz zeigt vor Ort: Rohstoffreichtum, milliardenschwere Investitionen und der Aufbau eigener Industrien eröffnen neue Geschäftschancen. Zugleich wird deutlich, dass internationale Wettbewerber den Markt bereits für sich entdecken. „Wir sind cool hier“, sagt Geschäftsführer Parveen Guleria und führt die deutsche Delegation durch die Hallen seines Unternehmens Godrej. Tatsächlich ist es angenehm kühl an der Südostküste Afrikas um diese Jahreszeit. Doch der indische Firmenchef spricht nicht über das Wetter. Um ihn herum sitzen rund 1.000 Frauen und ziehen künstliches schwarzes Haar von Rollen, bürsten, bündeln und verpacken es. Im Obergeschoss entstehen daraus Zöpfe – von weißblond bis kupferrot, je nachdem, was die Mode verlangt. „Die Nachfrage reißt nie ab“, sagt Guleria. Wenn der Absatz der beliebten Braids in Mosambik einmal stockt, liefert Godrej in die Nachbarländer. Es ist ein Bild, das hängen bleibt: moderne industrielle Produktion mitten in Mosambik. Standortvorteile kommen hinzu. Zollerleichterungen und Steuernachlässe, fertige Infrastruktur und Fachkräfte im Gewerbegebiet Beluluane der MozParks vor den Toren der Hauptstadt Maputo tragen dazu bei, die mehr als 70 ansässigen Firmen zufriedenzustellen. Neben Godrej zählt auch das deutsche Unternehmen Bosch Rexroth zu ihnen. Eindrücke wie diese zeichnen ein anderes Bild von einem Land, das auf der Karte potenzieller Auslandsmärkte in Deutschland häufig einem weißen Fleck gleicht. Seit drei Jahren pflegt die IHK Chemnitz gemeinsam mit der Bergbaukammer Mosambik eine Kammerpartnerschaft. Nun soll aus den entstandenen Kontakten und Netzwerken mehr werden: Aus dem Wissen über Einstiegsmöglichkeiten und staatliche Erleichterungen sowie guten Verbindungen zur mosambikanischen Botschaft in Berlin, Regierung und Ministerien sollen konkrete Geschäftsanbahnungen für Mitgliedsunternehmen in Südwestsachsen und darüber hinaus entstehen. Mit einer 19-köpfigen Delegation ist IHK-Hauptgeschäftsführer Christoph Neuberg daher Ende August nach Mosambik gereist. Mit dabei waren unter anderem Stefan Lorenz, Vertriebsleiter der CAC Engineering Chemnitz, Simone Wilson, Geschäftsführerin von IDT-Dichtungen, Undine Schmalfuß, Institutsleiterin des MIKOMI an der Hochschule Mittweida, und Fred Haferkamp, Geschäftsführer von Globex Food. Auch Vertreter der IHK GießenFriedberg und Halle-Dessau erkundeten als Multiplikatoren in den deutschen Mittelstand den Markt. Ein Land vor dem Wachstumsschub Schon nach wenigen Gesprächen wird deutlich: Mosambik steht an der Schwelle zu einer neuen wirtschaftlichen Ära. Bis zu 60 Milliarden US-Dollar könnten in den kommenden zehn Jahren über die Flüssiggasförderung internationaler Konsortien ins Land fließen. Zu den Investoren gehören TotalEnergies sowie das Rovuma-Konsortium mit ExxonMobil und Eni. Hinzu kommen geplante Wasserkraft-Großprojekte und Logistikkorridore, die das Hinterland der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC) mit den Häfen an der rund 2.700 Kilometer langen Küste verbinden. Noch ist ein großer Teil der daraus entstehenden Chancen ungenutzt. „Was mich in Mosambik besonders beeindruckt hat, ist das Missverhältnis zwischen dem enormen Rohstoffreichtum und der bislang geringen industriellen Wertschöpfung“, sagt Stefan Rund 1.000 Frauen verarbeiten in der Fabrikhalle von Godrej künstliches Haar 16 Außenwirtschaftsnachrichten 5 | Oktober / November 2026 Weltweit erfolgreich
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