15 Außenwirtschaftsnachrichten 4 | August / September 2026 Weltweit erfolgreich Diese Unsicherheit wirkt direkt auf operative und strategische Entscheidungen. Unternehmen müssen prüfen, ob sie Preise erhöhen, Margen senken, Lieferketten anpassen oder Investitionen verschieben. Bei Unternehmen mit US-Exportgeschäft geben rund 62 Prozent an, Zollkosten überwiegend an Kunden oder Importeure weiterzugeben; rund 14 Prozent tragen die Kosten überwiegend selbst, während etwa 13 Prozent berichten, dass Zollkosten ihre US-Exporte verhindern oder reduzieren. Auch Investitionsentscheidungen geraten unter Druck. Rund ein Drittel der Unternehmen mit US-Geschäft vertagt Investitionen in den USA, rund 17 Prozent investieren weniger, während nur ein kleinerer Teil Investitionen neu aufnimmt oder verstärkt. Das ist bemerkenswert, weil Zölle eigentlich Investitionsanreize in Richtung USA schaffen sollen. In der Praxis erzeugt die Politik jedoch nicht nur Verlagerungsdruck, sondern auch Vorsicht und Zurückhaltung. Rechtliche Brüche und neue Zollrisiken Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die sich wandelnden rechtlichen Grundlagen der US-Zollpolitik. Infolge der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, wonach der International Emergency Economic Powers Act keine gültige Rechtsgrundlage für bestimmte Zölle darstellt, sucht die US-Regierung nach Ersatzinstrumenten. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst, wenn einzelne Zölle per Gerichtsentscheid für rechtswidrig erklärt werden, ist damit keine dauerhafte Entspannung garantiert. Vielmehr kann die Unsicherheit in eine neue Phase eintreten, in der Unternehmen kontinuierlich mit neuen Untersuchungen, Fristen, Übergangszöllen und Produktlisten rechnen müssen. Die EU muss entschlossener auftreten Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der europäischen Antwort. Die EU hat ein großes Interesse daran, eine Eskalation mit ihrem wichtigsten Handelspartner zu vermeiden. Ein unkontrollierter Zollkonflikt könnte auch europäische Unternehmen hart treffen, insbesondere wenn Gegenmaßnahmen seitens der EU wichtige Importgüter der Europäischen Wirtschaft treffen. Die richtige Strategie liegt daher zwischen Deeskalation und Durchsetzungsfähigkeit. Die EU sollte Verhandlungsräume offenhalten, aber gleichzeitig geschlossener, strategischer und entschlossener auftreten. Dazu gehört, Schäden für die eigene Wirtschaft zu minimieren und mögliche Gegenmaßnahmen gezielt dort anzusetzen, wo sie politische Wirkung entfalten, ohne kritische europäische Abhängigkeiten zu verschärfen. Entscheidend ist außerdem, dass die EU ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds wirken Hemmnisse im Warenhandel innerhalb des europäischen Binnenmarkts wie ein effektiver Zollsatz von knapp 44 Prozent. In einer Welt zunehmender Handelskonflikte kann Europa nur dann selbstbewusst verhandeln, wenn es selbst ein attraktiver wirtschaftlicher Partner ist. Dafür müssen wir den Binnenmarkt vollenden, regulatorische Hürden abbauen und die industriellen Standortbedingungen verbessern. Bei Schwierigkeiten im transatlantischen Geschäft nehmen Unternehmen zudem verstärkt andere Märkte in den Blick. Die USA bleiben für viele deutsche Unternehmen unverzichtbar, aber eine breitere internationale Aufstellung kann Verwundbarkeiten reduzieren und die Abhängigkeit von einzelnen politischen Entscheidungen verringern. Dabei spielen auch neue Handelsabkommen eine wichtige Rolle. Chancen trotz Konflikten So schwierig die aktuelle Lage ist: Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen bleiben strategisch zu wichtig, um sie auf Zollkonflikte zu reduzieren. Gerade weil die USA und Europa wirtschaftlich eng verflochten sind, bestehen weiterhin erhebliche Chancen für Kooperation. Für Unternehmen lautet die Realität: Der US-Markt bleibt wichtig, aber er ist politisch riskanter geworden. Deshalb braucht es eine breitere Marktaufstellung, robuste Lieferketten und eine Europäische Union, die selbstbewusst zu ihren Interessen steht und sich jeden Tag dafür einsetzt. Paul Meyer/DIHK SAVE THE DATE: THEMENTREFF USA AM 1. DEZEMBER Das Potenzial des US-Marktes ist groß – das haben sächsische Unternehmen aus verschiedenen Branchen erkannt. Doch gerade diese Größe macht den Markt auch anspruchsvoll. Um Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen, treffen sich regelmäßig USA-Erfahrene und Neueinsteiger aus allen Branchen in Dresden zum Thementreff USA, organisiert von der IHK Dresden und der Wirtschaftsförderung Sachsen. Der nächste Treff findet am 1. Dezember bei der IHK Dresden statt. KONTAKT Katja Hönig Tel.: 0352 2802-186 hoenig.katja@dresden.ihk.de
RkJQdWJsaXNoZXIy ODM4MTk=