14 Außenwirtschaftsnachrichten 4 | August / September 2026 Weltweit erfolgreich Zwischen Partnerschaft und Protektionismus: Die transatlantischen Handelsbeziehungen unter Druck Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen gehören seit Jahrzehnten zu den tragenden Säulen der deutschen Außenwirtschaft. Für viele deutsche Unternehmen sind die USA nicht nur Absatzmarkt, sondern auch Investitionsstandort, Innovationspartner und Bestandteil globaler Wertschöpfungsketten. Doch diese Verlässlichkeit ist ins Wanken geraten. Unter dem Leitmotiv „America First“ verfolgt die US-Regierung von Donald Trump eine klar protektionistische Linie. Zölle werden nicht mehr nur als handelspolitisches Instrument eingesetzt, sondern zunehmend als breites Druckmittel in politischen Konflikten. Dabei wechselt sich die Motivation ab: Einnahmeerzielung, Reziprozität und Schutz heimischer Industrien. Die transatlantischen Handelsbeziehungen waren auch in der Vergangenheit nicht immer problemfrei, jedoch sind aktuell insbesondere das Tempo und die Drastik der Konflikte neu. Deutschland im Zentrum der Betroffenheit Dabei ist Deutschland von diesen Entwicklungen besonders stark betroffen. Die USA sind Deutschlands wichtigster Exportmarkt: rund zehn Prozent der deutschen Exporte gehen dorthin. In einzelnen Schlüsselbranchen ist die Abhängigkeit noch höher: Bei Kraftfahrzeugen und Maschinen liegt der Anteil der USA an den deutschen Gesamtexporten jeweils bei rund 13 Prozent, bei Pharma sogar bei 24 Prozent. Gerade diese Branchen gehören zu den klassischen Stärken der deutschen Industrie. Damit treffen die US-Maßnahmen nicht irgendeinen Randbereich der deutschen Außenwirtschaft, sondern industrielle Kernsektoren. Die Auswirkungen zeigen sich bereits in den Handelszahlen. Während im ersten Quartal 2025 noch Vorzieheffekte zu beobachten waren, weil Unternehmen Lieferungen vor angekündigten Zöllen beschleunigten, brachen die Exporte ab dem sogenannten „Liberation Day“ im April 2025 ein. Insgesamt sanken die deutschen Warenexporte in die USA 2025 um 9,3 Prozentpunkte – ein Rückgang um rund 15 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Für Unternehmen bedeutet dies nicht nur weniger Umsatzpotenzial. Es geht auch um Margendruck, veränderte Lieferketten, zusätzliche Bürokratie und eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem US-Markt. 72 Prozent der befragten Unternehmen in einer DIHK-Blitzumfrage aus dem August 2025 melden negative Auswirkungen infolge der US-Handelspolitik. Unter Unternehmen mit US-Geschäft ist die Belastung besonders ausgeprägt. Der EU-USA-Deal: Entlastung oder neue Zwischenstufe der Unsicherheit? Der im Juli 2025 vereinbarte EU-USA-Deal sollte die Eskalation zunächst einhegen. Vereinbart wurde ein Basiszollsatz von 15 Prozent, der im August durch ein Joint Statement konkretisiert wurde. Damit wurde zwar ein vorläufiger Rahmen geschaffen, doch von einer echten Befriedung des Handelskonflikts kann keine Rede sein. Hinzu kommt: Zahlreiche sektorale Maßnahmen bleiben ungelöst. Stahl- und Aluminiumzölle wurden erhöht, neue Zölle auf Küchen- und Badezimmermöbel, Holz sowie Lkw traten in Kraft, und weitere Untersuchungen zu Pharma, Halbleitern, kritischen Mineralien, Drohnen, Polysilizium und Robotik stehen im Raum. Der Deal ist damit weniger ein Abschluss als eine Zwischenetappe. Er verhindert möglicherweise kurzfristig Schlimmeres, schafft aber keine dauerhafte Sicherheit. Die Hauptbelastung heißt Unsicherheit Die zentrale Belastung für Unternehmen ist nicht allein der Zollsatz selbst. Noch schwerer wiegt die Unberechenbarkeit. In der DIHK-Umfrage Going International 2026 sehen rund zwei Drittel der befragten Unternehmen die handelspolitische Unsicherheit als größte Belastung im Zusammenhang mit den US-Spannungen. Danach folgen steigende Bürokratie und Kosten im Zollverfahren, Wechselkurs- und Finanzmarktrisiken sowie die Sorge vor neuen Zöllen.
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