Ehrenamt in der beruflichen Bildung Damit Prüfungen stattfinden Rund 12.000-mal im Jahr entscheidet sich im Kammerbezirk Leipzig, ob eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird. Hinter jeder dieser Prüfungen stehen rund 1.800 ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer aus der Wirtschaft, die ihre Fachexpertise einbringen. Sie bewerten Klausuren, führen Fachgespräche und übernehmen Verantwortung für faire und praxisnahe Abschlüsse. Ihr Einsatz ist Voraussetzung dafür, dass die IHK zu Leipzig Prüfungen in der Berufsausbildung überhaupt durchführen kann. Zwei Stimmen berichten aus ihrem Alltag als Prüfer: Was treibt sie an, was motiviert sie? „Prüfen heißt für mich: gemeinsam bestehen.“ Ulf Lenk Ehrenamtlicher Prüfer | LEIPZIG, DRESDEN, BERLIN Wirtschaftsmediator & Ausbilder, Dresden Als Prüfer braucht man Fingerspitzengefühl, denn jeder Mensch, der vor einem sitzt, ist anders: Der eine ist schüchtern, die andere aufgeregt. Während meiner Prüfungen ist schon alles vorgekommen – von Tränen über Ohnmachtsanfälle bis hin zu völliger Desorientierung. Ein junger Mann wurde einmal kreidebleich und wusste plötzlich nicht mehr, wo er war. Nach einer zehnminütigen Pause konnten wir die Prüfung glücklicherweise fortsetzen, und er hat bestanden. Solche Momente zeigen mir: Es gibt nichts, was nicht passieren kann. Meinen Teilnehmenden sage ich deshalb in der Vorbereitung immer: „Wir sind für euch da, wir kriegen das gemeinsam hin.“ Ich bin nun seit 15 Jahren ehrenamtlich für die IHK tätig. Angefangen habe ich in Dresden, später kamen Leipzig und Berlin dazu. Heute prüfe ich vom Facharbeiter bis zur Weiterbildung, vom Kaufmann für Büromanagement bis zum Fachwirt. Im Jahr kommen so rund zwanzig mündliche Prüfungen zusammen, die schriftlichen Korrekturen noch gar nicht eingerechnet. Das ist viel Zeit, die man investiert – als selbstständiger Dozent und Coach ist mein Alltag ohnehin eng getaktet. Doch ohne uns ehrenamtliche Prüfende würde das System nicht funktionieren. Umso wichtiger ist es, dass die Zusammenarbeit mit der IHK auf Augenhöhe stattfindet und das ehrenamtliche Engagement Anerkennung erfährt. Ich selbst habe früher Prüfungen erlebt, die nicht optimal liefen; das wollte ich besser machen. „Mein Ziel als Prüfer ist es nicht, Steine in den Weg zu legen, sondern gemeinsam zu bestehen.“ Die Tätigkeit als Prüfer hat zudem meiner eigenen beruflichen Laufbahn einen enormen Schub gegeben. Es ist eine Anerkennung der Fachkompetenz, die von außen als echtes Qualitätssiegel wahrgenommen wird – eine wertvolle Bestätigung meiner täglichen Arbeit als Dozent. 18 Seite EHRENAMT
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