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„Prüfen heißt Verantwortung tragen“ Ein Gespräch mit Patricia Siebert, Abteilungsleiterin Prüfungsorganisation der IHK zu Leipzig Was macht für Sie persönlich den besonderen Reiz am Prüfungswesen aus? Patricia Siebert: Hinter jeder Prüfung steht ein Mensch, der viel Einsatz gezeigt hat und auf ein konkretes Ziel hinarbeitet. Das macht unsere Aufgabe so verantwortungsvoll: Wir müssen einen Rahmen schaffen, der fair, verlässlich und für alle nachvollziehbar ist. Gleichzeitig ist das Prüfungswesen sehr lebendig. Es lebt vom Engagement der vielen ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer, die ihre Erfahrung und Zeit einbringen. Und es lebt von meinem Team, das jeden Tag mit großer Tatkraft dafür sorgt, dass die Abläufe funktionieren. Diese Mischung aus Verantwortung, Zusammenarbeit und ständigem Wandel macht die Arbeit für mich so spannend. Was zeichnet die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfern konkret aus? Worin liegt deren Motivation? Siebert: Da ist sehr viel gegenseitiger Respekt im Spiel. Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen, bringen verschiedene Perspektiven ein und verfolgen dasselbe Ziel: Prüfungen fair, praxisnah und qualitativ hochwertig durchzuführen. Viele Prüferinnen und Prüfer möchten etwas zurückgeben. Sie haben selbst von einem funktionierenden Ausbildungssystem profitiert und geben nun ihr Wissen weiter. Gleichzeitig können sie ihr eigenes Berufsfeld mitgestalten und bleiben im Austausch mit anderen Fachleuten. Man spürt hier oft eine echte Begeisterung für den eigenen Beruf. Diesen Erfahrungsschatz zu teilen und junge oder neue Fachkräfte auf ihrem Weg zu begleiten, ist für viele ein wesentlicher Antrieb. „IHK-Abschlüsse tragen den Blick der Wirtschaft in sich: praxisnah, vergleichbar und fachlich belastbar.“ Wie gehen Sie damit um, dass sich Berufe und Anforderungen ständig verändern? Siebert: Dieser Wandel gehört längst zu unserem Alltag. Neue Berufsbilder wie Gestalter/in für immersive Medien zeigen, wie grundlegend Digitalisierung und technologische Entwicklungen die Arbeitswelt verändern. Gleichzeitig werden Themen wie Nachhaltigkeit in fast allen Bereichen wichtiger und fließen zunehmend in bestehende Ausbildungsberufe ein. Besonders sichtbar ist die Dynamik auch bei den IT-Berufen, wo die Prüflingszahlen seit Jahren kontinuierlich steigen. Für uns heißt das: Wir müssen Prüfungen regelmäßig weiterentwickeln und die Inhalte konsequent an der Praxis ausrichten. Das verlangt auch von uns, offen zu bleiben, dazuzulernen und die eigenen Abläufe immer wieder zu überprüfen. Was braucht es, damit das Prüfungssystem auch in Zukunft verlässlich bleibt? Siebert: Verlässlich wird es vor allem durch die Menschen, die es tragen. Ohne das Engagement der ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer wäre es nicht denkbar. Sie bringen Fachkompetenz, Erfahrung und professionelles Urteilsvermögen ein. Digitale Formate werden künftig sicher wichtiger. Sie können vieles moderner und effizienter machen. Stark wird das System aber erst im Zusammenspiel mit fachlicher Expertise, die eine Leistung mit Augenmaß einordnet und bewertet, und der Bereitschaft, neue Wege mitzugehen, ohne dabei den Kern aus dem Blick zu verlieren: den Menschen. Seite 17 INTERVIEW

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