Von der Wirtschaft. Für die Wirtschaft. Wie das Prüfungswesen der IHK zu Leipzig funktioniert – und warum Unternehmen dabei selbst Verantwortung übernehmen Im Raum ist es still. Papier raschelt, Stifte kratzen, Köpfe rauchen. Vor den Prüflingen liegen Aufgaben, für die sie monatelang gelernt haben. Jetzt zählt, ob Fachwissen sitzt, Zusammenhänge verstanden wurden und Entscheidungen nachvollziehbar begründet werden können. Auch für die Prüfer und Prüferinnen beginnt die Vorbereitung auf Termine wie diesen lange vor dem Austeilen der Prüfungsbögen. Dahinter steht ein System, das verlässliche Abläufe mit Fachwissen aus der Wirtschaft verbindet und genau daraus seine besondere Stärke zieht: Unternehmen bilden nicht nur aus, sondern wirken zudem an der Prüfung des Fachkräftenachwuchses mit. Rund 12.000 Aus- und Fortbildungsprüfungen finden jedes Jahr im Kammerbezirk Leipzig statt. Die IHK übernimmt damit zentrale hoheitliche Aufgaben, die der Staat an sie übertragen hat. Sie organisiert den rechtssicheren Rahmen, koordiniert Abläufe und gewährleistet, dass Prüfungen vergleichbar, fair und nachvollziehbar stattfinden. Die fachliche Bewertung liegt im Wesentlichen bei den rund 1.800 ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfern, die in etwa 300 Prüfungsausschüssen mitwirken und vier bis fünf Tage pro Kalenderjahr sachkundig im Einsatz sind. Ein Prüfungsausschuss setzt sich in der Regel aus mindestens drei Mitgliedern zusammen: Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sind gleich stark vertreten, ergänzt durch mindestens eine Lehrkraft einer berufsbildenden Schule. So treffen betriebliche Anforderungen, berufliche Erfahrung und pädagogische Blickwinkel aufeinander. Bis die Prüfungsunterlagen auf den Tischen liegen, haben sie bereits einen langen Weg hinter sich. Viele schriftliche Inhalte entstehen überregional. Für kaufmännische und kaufmännischverwandte Berufe kommen sie von der Aufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und Zwischenprüfungen (AkA). Für gewerblich-technische Ausbildungsberufe entwickelt die Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle (PAL) der IHK Region Stuttgart entsprechende Materialien. Dabei gelten hohe Anforderungen: Die Inhalte müssen aktuell sowie fachlich sauber sein und vertraulich bleiben. Chancengleichheit bedeutet, dass alle Prüflinge zum selben Zeitpunkt mit denselben zuvor unbekannten Aufgaben starten. Je nach Beruf können Prüfungen schriftliche, mündliche und praktische Bestandteile umfassen. In kaufmännischen Berufen stehen Fallaufgaben, Berechnungen oder Präsentationen im Mittelpunkt. In anderen Bereichen zählen Fachgespräche, Dokumentationen, Projektarbeiten oder praktische Arbeitsproben. Oft ist nach der schriftlichen Prüfung also noch nicht Schluss; dann geht es darum, Lösungen zu erklären und berufliches Handeln nachvollziehbar zu machen. Das Prüfungswesen der IHK reicht dabei weit über die klassische Berufsausbildung hinaus. Auch Fortbildungs- sowie Fach- und Sachkundeprüfungen gehören dazu; entsprechend vielfältig sind Abläufe, Anforderungen und Formate. Damit aus Vorbereitung, Aufgaben und Bewertung der Prüfungen ein verlässlicher Abschluss wird, braucht es viel Koordination im Hintergrund. Gleichzeitig verändern neue Berufsbilder, digitale Formate und Anforderungen aus den Betrieben das Prüfungswesen laufend weiter. Genau diese Nähe zum Berufsalltag macht aus IHK-Prüfungen mehr als einen formalen Abschluss. „Prüfungen sind kein Verwaltungsakt. Sie zeigen, ob Wissen in der beruflichen Praxis trägt.“ 1.800 EHRENAMTLICHE PRÜFER:INNEN 300 PRÜFUNGSAUSSCHÜSSE 4-5 TAGE PRO JAHR Ihr Fachwissen ist gefragt – werden auch Sie Teil unseres Prüfungsteams. Wir freuen uns auf Ihr Engagement. Patricia Siebert +49 341 1267-1350 patricia.siebert@leipzig.ihk.de 16 Seite EHRENAMT
RkJQdWJsaXNoZXIy ODM4MTk=