Ausbilden fängt mit Sichtbarkeit an Wie Unternehmen in Leipzig und Wurzen Jugendliche für Ausbildung gewinnen – und warum Berufsorientierung wichtig ist Der Ausbildungsmarkt ist angespannt: Unternehmen suchen Nachwuchs, Jugendliche Orientierung. Zwei Unternehmen aus Leipzig und Wurzen zeigen, wie Ausbildung trotzdem gelingen kann. In sächsischen Betrieben entscheidet erfolgreiche duale Ausbildung längst mit darüber, ob Fachwissen im Unternehmen bleibt. Sie gelingt dort, wo Jugendliche Berufe im betrieblichen Alltag kennenlernen, in Abläufe hineinwachsen und Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen. Doch auf dem Ausbildungsmarkt wird es schwieriger, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen: In Leipzig sowie den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen (Kammerbezirk Leipzig) wurden 2025 insgesamt 3.128 neue Ausbildungsverträge geschlossen – 9,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig hatten 480 Bewerbende Ende August 2025 noch keinen Ausbildungsplatz, während 419 Ausbildungsstellen unbesetzt blieben. Die Zahlen zeigen: Der Ausbildungsmarkt hat ein Matchingproblem. Viele Jugendliche orientieren sich an bekannten Wunschberufen, während Unternehmen Nachwuchs für spezialisierte Berufe suchen, die erklärungsbedürftig sind. Giesecke+Devrient in Leipzig und LIFTKET in Wurzen zeigen, wie wichtig Sichtbarkeit ist, wie sie mit potenziellen Azubis ins Gespräch kommen und dass Ausbildungsberufe erklärt und nicht nur beworben werden müssen. Ein bekanntes Produkt, ein unbekannter Beruf Mitten im Leipziger Zentrum produziert Giesecke+Devrient hinter hohen Sicherheitsvorkehrungen ein Produkt, das jeder kennt: Banknoten. Die international tätige Wertpapierdruckerei bildet derzeit 26 Auszubildende in acht Ausbildungsberufen aus. Ausbildungsleiterin Ina Ullmann, seit fast 40 Jahren im Unternehmen, koordiniert gemeinsam mit Fachbereichsausbildern die gesamte Nachwuchsförderung. Gerade der Beruf Medientechnolog/in Druck (13 Auszubildende) sei wenig bekannt, sagt Thomas Kutzler, Leiter der Produktion Druck und stellvertretender Werksleiter: „Viele verbinden Druck mit einer rückläufigen Branche. Im Banknotendruck benötigen wir aber auch langfristig neue Fachkräfte.“ Für den Einstieg in die Ausbildung arbeitet das Unternehmen mit Kooperationspartnern zusammen. Azubis im Druckbereich lernen die Grundlagen im Ausbildungszentrum für Polygrafie e. V. in Chemnitz. Für andere Berufe arbeitet G+D mit weiteren namhaften Partnern in Dresden und Leipzig zusammen. Der Vorteil laut Ullmann: Dort könne man sich zu Beginn intensiver um die Jugendlichen kümmern als direkt an den großen Maschinen im eigenen Werk. Entscheidend sei, dass der Einstieg gelingt: „Wenn das nicht funktioniert, erinnert man sich immer an das, was schiefgegangen ist“, sagt sie. Berufsorientierung beginnt im Gespräch Um Jugendliche zu erreichen, ist Ullmann auf Ausbildungs- und Jobmessen unterwegs. Dort erlebt sie, wie unsicher viele Schülerinnen und Schüler sind: „Die jungen Menschen haben oft keine Vorstellungen von dem, was sie mal machen möchten.“ Laut Ullmann bräuchte Berufsorientierung in den Schulen – auch am Gymnasium – einen höheren Stellenwert. Am Messestand setzt Ullmann auf eigene Azubis. „Die können glaubwürdiger vermitteln, wie Berufsschule und Arbeitsalltag wirklich aussehen, und damit den Beruf greifbarer machen.“ Ullmann selbst kommt mit Eltern ins Gespräch, erklärt Rahmenbedingungen und Abläufe. Dabei betont sie, wie wichtig es sei, die Eltern einzubeziehen. Thomas Kutzler, Viktoria Block, Ina Ullmann (v. l. n. r.) 10 Seite AUSBILDUNG
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