Außenwirtschaftsnachrichten

AHK-Mitglieder sehen vor allem Stabilisierung Wie sich das im Geschäftsalltag niederschlägt, zeigt der aktuelle World Business Outlook der AHK Bulgarien, eine Umfrage, die jährlich unter AHK-Mitgliedern durchgeführt wird. Vier von fünf Unternehmen berichten, der Euro habe an geplanten Investitionsvorhaben nichts geändert. Darin zeigt sich vor allem Kontinuität, denn der bulgarische Lew war jahrzehntelang fest an den Euro gebunden, sodass das Wechselkursrisiko in der Praxis längst keine Rolle mehr spielte. Dreizehn Prozent der Befragten planen, Investitionen aus Deutschland nach Bulgarien zu verlagern, nur knapp fünf Prozent planen den umgekehrten Schritt. Dass dabei deutlich mehr Unternehmen Investitionen nach Bulgarien lenken als in die Gegenrichtung, spricht für die Attraktivität des Standorts. Wachsende Wirtschaft Die Arbeitskosten stiegen 2025 in Bulgarien um 13,1 Prozent, stärker als in jedem anderen Mitgliedstaat, und auch die industriellen Erzeugerpreise zogen deutlich an. Dahinter steht ein Aufholprozess, wie ihn andere EU-Beitrittsländer ebenfalls durchlaufen haben und der den Standort spürbar verändert. Mit Arbeitskosten von rund zwölf Euro je Stunde bleibt Bulgarien weiter das günstigste Land der Europäischen Union, der Kostenvorteil ist nach wie vor deutlich. Der Anstieg ist Ausdruck einer wachsenden, konvergierenden Volkswirtschaft. Bulgariens Vorsprung im regionalen Vergleich Im Wettbewerb um deutsche Investitionen steht Bulgarien neben Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn. Diese Länder sind wirtschaftlich vergleichbar, behalten aber ihre Landeswährungen und damit das Wechselkursrisiko, den Aufwand für Absicherung und die Möglichkeit politischer Einflussnahme auf die Geldpolitik. Mit dem Beitritt zur Eurozone hat Bulgarien diesen Schritt vollzogen und sich damit einen strukturellen Vorteil gegenüber den vergleichbaren Standorten in Mittel- und Osteuropa gesichert. Für Unternehmen, die in Mittel- und Osteuropa expandieren, ist das ein Argument, das es bisher in der Region nicht gab. Kein Preisschub durch den Euro Die verbreitete Sorge, der Euro werde die Preise in die Höhe treiben, hat sich nicht bestätigt. Die Europäische Zentralbank beziffert den direkten Umstellungseffekt auf 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte und damit als begrenzt und einmalig. Die Inflation ging in den ersten Monaten nach der Einführung sogar zurück, von 3,5 Prozent im Dezember 2025 auf 2,1 Prozent im Februar 2026. Der starke Preisanstieg ab April fällt zeitlich mit dem Energiepreisschock infolge des Nahostkonflikts zusammen, der die gesamte Eurozone erfasste. Was sich im Tagesgeschäft ändert Im operativen Geschäft erfordert der Beitritt eine Reihe praktischer Anpassungen. Buchhaltung, Verträge, Preislisten und ERPSysteme laufen nun auf Euro. Bis zum 8. August 2026 bleibt die doppelte Auszeichnung in Euro und Lew in der Preisauszeichnung gegenüber Verbrauchern Pflicht und wird von der Verbraucherschutzkommission geprüft. Mit dem Eintritt der Bulgarischen Nationalbank in das Eurosystem und den gemeinsamen Bankenaufsichtsmechanismus steht der Finanzsektor zudem unter europäischer Aufsicht. Mittelfristig überwiegen die Vereinfachungen. Die doppelte Kontoführung in Lew und Euro entfällt, Wechselkursumrechnungen und Hedging-Kosten im Euro-Geschäft verschwinden, SEPAÜberweisungen in Echtzeit sind im gesamten Euroraum möglich und Bank- und Transaktionsgebühren für Euro-Geschäfte sinken. Für deutsche Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Bulgarien wird das konzerninterne Cash-Management einheitlicher, der Preisvergleich mit Wettbewerbern im Euroraum direkter. Bilanz und die Rolle der AHK Bulgarien Somit fällt die erste Bilanz günstig aus. Die Finanzierung wird billiger, das Währungsrisiko ist verschwunden, ein euro-bedingter Preisschub ist ausgeblieben. Aus einer jahrzehntelangen festen Bindung, erst an die D-Mark, dann an den Euro, ist eine vollwertige Mitgliedschaft geworden. Für die Planung von Investitionen, Finanzierungen und Lieferbeziehungen zählt am Ende vor allem das, was diese Mitgliedschaft mitbringt: Verlässlichkeit. Genau diese Verlässlichkeit nennen die Mitgliedsunternehmen als ihre wichtigste Erwartung an die Politik. Hier sieht sich auch die AHK Bulgarien in der Pflicht: Sie begleitet Unternehmen, die den Standort prüfen oder ausbauen, mit Marktanalysen, Kontakten und konkreter Orientierung, und sie bringt die Anliegen ihrer Mitglieder dort ein, wo die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen gesetzt werden. Deniza Vrabcheva KONTAKT AHK Bulgarien Deniza Vrabcheva Tel.: +3592 81630-31 deniza.vrabcheva@ahk.bg 7 Außenwirtschaftsnachrichten 4 | August / September 2026 Weltweit erfolgreich

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