Außenwirtschaftsnachrichten

Zehn Jahre nach dem Brexit: Großbritannien bleibt wichtiger Handelspartner Sachsens Mit 52 zu 48 Prozent hatten die Briten am 23. Juni 2016 für einen Brexit gestimmt. Auch wenn drastische Auswirkungen erwartet wurden, sind diese ausgeblieben. Großbritannien gehört vielmehr auch zehn Jahre nach dem Austritt aus der EU zu den wichtigsten sächsischen Außenhandelspartnern. Im vergangenen Jahr exportierte Sachsen Waren im Wert von 4,23 Milliarden Euro – vor allem Erzeugnisse des Kraftfahrzeug- und Maschinenbaus. Damit war Großbritannien der drittwichtigste Exportmarkt für den Freistaat. Bei den Einfuhren liegt der Fokus auf Erzeugnissen des Kraftfahrzeugbaus sowie elektrotechnischen Produkten und Rohstoffen. Mit einem Umfang von rund 623.000 Euro belegt Großbritannien damit Platz 17 im Importranking. German-British Business Outlook 2025: Zuversicht dominiert Deutsche und sächsische Unternehmen blicken auch künftig sehr optimistisch auf den britischen Markt. Laut dem „German-British Business Outlook 2025“, den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Deutschland gemeinsam mit der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) herausgibt, erwarten 85 Prozent der deutschen Unternehmen verbesserte Beziehungen und 48 Prozent steigende Umsätze im deutsch-britischen Handelskorridor – bis 2030 sind es sogar 72 Prozent. Besonders im Blickpunkt stehen dabei die Sektoren Advanced Manufacturing und Clean Energy, digitale Technologien und Life Sciences sowie Verteidigung und Sicherheit, der der am stärksten wachsende Kooperationsbereich ist. Er ist jetzt für 43 Prozent der Befragten relevant – eine direkte Folge der veränderten Sicherheitslage in Europa und des im letzten Jahr geschlossenen UK-EU-Sicherheits- und Verteidigungspakts. Der im März 2026 vom Deutschen Bundestag ratifizierte deutsch-britische Freundschaftsvertrag, der sogenannte Kensington Treaty, unterstreicht die langfristige gute Beziehung. Deutschland und Großbritannien erkennen darin die Bedeutung starker Geschäftsbeziehungen und direkter Kontakte zwischen den Menschen, auch bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen, als Grundlage ihrer wirtschaftlichen Beziehungen an und vereinbaren, die gemeinsame Arbeit im Bereich der Handels- und Investitionsförderung fortzuführen und so die Wertschöpfungsketten zwischen ihren Ländern weiter auszubauen. Attraktive Sektoren für sächsische Unternehmen Die britische Regierung investiert gezielt in Zukunftsbranchen, die interessant für sächsische Unternehmen sein könnten: ∙ Maschinen- und Anlagenbau: Der britische Maschinenbausektor mit über 71.000 Beschäftigten und einem jährlichen Umsatzwachstum von derzeit etwa 23 Prozent bietet sächsischen Unternehmen u. a. aufgrund aktueller Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsbemühungen gute Geschäftsansätze sowie Zugang zu weiteren Sektoren, wie Automobil, Luftfahrt, Bauwesen und Erneuerbare Energien und ein breit aufgestelltes Netzwerk für Innovation und Forschung. Es besteht zudem Unterstützungsbedarf bei der Erreichung des Net-Zero-Zieles in der Industrie. Die britische Industrie modernisiert ihre Fertigungsprozesse stark. Sächsische Spezialmaschinen, Automatisierungslösungen und Präzisionswerkzeuge sind gefragt, da das Land einen großen Teil seines Bedarfs über Importe deckt. ∙ Umwelt- und Energietechnik: Der Energiemix in Großbritannien hat sich in den letzten Jahren gewandelt, hin zu erneuerbaren Energiequellen. Der Energiesektor bietet u. a. aufgrund der ehrgeizigen Ziele der britischen Regierung und damit verbundener Investitionen gute Optionen: Erneuerbare Energieressourcen sind reichlich vorhanden. Ein wachsender Markt für E-Autos erhöht den Bedarf an Ladeinfrastruktur, Batterietechnik und intelligenten Ladelösungen. Auch die Nachfrage nach Lösungen für energieeffiziente Gebäudetechnik und Infrastruktur steigt. ∙ Life Sciences & Medizintechnik: Der britische Gesundheitssektor (NHS) steht unter permanentem Modernisierungsdruck. Innovative sächsische Lösungen in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Laborausstattung stoßen auf eine hohe Importnachfrage. Am stärksten wurde in den letzten fünf Jahren in den Bereichen Biotechnologie, Pharmazeutische Erzeugnisse, medizinische Geräte und die medizinische Versorgung investiert. Es bieten sich auch für sächsische Unternehmen gute Möglichkeiten, insbesondere in der Entwicklung und Integration von digitalen Technologien im Gesundheitssektor. ∙ Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: Die Verteidigungsausgaben steigen ab 2027 auf 2,5 Prozent des BIP und in den frühen 2030er Jahren auf drei Prozent. Investitionen von rund 17 Milliarden Euro fließen in die seegestützte nukleare Abschreckung, den Bau von Atom-U-Booten und neue Unterkünfte. Der Defence Investment Plan wird weitere Investitionen priorisieren und absichern. Konkrete Ansatzpunkte bieten u. a. die Bereiche Cybersecurity und Robotik sowie die Zulieferung von Komponenten (Sensorik und Elektronik). Sächsische Aktivitäten in Großbritannien Möglichkeiten zur Sondierung des britischen Marktes bot Ende Juni die SACHSEN Sail, die im Rahmen ihrer Tour Birmingham, Manchester und Coventry – die Partnerstädte von Leipzig, Chemnitz und Dresden besuchte und u. a. vom Präsidenten der IHK Chemnitz, Max Jankowsky begleitet wurde. Erst im Oktober 12 Außenwirtschaftsnachrichten 4 | August / September 2026 Weltweit erfolgreich

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