Wo Ausbildung nach Karamell und Kaffee riecht Ein Besuch bei Bell Flavors & Fragrances zeigt, wie die IHK zu Leipzig Ausbildungsqualität sichert und den Ausbildungsmarkt stärkt Zu Besuch in Leipzig-Miltitz bei einem der größten Aromenhersteller Europas An einem Aprilmorgen fahren wir mit Maik Meyer auf das Gelände eines Industriekomplexes in Leipzig-Miltitz. Es riecht nach Karamell, Kaffee und Kräutern. Hier verbinden sich fast 200 Jahre Aromaindustrie mit modernster Lebensmitteltechnologie. Der Teamleiter für Aus- und Weiterbildungsberatung der IHK zu Leipzig ist zu Besuch bei Bell Flavors & Fragrances, einem der größten Aromenhersteller Europas. Zwischen Tradition und Hightech Seit 1993 produziert das Unternehmen hier auf rund 200.000 Quadratmetern ein breites Spektrum an Aromen und Duftstoffen. Im Bereich Lebensmittel und Getränke deckt Bell damit die gesamte Industrie ab, von Aromen für Snacks wie Chips über Molkereiprodukte wie Joghurt bis hin zu Softdrinks wie Cola – und entwickelt auch Duftstoffe für Kosmetik und Körperpflege, kreiert Parfums und liefert Duftlösungen für Reinigungs- und Haushaltsprodukte. Damit knüpft das Unternehmen an die lange Tradition von Schimmel & Co. an, einem Pionier der Duft- und Aromaindustrie, der bereits 1829 in Leipzig gegründet wurde. Meyer betritt den Konferenzraum – eine alte Bibliothek: „Hier in der Schimmel- Bibliothek gibt es über 30.000 Fachbücher zu Aromen und ätherischen Ölen aus dem 19. Jahrhundert“, erklärt Janine Hammer von der Unternehmenskommunikation bei Bell. Gemeinsam mit HR Business Partner Christian Volk sowie den beiden Ausbildern Daniel Szameitat (Logistik) und Thomas Bunge (Lebensmitteltechnik) beginnen wir den Rundgang. Die hoheitliche Aufgabe, vor Ort zu sein Für Meyer ist dieser Besuch Teil seiner täglichen Arbeit. Der Auftrag, Unternehmen wie Bell zu besuchen, ergibt sich für die IHK zu Leipzig aus dem Berufsbildungsgesetz (§ 76 BBiG). „Wenn ein Unternehmen neu ausbildet, müssen wir vor Ort die Ausbildereignung und Ausstattung prüfen“, erklärt er. „Ist ein fachlich und pädagogisch geeigneter Ausbilder da? Gibt es die notwendigen Gerätschaften? Können die Ausbildungsinhalte vermittelt werden?“ Bell Flavors bildet in drei Berufen aus: Fachkraft für Lagerlogistik, Fachkraft für Lebensmitteltechnik und Industriekaufleute. „Mir ist wichtig zu sehen, wo die Azubis hinkommen, welche Menschen sie betreuen und wie die Ausbildung organisiert ist“, sagt Meyer. „Das kann ich am Telefon nicht beurteilen.“ Logistik: Ordnung, Sauberkeit und Verantwortung Daniel Szameitat, Ausbilder für Lagerlogistik, führt uns durch die hellen Hallen des 2017 eröffneten Logistikgebäudes. „Hier lagern chemische Rohstoffe, Naturstoffe und Zutaten für die Aromaproduktion“, erklärt er. Etwa 70 Prozent davon gehören zu den Gefahrstoffen. „Wer hier eine Ausbildung machen möchte, sollte räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen“, sagt Christian Volk mit Blick auf den Kollegen im Gabelstapler, der durch die engen Gänge fährt. Der Umgang mit Gefahrstoffen wird hier akribisch geschult. Die Betreuungsintensität ist hoch: „Wir bilden bewusst nur ein bis zwei Azubis pro Lehrjahr aus“, sagt Szameitat. „Als achtköpfiges Team ist es uns wichtig, einen Lehrling intensiv zu betreuen. Am besten wollen wir ihn auch übernehmen.“ Die Rechnung geht auf: Die Übernahmequote ist hoch. „Ausbildung ist auch immer nur der erste Schritt“, ergänzt Meyer. „Wer bleibt, kann sich weiterentwickeln.“ 8 Seite AUSBILDUNG
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