WIRTSCHAFT Digital

Ich konnte vieles besser einordnen, weil ich wusste, was es in der Praxis bedeutet. Außerdem nimmt eine Ausbildung Druck raus. Man hat eine berufliche Grundlage und kann darauf aufbauen. Deshalb sollten wir stärker hinterfragen, warum ein Studium oft wie selbstverständlich als die bessere erste Option gilt. Eine Berufsausbildung ist solide, anspruchsvoll und eröffnet viele Möglichkeiten. Danach ist ja nicht Schluss: Meister, Techniker, Fachwirt – es gibt viele Wege, sich weiterzuentwickeln. Was muss sich verändern, damit mehr junge Menschen den Weg in eine Ausbildung finden – und wo kann die IHK unterstützen? Kirpal: Wir brauchen eine andere gesellschaftliche Gewichtung. Die duale Ausbildung mit ihren weiteren Qualifikationswegen muss sichtbarer und selbstverständlicher werden. Wir sollten das Studium nicht automatisch zum Königsweg machen. Dafür braucht es beide Seiten. Unternehmen müssen bereit sein, in Ausbildung zu investieren, auch wenn das zunächst Aufwand bedeutet. Wer künftig Fachkräfte haben will, kann nicht nur hoffen, dass am Markt jemand verfügbar ist. Gerade kleinere Betriebe müssen sich fragen, wie sie junge Menschen gewinnen und halten können. Gleichzeitig brauchen sie Rahmenbedingungen, die funktionieren. Für viele Betriebe ist es nicht einfach, Ausbildung finanziell zu schultern. Besonders wichtig ist Verlässlichkeit: Wenn Angebote an Schulen jedes Jahr neu aufgesetzt werden müssen, kommt man nicht voran. Die IHK bündelt die Erfahrungen der Unternehmen und bringt sie gezielt in politische Entscheidungsprozesse ein, etwa bei Berufsorientierung, Berufsschulstandorten oder organisatorischen Hürden. Praktisch unterstützt sie mit Ausbildungsmessen, Schulprojekten und Formaten, die Unternehmen und Jugendliche zusammenbringen. Entscheidend ist, dass Ausbildung erlebbar wird. Vielen Dank für das Gespräch. Der Markt steht unter Druck2 3.128 neue Ausbildungsverträge im IHK-BEZIRK LEIPZIG 2025 -9,5 % WENIGER ALS 2024 (3.452) Stichtag 30.09.2025 DEUTSCHLAND: -2,8 % (461.800 neue Verträge) Stadt & Land entwickeln sich unterschiedlich3 Stadt Leipzig -5,1 % (2024: 2.081 > 2025: 1.975 neue Verträge) Stichtag 30.09.2025 Landkreise Leipzig & Nordsachsen -15,9 % (2024: 1.371 > 2025: 1.153 neue Verträge) Passung bleibt das Kernproblem Leipzig4 Landkreise Leipzig und Nordsachsen5 Sachsen6 unbesetzte Lehrstellen 419 167 1.698 unversorgte Jugendliche 480 125 1.270 (Stand: August 2025) (Stand: September 2025) Mehr Azubis mit ausländischer Staatsangehörigkeit7 3.287 AUSLÄNDISCHE AZUBIS IN SACHSEN = +20,3 % mehr gegenüber 2023 (Stand: Dezember 2024) HÄUFIGSTE HERKUNFTSLÄNDER Vietnam: 32,8 % | Syrien: 8,5 % | Ukraine: 5,4 % Top 5 der Ausbildungsberufe8 1. Verkäufer/-in 2. Kaufmann/-frau im Einzelhandel 3. Mechatroniker/-in 4. Koch/Köchin 5. Kaufmann/-frau für Büromanagement (Sachsen, Stand: August 2025) Fehlende Passung zeigt sich oft früh 1.147 vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse im IHK-Bezirk Leipzig 2024 davon 36,5 % in der Probezeit Quellen 2 IHK zu Leipzig, interne Auswertungen. 3 IHK zu Leipzig, interne Auswertungen. 4 Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Tabellen, Arbeitsmarktreport. August 2025. 5 Bundesagentur für Arbeit. Der Ausbildungsmarkt im Berichtsjahr 2024/2025. 6 Bundesagentur für Arbeit. Bilanz zum sächsischen Ausbildungsmarkt. 7 Freistaat Sachsen. Anstieg der Zahl der Auszubildenden in der dualen Berufsausbildung im Freistaat Sachsen. 8 IHK Dresden. IHK-Unternehmen starten mit 10.883 neuen Azubis ins Ausbildungsjahr. 6 Seite AUSBILDUNG

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