Duale Ausbildung Ein Erfolgsmodell unter Druck Ein starker Weg in den Beruf, aber kein Selbstläufer: In der Region Leipzig zeigen rückläufige Vertragszahlen und Passungsprobleme, warum Ausbildung neue Aufmerksamkeit braucht. Ob ein Beruf wirklich passt, zeigt sich selten nur in der Theorie. Genau hier liegt die Stärke der dualen Ausbildung: Sie verbindet betriebliche und schulische Aspekte; je nach Beruf kommen überbetriebliche Lernorte hinzu. Was junge Menschen in der Praxis erleben, wird fachlich eingeordnet; was sie in der Schule lernen, muss sich im Arbeitsalltag bewähren. Dass Betriebe Ausbildung aktiv mittragen, ist international nicht selbstverständlich. In vielen Ländern stößt das deutsche Modell deshalb auf großes Interesse – als Orientierung für eine berufliche Bildung, die sich stärker am Bedarf der Unternehmen ausrichtet. Auch für Leipzig und die umliegenden Landkreise hat dieser Schulterschluss eine sehr praktische Bedeutung. „Die Zukunftsfähigkeit eines Standorts hängt nicht allein von seinen Hochschulen ab“, betont der Berufs- und Wirtschaftspädagoge Prof. Dr. Roland Happ von der Universität Leipzig. „Für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Region ist die duale Ausbildung mindestens ebenso bedeutsam.“ Verliere sie an Sichtbarkeit oder würden dauerhaft weniger Ausbildungsverträge geschlossen, so Happ, könne daraus mittelfristig ein strukturelles Fachkräfteproblem entstehen – mit Folgen für Industrie, Logistik, Handwerk, Gesundheit und Dienstleistungen. Wie konkret diese Herausforderung ist, lässt sich auch im Kammerbezirk ablesen. 2025 wurden hier 3.128 neue Ausbildungsverträge geschlossen, 9,5 Prozent weniger als im Vorjahr. In Leipzig waren Ende August 2025 noch 480 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt, während 419 Ausbildungsstellen unbesetzt blieben. Die Zahlen zeigen keinen einfachen Mangel, sondern ein vielschichtiges Spannungsfeld: Demografisch gibt es weniger junge Menschen. Zugleich reagieren Unternehmen auf die unsichere Wirtschaftslage und fahren Ausbildungsaktivitäten zurück. Rein rechnerisch gibt es also Angebote; in der Praxis bedeuten sie aber kein automatisches Match. Das eigentliche Problem liegt häufig im Dazwischen. Ein Betrieb kann ausbildungsbereit sein und trotzdem keine geeigneten Bewerbungen erhalten. Ein junger Mensch kann motiviert sein und dennoch durch unklare Berufsbilder, falsche Erwartungen oder eine schlechte Infrastruktur ausgebremst werden. Es fehlt nicht an Menge, sondern oft an der Passung von Berufswunsch, Betrieb, Schulstandort und Erreichbarkeit. Genau hier setzt die IHK zu Leipzig an. Sie berät und unterstützt Unternehmen rund um Eignung und Ausbildung, begleitet Ausbildungsverhältnisse und schafft durch ihr Prüfungssystem den rechtssicheren Rahmen für anerkannte Abschlüsse. Gleichzeitig macht sie sich für bessere Rahmenbedingungen stark: für verlässliche Berufsorientierung, gut erreichbare Berufsschulstandorte und tragfähige Lösungen bei Azubi-Unterkünften. Wie Passung auch dann entstehen kann, wenn Unternehmen noch keine Ausbildungstradition haben, zeigt das Forschungsprojekt Start2train, das der Berufs- und Wirtschaftspädagoge Happ koordiniert. Das Modellvorhaben zielt darauf ab, Start-ups, unter anderem aus Sachsen, als künftige Ausbildungsbetriebe zu gewinnen und Netzwerke für die Verbundausbildung aufzubauen. Es zeigt sich: Duale Ausbildung ist kein Selbstläufer. Aber dort, wo Unternehmen Verantwortung übernehmen, Beratung greift und Einblicke früh möglich werden, entsteht mehr als ein besetzter Ausbildungsplatz. Jugendliche finden verlässliche berufliche Perspektiven, und die Region gewinnt die Fachkräfte, die sie morgen braucht. Demografisch gibt es weniger junge Menschen. 4 Seite STATISTIK Ausbildung ist breit verankert1 8.328 AUSZUBILDENDE über alle Ausbildungsjahre im Kammerbezirk Leipzig 31,6 % WEIBLICHeib 68,4 % MÄNNLICHännl davon Stadt: 5.133 | Land: 3.195 1.703 BETRIEBE, die aktiv ausbilden im Kammerbezirk Leipzig davon Stadt: 931 | Land: 772 (Stand: 2025) Quelle: 1 IHK zu Leipzig, interne Auswertungen. AUSBILDUNG
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