Fußball-Weltmeisterschaft 2018: Wie darf ich werben und was ist beim Public Viewing zu beachten?

Am 14. Juni 2018 beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland. Wenn Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen im Kontext der Weltmeisterschaft vermarkten möchten, gibt es dabei einige Spielregeln zu beachten. Andernfalls kann eine Werbekampagne richtig teuer werden.

Hinweis

Diese Informationen dienen als erste Orientierungshilfe und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Obwohl es mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurde, kann eine Haftung für die inhaltliche Richtigkeit nicht übernommen werden. Die Veröffentlichung von Informationen ist ein Service der Industrie- und Handelskammer und kann eine Rechtsberatung im Einzelfall nicht ersetzen. Diese Informationen werden mit freundlicher Genehmigung der IHK für München und Oberbayern zur Verfügung gestellt. Ursprüngliche Verfasserin: Svenja Hartmann.

Die FIFA und ihre Schutzrechte

Die Fußballweltmeisterschaft ist nicht nur ein riesiges internationales Volksfest, sondern auch ein Markenprodukt der FIFA. Die Vermarktung der kommerziellen Rechte, das heißt Medien-, Marketing-Lizenzierungs- und Ticketing-Rechte liegen ausschließlich in den Händen der FIFA. Sie ist Inhaberin etlicher Schutzrechte, die im Zusammenhang mit dem 2018 FIFA World Cup™ verwendet werden. Neben dem offiziellen Emblem des FIFA World Cup Russia 2018 und dem Pokal des 2018 FIFA World Cup™ genießt auch das offizielle Maskottchen, der Wolf Zabivaka, kennzeichenrechtlichen Schutz.

Darüber hinaus hat die FIFA eine Vielzahl von Einzelbegriffen oder Wortkombinationen markenrechtlich schützen lassen, z. B. FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™, FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, COPA 2018™, COPA MUNDIAL 2018™, RUSIA 2018™, RUSSIA 2018™, WM 2018™, SPIELORT-Name und 2018 für jeden Spielort (z. B. Moskau 2018) und weitere mehr.

Zum Schutz der FIFA-Marken siehe im Einzelnen: http://de.fifa.com/about-fifa/marketing/ brand-protection/index.html

Die FIFA hat Richtlinien für die Nutzung der offiziellen FIFA-Marken herausgegeben, zu finden unter: http://de.fifa.com/worldcup/organisation/index.html

Folge des Schutzes der Marken ist, dass es ausschließlich den offiziellen FIFA-Partnern, FIFA WM-Sponsoren und Regionalen Unterstützern (eine Aufstellung findet sich unter http://de.fifa.com/worldcup/organisation/partners) gestattet ist, mit den geschützten Begriffen und Symbolen zu werben. Unternehmen, die weder Partner noch Sponsor sind und mit den geschützten Logos und Marken werben wollen, müssen bei der FIFA hierfür eine Lizenz ("vorab schriftlich erteilte Autorisierung") erwerben.

Hinweis

Wer ohne eine solche Lizenz den Absatz seiner Produkte und Dienstleistungen mit Begriffen rund um die WM 2018 bewerben möchte, sollte vor jeder Verwendung derartiger Begriffe rechtlichen Rat einholen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Werbetätigkeit zu einer "unangemessenen wirtschaftlichen Assoziation mit der WM bzw. der FIFA" (so heißt es in den FIFA-Richtlinien) führen könnte und dass der Unternehmer als Folge davon von der FIFA auf Unterlassung, Auskunft, Beseitigung und ggf. Schadensersatz in Anspruch genommen wird. Insbesondere drohen Abmahnungen, einstweilige Verfügungen und Klagen, die nicht unerhebliche Anwalts- und Gerichtskosten verursachen können. Unserer Erfahrung nach verfolgt die FIFA die Verletzung ihrer Rechte sehr genau!

  • Wie werde ich Sponsor oder Lizenznehmer für die offiziellen WM-Produkte?
  • Darf überhaupt nicht mit Hinweisen auf die Weltmeisterschaft geworben werden?
  • Können eigene WM-Logos entworfen und verwendet werden?
  • Dürfen Sammelbilder / Porträts von Fußballspielern geschäftlich / werblich verwendet werden?
  • Dürfen Merchandisingprodukte mit offiziellen FIFA-Marken oder Symbolen vertrieben werden?
  • Wer sind die offiziellen Partner, Sponsoren und Förderer?
  • Sind Sonderaktionen anlässlich der WM zulässig?
  • Darf ein Gewinnspiel veranstaltet werden, bei dem es WM-Eintrittskarten zu gewinnen gibt?
  • Sportwetten während der WM
  • Was passiert bei Verstößen? – "Ambush-Marketing"
  • Public-Viewing

Unternehmen können regionale Sponsoringpakete erwerben und/oder Verkaufsstellen für die offiziell lizenzierten Produkte werden, indem sie sich unter http://de.fifa.com/ about-fifa/marketing/index.html bewerben.

Das kommt darauf an:

Eine Werbung unter Bezugnahme auf die Weltmeisterschaft (in allen Formen von Print- und digitalen Medien wie etwa gedruckte Publikationen, TV, Web, Mobil-Anwendungen, Apps und Social Media) kann zulässig sein, wenn die Werbeaussage rein beschreibend ist und nicht gegen die guten Sitten verstößt. Rein beschreibende Angaben sind solche, die zur Beschreibung der Merkmale und Eigenschaften der darunter vertriebenen und beworbenen Waren und Dienstleistungen dienen.

Es darf keine unlautere Rufausnutzung oder -beeinträchtigung, keine gezielte Behinderung und Herkunftstäuschung oder sonstige Verwechslungsgefahr bzw. Verknüpfung mit der FIFA hervorgerufen werden. Ferner darf es nicht zu einer Irreführung über eine tatsächlich nicht bestehende Partnerschaft / Sponsoreneigenschaft oder sonstige Verbindung mit der FIFA oder sonstigen Rechteinhabern kommen (keine "unangemessenen wirtschaftlichen Assoziation mit der WM bzw. der FIFA").

Beispiele für zulässige Werbung:

  • "Das Fußballfieber steigt, die Preise fallen: 20 Prozent auf alles während der WM", "Russische Wochen: Für den Zeitraum der Fußballweltmeisterschaft senken wir die Preise für alle Sportartikel um 20 Prozent", "Für jedes geschossene Tor der deutschen Nationalelf erhalten Sie 1 Prozent Rabatt auf unser gesamtes Sortiment", "Fan-Wurst für 2,50 Euro", "10 Prozent Fan-Rabatt auf alle Hosen", "Weltmeister-Produkt", "Während der WM gibt es bei dem Kauf von 3 Paar Schuhen eines umsonst".
  • Fußballaffine generelle Werbeaussagen ("Fußball in Russland"), dekorative Schaufenstergestaltung mit der russischen Fahne, Fußball-Schaufensterpuppen, Bällen, Toren (immer OHNE die offiziellen FIFA-Symbole!; also keine FIFA-Merchandisingprodukte zur Schaufenstergestaltung verwenden!)

Nicht empfehlenswert ist beispielsweise:

  • Offizielle Marken/Logos und Embleme der FIFA oder Dritter ohne entsprechende Lizenz zu verwenden (sei es in der Printwerbung, sei es in der Verwendung als Hyperlinks, Apps oder sonstige mobile Services, Desktop- Wallpaper, auf Social-Media-Plattformen, etc.).
  • Verwendung von FIFA-Merchandisingprodukte zur Schaufenstergestaltung.
  • Die Übernahme des FIFA-Spielplans (urheberrechtlich geschützt!); aber die Gestaltung eines eigenen Spielplans ist zulässig.
  • Geschützte Markennamen der FIFA als Teil eines Produktnamens zu verwenden, z. B. "World Cup-Fernseher".
  • Einen Hinweis, der den Eindruck erweckt, man sei offizieller Sponsor, Förderer, Unterstützer oder sonstiger Partner der FIFA. Gleiches gilt, wenn der Verbraucher davon ausgehen könnte, es handle sich um offizielle FIFA-Waren bzw. spezielle Weltmeisterschaft-Produkte (Merchandising-Produkte).
  • Ein Hinweis, wonach die eigenen Produkte mit FIFA-Produkten vergleichbar seien.
  • Nachahmungen von Produkten der FIFA und ihrer Sponsoren, Förderer und sonstigen Partner.

Alles in allem ist die Zulässigkeit der jeweiligen Werbung eine Frage des Einzelfalls. Wir empfehlen deshalb, vor Veröffentlichung eine eingehende juristische Überprüfung der Zulässigkeit der geplanten Werbung durch einen auf das Wettbewerbsrecht und Marken-/ Kennzeichenrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Wer selbst ein WM-Logo entwerfen und verwenden will, muss darauf achten, dass es keine gedankliche Verbindung zum offiziellen Emblem oder allgemein zur WM 2018 als Veranstaltung der FIFA herstellt.

Ohne entsprechende und nachweisbare Zustimmung der
einzelnen Fußballspieler ist dies nicht zu empfehlen.

Ja, wenn es sich um lizenzierte Produkte handelt. Mit dem Lizenzvertrag erwerben die Lizenznehmer die Rechte für die Verwendung der Kennzeichen der FIFA für die WM auf bestimmten Produkten. Es wird dabei vorab festgelegt, um welches Produkt es sich handelt und in welcher Region es vertrieben wird. Lizenznehmer dürfen aber nicht das eigene Unternehmen mit der WM in Verbindung bringen.

Informationen zum Lizenzprogramm erhalten Sie unter http://de.fifa.com/about-fifa/marketing/licensing/consumer-retail.html

Die Lizenznehmer sind von den offiziellen FIFA-Partnern, Sponsoren und Nationalen Förderern (siehe http://de.fifa.com/worldcup/organisation/partners/) zu unterscheiden, die das exklusive Recht haben, sich selbst und ihre Produkte oder Dienstleistungen mit der WM in Verbindung zu bringen. Unternehmen können regionale Sponsoringpakete erwerben.

Näheres unter http://de.fifa.com/about-fifa/marketing/sponsorship/index.html.

Sonderpreise anlässlich der WM sind grundsätzlich zulässig. Zu beachten sind die allgemeinen wettbewerbsrechtlichen Regeln und die Markenrechte der FIFA und sonstiger Dritter (s.o.).

Gewinnspiele mit Eintrittskarten können nur von den offiziellen Partnern der WM ausgerichtet werden. Allgemein gilt: Jede Nutzung der Eintrittskarten für werbliche Zwecke – einschließlich des Verkaufs – ist unzulässig.

Sportwetten sind nach höchstrichterlicher Rechtsprechung Glücksspiele. Sportwetten dürfen daher nur mit der erforderlichen Erlaubnis der Landesregierung angeboten werden. Achtung! Wer ohne die erforderliche Erlaubnis Sportwetten und andere Glücksspiele ausrichtet, muss nicht nur mit wettbewerbsrechtlichen Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen rechnen, sondern macht sich auch strafbar!

Wenn Unternehmen versuchen, das offizielle Emblem, das offizielle Maskottchen oder den Pokal für ihre eigenen kommerziellen Zwecke illegal zu nutzen, wird dies als "Ambush Marketing" ("Trittbrett-Fahrer") bezeichnet. Hier drohen dem betroffenen Unternehmen Unterlassungs-, Beseitigung-, Auskunfts- und Schadensersatz-Ansprüche seitens der FIFA. Das kann schnell Kosten in fünfstelliger Höhe verursachen. Unter Umständen können auch die mit dem unlauteren Verhalten erzielten Gewinne "abgeschöpft" werden. Instrumente für die Durchsetzung der Ansprüche sind die Abmahnung oder das gerichtliche einstweilige Verfügungs- und/oder Hauptsacheverfahren.

Zum Schutz der FIFA-Marken und zur Durchsetzung der Ansprüche der FIFA siehe http://de.fifa.com/about-fifa/marketing/brandprotection/index.html.

  • Wann benötigt der Gastronom für die öffentliche Übertragung von WM-Spielen im TV oder auf Großbildleinwand eine Lizenz?
  • Wann ist eine Veranstaltung "gewerblich"?
  • Frist für die Lizenzanträge
  • Was kostet die Lizenz?
  • Dürfen Sponsoren bei einer Public-Viewing Veranstaltung auftreten?
  • Wie darf für die eigene Public-Viewing- Veranstaltung geworben werden? Dürfen Speisen, Getränke, etc. verkauft werden?
  • Sind auch GEMA- Gebühren und Rundfunkbeitrag zu zahlen?

Nach dem FIFA-Reglement für Public-Viewing-Veranstaltungen http://de.fifa.com/about-fifa/tv/public-viewing.html sind Lizenzen erforderlich

  • für gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen
  • besondere nicht gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen.

1. gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen ("Commercial Public Viewing Events") – gebührenpflichtige Lizenz erforderlich:

Wenn der Veranstalter die Veranstaltung zu gewerblichen Zwecken durchführt. Ein gewerblicher Zweck gilt bei einer Public-Viewing-Veranstaltung als gegeben, wenn zum Beispiel:

  • für die Vorführung der Übertragung direkt oder indirekt (z. B. durch Unkostenbeiträge, Mindestverzehranforderungen, erhöhte Speisen- und Getränkepreise) Eintrittsgelder verlangt werden und/oder
  • im Zusammenhang mit der Veranstaltung Sponsoring oder andere gewerbliche Assoziierungsrechte genutzt werden und/oder
  • aus der Veranstaltung in anderer Form ein geschäftlicher Nutzen erzielt wird.

2. besondere nicht gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen ("Special Non-Commercial Public Viewing Events") – Lizenz erforderlich, die aber gebührenfrei ist:

Wenn die nicht gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltung auf mehr als 5000 Besucher ausgerichtet ist.

3. nicht gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen ("Non-Commercial Public Viewing Events") – es ist weder Lizenz erforderlich noch wird Gebühr fällig:

Veranstaltungen in "gewerblichen Einrichtungen" wie Pubs, Clubs und Bars, ohne dass direkt oder indirekt Eintrittsgelder erhoben werden oder Sponsoringaktionen stattfinden (sonst siehe 1.), also ohne dass der Veranstalter mit der Veranstaltung einen geschäftlichen Nutzen erzielt.

Aber Achtung: Auch wenn keine Lizenz nötig ist, ist der Veranstalter dennoch verpflichtet, das FIFA-Reglement für Public-Viewing-Veranstaltungen vollumfänglich einzuhalten

(Download als PDF unter http://de.fifa.com/about-fifa/tv/public-viewing.html).

Public-Viewing-Lizenzen sind voraussichtlich bis April/Mai 2018 zu beantragen. Die FIFA hat zur Beantragung einer FIFA-Public-Viewing-Lizenz eine Online-Plattform eingerichtet unter: http://de.fifa.com/about-fifa/tv/public-viewing.html.

Die Kosten der Lizenz für eine gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen richten sich nach Anzahl und Zuschauerkapazität der Veranstaltung.

Weitere Informationen hierzu finden Sie unter: http://de.fifa.com/about-fifa/tv/public-viewing.html.

Liegt eine Lizenz seitens der FIFA vor, sollten zur Vermeidung von Konflikten und Auseinandersetzungen mit der FIFA die von diesen aufgestellten Bedingungen für die Hinzuziehung von Sponsoren und der Veranstaltungs-/Sponsoren-Werbung beachtet werden. Diese Bedingungen (FIFA-Reglement für Public-Viewing-Veranstaltungen) finden Sie unter: http://de.fifa.com/about-fifa/tv/public-viewing.html.

Danach dürfen für gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen (oben Nr. 1) beispielsweise lokalen Anbietern lokale Sponsor-Rechte gewährt werden, wenn diese von der FIFA nicht als Wettbewerber der offiziellen WM-Sponsoren angesehen werden. Die FIFA Bedingungen sehen dafür eine vorherige Genehmigungspflicht vor. Die lokalen Sponsoring-Rechte dürfen keinesfalls den Eindruck erwecken, der lokale Sponsor sei mit der FIFA und/ oder der WM offiziell verbunden!

Für nicht gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen (oben Nr. 3) oder besondere nicht gewerbliche Public-Viewing-Veranstaltungen (oben Nr. 2) dürfen keinerlei Sponsoring-Rechte gewährt werden.

Auch hier empfiehlt sich aus den besagten Gründen ein Blick in die speziellen FIFA-Bedingungen und Richtlinien, welche nähere diesbezügliche Regelungen vorhalten.

Download unter http://de.fifa.com/about-fifa/tv/publicviewing.html

Beim Public-Viewing können zusätzliche Gebühren der GEMA sowie der Rundfunkbeitrag für öffentlich-rechtlichen Hörfunk und Fernsehen anfallen, ferner gegebenenfalls für eine Sky-Lizenz (www.sky.de).

Die GEMA sieht einen Sondertarif für Public-Viewing-Veranstaltungen im Rahmen der Fußball-WM 2018 vor. Dieser wird einige Wochen vor der WM veröffentlicht. Informationen findet man unter www.gema.de. Fragen beantwortet die zuständige Bezirksdirektion (www.gema.de/die-gema/adressen/bezirksdirektionen.html).

Informationen zum Rundfunkbeitrag gibt es unter: www.rundfunkbeitrag.de.

Ansprechpartner

Bildungs- und Wettbewerbsrecht

Phuong Thao Dinh Van

E-Mail dinhvan@leipzig.ihk.de
Telefon 0341 1267-1332
Fax 0341 1267-1422