Regionale Wirtschaft spürt jetzt konjunkturellen Gegenwind

Presse

05.11.2019

Nachdem die regionalen Unternehmen noch im Frühjahr der umgreifenden Konjunkturflaute erfolgreich trotzten, gibt die Stimmung nun auch im IHK-Bezirk Leipzig nach. Sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen trüben sich ein.

Der daraus resultierende IHK-Geschäftsklima-Index1 sinkt um sieben auf 129 Punkte und geht damit in etwa auf das Niveau von 2016 zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig im Herbst 2019, an der sich 643 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt mehr als 43.000 Beschäftigten beteiligt haben.

"Die schwächelnde Weltkonjunktur schlägt nun auch auf die regionale Wirtschaft durch. Vor allem die Industrie gerät mehr und mehr unter Druck, was auch zunehmend Folgewirkung in anderen Branchen zeigt", sagt Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig. "Schwarzmalerei ist dennoch nicht angebracht. In vielen Wirtschaftsbereichen ist die Geschäftslage nach wie vor gut und trotz gedämpfter Erwartungen bleiben die Aussichten verhalten optimistisch. Wichtig ist jetzt jedoch, für die Unternehmen die richtigen Rahmenbedingungen zur effektiven Bewältigung der aktuellen Herausforderungen zu schaffen. Insbesondere muss sich in Sachsen nach der Landtagswahl am 1. September rasch eine handlungsfähige Regierung bilden, die drängende Aufgaben anpackt und dadurch ein Signal des Aufbruchs setzt. Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Breitbandausbau, Beseitigung des Lehrermangels und Stärkung der Oberschulen… gerade auf Landesebene gibt es viele Stellschrauben für eine aktive Wirtschaftspolitik, die zur nachhaltigen Stärkung des Industrie- und Wirtschaftsstandortes beiträgt."

Lage: Die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen trübt sich, anders als die optimistischen Prognosen der Frühjahrsumfrage erwarten ließen, merklich ein. Abgesehen vom Dienstleistungsgewerbe verschlechtert sich die Lage in allen Wirtschaftsbereichen. Insgesamt fällt der Saldo der Lage-Beurteilungen nach der Bestmarke im Frühjahr um sechs auf +51 Punkte. Die Gesamtsituation ist damit aber immer noch positiv. Eine Mehrheit von 57 Prozent der Unternehmen bewertet die Geschäftslage weiterhin als gut, nur sechs Prozent als schlecht.

Erwartungen: Auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen geben nach einer kurzen Aufwärtsbewegung im Frühjahr wieder nach. Der Saldo der Geschäftsaussichten verringert sich um sieben auf +11 Punkte. Vor allem in der Industrie und im Verkehrsgewerbe gehen die Auftragseingänge aktuell zurück, was die Erwartungen für die kommenden Monate spürbar dämpft. Besonders schlecht ist es um die Exportaussichten bestellt. Der entsprechende Saldo fällt gegenüber den bereits schwachen Frühjahrsaussichten nochmals um neun Punkte auf gerade noch +2 Punkte ab. Das sind die schlechtesten Exporterwartungen seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2009. Das nach wie vor hohe globale Konfliktpotenzial beeinträchtigt den Außenhandel nachhaltig. Zusätzlich verunsichern die strukturellen Produktionsanpassungen im Automobilbereich vor allem die Automobilzulieferer und -dienstleister.

Investitionen: Die konjunkturelle Eintrübung lässt die Unternehmen hinsichtlich ihrer Investitionsplanungen zurückhaltender agieren. So plant  jeder fünfte Betrieb mit steigenden Investitionsausgaben, im Frühjahr war es noch etwa jeder vierte. Der Investitionssaldo verringert sich um fünf auf +9 Punkte und liegt nunmehr zehn Punkte unter dem Vorjahreswert. Besonders im Industrie- und Verkehrsbereich geht die Investitionsneigung zurück.

Personal: Trotz schwächerer Geschäftsaussichten bleiben die Personalplanungen weiterhin expansiv. So planen 23 Prozent der Unternehmen mit einer steigenden und nur neun Prozent mit einer sinkenden Mitarbeiterzahl. Der Saldo von +14 Punkten ist gegenüber der vorherigen Umfrage zwar um fünf Punkte gesunken, zeugt aber weiterhin von insgesamt eher günstigen Beschäftigungsperspektiven in der gewerblichen Wirtschaft.

Risiken: In der aktuellen Risikobewertung wird nach wie vor der Fachkräftemangel am häufigsten genannt, knapp gefolgt von der Entwicklung der Arbeitskosten. Jeweils etwa die Hälfte der Unternehmen sieht in diesen Faktoren ein Risikopotenzial für die eigene geschäftliche Entwicklung. An dritter Position folgt mit deutlich mehr Nennungen als zuletzt die zurückgehende Inlandsnachfrage, die mittlerweile von 42 Prozent (Frühjahr: 35 Prozent) der Unternehmen als Risiko betrachtet wird. Auf den Rängen 4 bis 6 folgen unverändert die kostenrelevanten Faktoren Energie-, Kraftstoff- sowie Rohstoffpreise, wobei hier gegenüber dem Vorjahr vor allem die Entwicklung der Energiepreise von mehr Unternehmen als Risikofaktor gesehen wird.

Überblick zu den einzelnen Wirtschaftsbereichen

Die regionale Industrie zeigte sich noch bis Frühjahr 2019 vom globalen Konjunkturabschwung unbeeindruckt. Das ändert sich nun. Die Firmen beurteilen ihre Geschäftslage um neun Punkte schlechter als zuletzt. Die Geschäftserwartungen fallen sogar um 15 Punkte ab. Neben rückläufigen Auslandsgeschäften kommt auch die Inlandsnachfrage zunehmend ins Stocken. Erstmals seit 2012 könnte der Jahresumsatz im hiesigen Industriesektor im Vorjahresvergleich wieder zurückgehen.

Das Baugewerbe kann auch im Herbst 2019 auf die mit Abstand beste Lagebeurteilung aller Wirtschaftsbereiche verweisen. Fast drei Viertel der Betriebe melden eine gute Geschäftslage und nur ein Prozent ist unzufrieden. Die Geschäftserwartungen geben mit Blick auf das umsatzschwächere Winterhalbjahr vor allem saisonbedingt nach.

Das Dienstleistungsgewerbe erweist sich weiterhin als Stabilitätsanker gegen die konjunkturelle Abkühlung. 64 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Lage als gut. Zudem blicken die Dienstleister von allen Wirtschaftsbereichen am optimistischsten voraus, wenngleich auch die Dienstleister ihre Geschäftsaussichten etwas nach unten korrigieren.

Der Einzelhandel zeigt sich in seinen Bewertungen der Geschäftslage und Aussichten gegenüber der Frühjahrsumfrage deutlich verhaltener, und das trotz weiterhin günstigem Konsumklima und verbesserter Umsatz- und Ertragsentwicklung. Die Geschäftslage wird dennoch um zwölf Punkte schlechter bewertet als zuletzt und auch die Prognosen gehen um acht Punkte zurück.

Im Großhandel, der stark von der Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe und im Außenhandel abhängt, hat sich die Situation in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Die Bewertung der Geschäftslage sinkt im Vergleich zum Frühjahr um ganze 23 Punkte. Mit einer Verbesserung ist so schnell nicht zu rechnen: Die Geschäftsaussichten liegen mit -2 Punkten erstmals seit Frühjahr 2015 wieder im negativen Bereich.

Auch im Verkehrs- und Logistikgewerbe sind die Anzeichen der aktuellen Konjunkturschwäche nicht zu übersehen, aufgrund der sehr guten Ausgangslage halten sich die Auswirkungen aber noch in Grenzen. Die Geschäftslage wird mit +47 zwar um sieben Punkte schlechter bewertet als im Frühjahr, immer noch meldet aber über die Hälfte der Betriebe gute Geschäfte. Auch die Geschäftsaussichten fallen um zehn Punkte schlechter aus als zuletzt. Mit einem Saldo von +14 überwiegen aber optimistische Einschätzungen weiterhin gegenüber pessimistischen.

Die Situation im Gast- und Tourismusgewerbe hat sich gegenüber der Frühjahrsumfrage kaum verändert. Über 40 Prozent der Unternehmen melden eine gute und sieben Prozent eine schlechte Geschäftslage. Mit Blick auf das wichtige Adventsgeschäft bleiben die Unternehmen auch für das vierte Quartal 2019 verhalten optimistisch. Die Geschäftserwartungen legen um einen auf +5 Punkte zu und übertreffen damit das Vorjahresniveau von -8 Punkten deutlich.

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Leiter Kommunikation | Öffentlichkeitsarbeit

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