Konjunkturumfrage Herbst 2018: Sächsische Wirtschaft wächst langsamer

Presse

18.10.2018

Die sächsische Wirtschaft bewegt sich nach wie vor auf Expansionskurs, allerdings verringert sich das Wachstumstempo. Während die Unternehmen weiterhin robuste Einschätzungen zur Geschäftslage abgeben, flauen die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate etwas ab.

Das Vertrauen schwindet angesichts drohender Handelskonflikte sowie steigender Kosten- und Bürokratiebelastungen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich 1.810 Unternehmen mit mehr als 85.000 Beschäftigten beteiligten.

Der IHK-Geschäftsklimaindex, der die Einschätzungen zur aktuellen Lage und zu den Geschäftserwartungen gleichmäßig berücksichtigt, fällt nach der Bestmarke zum Jahresbeginn mit 138 Punkten weiter auf 133 Punkte (Frühjahr 2018: 136 Punkte).

Wie bei der vorherigen Umfrage im Frühjahr beurteilt mit 63 Prozent eine deutliche Mehrheit der Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut. Nur fünf Prozent der Befragten sind unzufrieden. Im Ergebnis verbleibt der Lagesaldo bei 58 Punkten. Die auf hohem Niveau stabilen Gesamteinschätzungen spiegeln sich auch im Vorjahresvergleich wider.

Die Branchen

Die sächsische Industrie hat nach dem Stimmungshoch zum Jahresbeginn 2018 ihren konjunkturellen Zenit überschritten. Sowohl die Zufriedenheit der sächsischen Industriebetriebe mit ihren laufenden Geschäften, als auch die Prognosen der Unternehmen für die kommenden Monate sind zum zweiten Mal in Folge rückläufig. Ursächlich dafür ist eine abnehmende Dynamik bei der Auftragsorder, insbesondere aus dem Ausland.

Die starke Nachfrage nach Bauleistungen hält weiter an. Dank steigender Umsätze in allen Baubereichen und hoher Auslastungen konstatieren viele Baufirmen bessere Erträge. Die Baubranche erzielt ein neues Lagehoch.

Das Dienstleistungsgewerbe zeichnet sich weiterhin durch gute Einschätzungen aus. Die Lagebeurteilungen bewegen sich weiter auf Rekordniveau. Sowohl die konsumorientierten als auch die unternehmensnahen Dienstleister profitieren nach wie vor von der starken Binnennachfrage.

Die Stimmung im sächsischen Einzelhandel kühlt sich ab. Trotz wachsender Einkommen und günstiger Konsumentenkredite machen vielen Händlern die demografische Entwicklung, die Onlinekonkurrenz und folglich eine geringere Kundenfrequenz zu schaffen. Dies trifft besonders auf den Handel außerhalb der wachsenden Großstädte zu.

Im sächsischen Großhandel flauen die Geschäfte ebenfalls ab. Sowohl die Einschätzungen zur Lage als auch die Erwartungen geben spürbar nach. Das Umsatzwachstum verlangsamt sich.

Die Verunsicherung im sächsischen Verkehrsgewerbe wächst. Obwohl sich die Einschätzungen zur Geschäftslage verbessern, fallen die Prognosen deutlich zurückhaltender aus. Angesichts steigender Kostenbelastungen wächst die Unsicherheit mit Blick auf die kommenden Monate. Insbesondere die ab 2019 geplante Mauterhöhung trübt die Stimmung.

Investition und Beschäftigung

Die Investitionsplanungen der Unternehmen sind im Zuge der hohen Auslastung weiterhin expansiv. Mit 26 Prozent wollen deutlich mehr Unternehmen ihre Investitionen erhöhen als verringern. In den meisten Unternehmen sind Ausgaben für notwendige Ersatzbeschaffungen vorgesehen. Dem folgen Investitionen für Kapazitätserweiterungen und Innovationen.

Die Personalplanungen fallen etwas verhaltener aus. Aufgrund der guten Geschäftslage und Auslastung benötigen viele Unternehmen aber weiterhin zusätzliches Personal. 22 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen und nur jedes zehnte verringern. Besonders die Industrie und die Dienstleister rechnen mit Personalzuwächsen. In vielen Firmen behindert jedoch der zunehmende Fachkräftemangel einen Zuwachs an Personal.

Risikoradar

Meistgenanntes Geschäftsrisiko ist mit aktuell 61 Prozent der Fachkräftemangel. Es folgen die Arbeitskosten mit 47 Prozent der Nennungen und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 33 Prozent. Unter Letzterem werden beispielsweise wachsende Bürokratie, zunehmende Kosten, die Zoll- und Handelskonflikte (USA, Iran, USA-China, Russland), der Brexit, steigende Energie- und Kraftstoffpreise, aber auch die Verzögerungen bei der Durchführung von Kfz-Abgastests (WLTP) genannt.

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