Magazin wirtschaft 06/2020 der IHK zu Leipzig

RÄUMLICHE UND ZEITLICHE FLEXIBILITÄT DURCH VIRTUELLES ARBEITEN New Work steht für flexible, anpas- sungsfähige Arbeits- und Organisati- onsformen als Antwort auf den stetigen Wandel und steigende Komplexität. Vor allem im Zusammenhang mit Homeoffice ist der Begriff in letzter Zeit geradezu Sinnbild für eine Arbeitsweise geworden, der sich zahlreiche Unter- nehmen aktuell stellen müssen. NewWork ist zugleich eine Haltung, die den Menschen mit seinem Bedürfnis nach Sinn, Weiterentwicklung und Wertschätzung in den Mittelpunkt stellt. Diese Kombination vereint die Erfordernisse der Unternehmen und die individuellen Bedürfnisse der Mitar- beiter bestmöglich. Das bedeutet für viele Führungskräfte ein grundlegendes Umden- ken: Managen der Mitarbeiter ist out, viel- mehr zählt es, Vielfalt und stärkenorientier- ten Mitarbeitereinsatz unter optimalen Rahmenbedingungen zu ermöglichen. New Work ist nicht neu, doch die vergan- genen Monate haben dessen Einzug in deutsche Unternehmen stark beschleu- nigt. Herkömmliche Managementprakti- ken haben sich als überholt und starr er- wiesen. Mit dem Wegfall stundenlanger und ergebnisloser Meetings sowie enger Kontrolle und langer Abstimmungswege blühen viele Mitarbeiter und Führungs- kräfte geradezu auf. Hinterfragen und Neubewerten von Arbeitskonzepten Die aktuellen Erfahrungen machen vorher undenkbare Arbeitskonzepte vorstellbar und erfordern deren Hinterfragen und eine Neubewertung. Muss auch in Zukunft jede Dienstreise angetreten oder jedes Meeting in Präsenz abgehalten werden? Ist das täg- liche Pendeln notwendig und nachhaltig? Die aktuelle Ausnahmesituation hat Bewe- gung in bestehende Strukturen gebracht und zeigt neue Kombinationsmöglichkei- ten von Arbeit und Privatleben auf. Sie öff- net den Blick für größere, strategische Fra- gen: Wie weit können Prozesse digitalisiert und effizienter gestaltet werden? Braucht es so viel Bürofläche, wenn Arbeiten konse- quent dezentral und papierlos erfolgen? Könnten gerade für Pendler „New Work Spaces“ im ländlichen Raum ein perfekter Mittelweg zwischen dem täglichen Weg zur Arbeit und der Alternative Homeoffice sein? Würde ein dezentraleres Arbeitskon- zept nicht den Radius an potenziellen Fach- kräften oder Kunden stark erweitern? New Work in der Praxis Die AviloX GmbH mit Sitz in Leipzig ist Dienstleister für moderne Arbeitswelten und beschäftigt 20 Mitarbeiter. Das Unter- nehmen betrachtet sich als Labor für New Work. Bewusst verzichten die Mitarbeiter auf feste Büros und arbeiten räumlich ver- teilt sowie mobil in ganz Deutschland. Das macht das Unternehmen unabhängig von der lokalen Arbeitsmarktsituation und bringt es nah an seine Kunden. Zudem wird zeitlich flexibel gearbeitet – entschei- dend ist nicht die Anwesenheit, sondern der Beitrag, den man für Kunden und im Team leistet. Ein großer Teil der Zusammenarbeit fin- det digital statt. Ohne den regelmäßigen persönlichen Austausch wäre das sehr gute Arbeitsklima im Team und mit den Kunden jedoch nicht denkbar. Dabei gibt es ein hohes Maß an Transparenz: Wissen und Erfahrungen werden ehrlich geteilt, wodurch innerhalb kürzester Zeit hoch- wertige Konzepte für die Kunden entwi- ckelt werden können. Das Unternehmen hat eine Organisation aufgebaut, die ohne Führungskräfte auskommt, in der aber dennoch viel Führung stattfindet: Fachli- che Führung übernimmt in Projekten oder zu Fachthemen die Person mit der jeweils größten Kompetenz. Prozessmo- deratoren managen die Abläufe. Die Rol- le des Coaches und disziplinarischen Vor- gesetzten haben Entwicklungsbegleiter inne. Im Unternehmen gibt es keine star- ren Stellenprofile, weshalb das Tagesge- schäft und das Vorantreiben von Innovati- onen sowie die eigene Organisations- entwicklung nicht im Konflikt zueinander stehen. Viele Unternehmen machen sich auf den Weg in diese neue Arbeitswelt – darunter auch die Leipziger ONTRAS Gastrans- New Work als Chance für Unternehmen – nicht nur in Krisenzeiten Regina Köhler (l.) und Daniela Krug-Gottwald von der AviloX GmbH: „Wir haben eine Organisation aufgebaut, die ohne Führungskräfte auskommt, in der aber viel Führung stattfindet – verteilt auf Rollen.“ · 30 · wirtschaft Juni 2020 · Service ·

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