Magazin wirtschaft 06/2020 der IHK zu Leipzig

ENZYME VOM MAßSCHNEIDER Am Anfang war es nur ein patentiertes Screening-Verfahren für die Enzymherstellung, was die beiden c-LEcta-Gründer po- tenziellen Geldgebern für die Anschubfinanzierung als Start-up vorweisen konnten. Heute agiert das Unternehmen von der Leipziger BioCity aus in vielen Ländern rund um den Globus. Blickt Geschäftsführer Marc Struhalla auf die Gründung der c-LEcta GmbH im Jahr 2004 zurück, sieht er eine „Zeit der Begeis- terung und Visionen“, aber auch einer „un- glaublichen Naivität“, wie der promovierte Biochemiker heute einräumt. „Wir hatten eine vielversprechende Technologie, waren vor allem in der Forschung gut vernetzt. Aber von den Anforderungen des Marktes, von Marketing und den notwendigen Kapi- talthemen wussten wir zunächst wenig“, gibt der heute 45-Jährige zu. Das Startkapital kam bald zusammen und preisgünstige Räume in der BioCity mit Nähe zur Universität und dort arbeitenden anderen kleinen Biotech-Firmen wurden angemietet. So begann das Team von sei- nerzeit fünf Mitarbeitern eine bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte. Mittlerwei- le sind mehr als 80 Mitarbeiter an Bord; bis Jahresende sollen es gut 100 sein. Zwei Etagen im neuen BioCube gleich ne- ben der BioCity hat das der Start-up-Grö- ße längst entwachsene Unternehmen be- zogen – und gelangt dennoch räumlich schon wieder an seine Grenzen. Im Vorjahr explodierten die Geschäfte förmlich, der Umsatz erreichte rund zehn Millionen Euro und verdoppelte sich damit gegenüber 2018. Eingriff in Viren-DNA möglich Enzyme – natürliche Biokatalysatoren auf Basis großmolekularer Proteine – gibt es praktisch überall in der Natur. Sie lassen Käse reifen oder entfernen Blutflecken aus weißer Wäsche. Sie steuern und beschleu- nigen chemische Reaktionen. Ohne sie wäre unser Leben praktisch nicht möglich – etwa, weil ohne das Enzym Pepsin unser Magen kein Eiweiß verdauen könnte. In der Biotechnologie wird seit Jahrzehnten ver- sucht, die Wirkung natürlicher Enzyme ge- zielt zu verändern. Denn die natürliche Viel- falt der Enzyme lässt sich nicht nur nutzen, sondern wie beim Maßschneider so verän- dern, dass der Mensch sie für die Herstel- lung von Nahrungsmitteln oder für Phar- mazeutika – um nur zwei wichtige Beispiele zu nennen – optimal einsetzen kann. Auch Eingriffe in die DNA, etwa die von Viren, sind mittels Enzymen möglich. Sie wirken wie spezialisierte Scheren, mit de- nen sich einzelne Segmente aus den Erb- gut-Sequenzen herausschneiden lassen. Damit können gesundheitlich unbedenkli- che virale Vektoren – eine Art Genfähre – konstruiert werden, die als Impfstoffe ge- gen gefährliche Krankheitserreger ein- gesetzt werden. Im Fall des aktuell für die Pandemie verantwortlichen Typs des Co- rona-Virus arbeiten weltweit Forscher- teams an Universitäten und in Pharmaun- ternehmen mit dieser Technik. „Wir liefern dafür inzwischen das Enzym DENARASE, mit dessen Hilfe unerwünschte DNA-Teile während des Herstellungsprozesses von Impfstoffen abgetrennt werden können. Wir sind allerdings in diesem riesigen weltweiten Forschungscluster nur ein klei- nes Rad“, berichtet Struhalla. Schritt zum erfolgreichen Markenhersteller Schon bald nach der Unternehmensgrün- dung war klar, dass c-LEcta seine Zukunft nicht nur als kleiner Dienstleister sehen würde. Deshalb wurde, auch mit frischem Geld von institutionellen Investoren, das Leistungsspektrum deutlich erweitert. Ne- ben dem Verfahrensprozess wurden auch erste eigene Produkte, einsatzfähige Enzy- me, entwickelt und vermarktet. Die Abneh- mer dafür sind Unternehmen in aller Welt; neben Deutschland vor allem in den USA und Südostasien, Indien oder China. Wo- bei die Leipziger in ihren Laboren und einer Biotech-Firma c-LEcta: Früher Start-up, heute Hidden Champion Dr. Marc Struhalla, Gründer und Geschäftsführer der c-LEcta GmbH. · 26 · wirtschaft Juni 2020 · Mitglieder ·

RkJQdWJsaXNoZXIy ODM4MTk=