Magazin wirtschaft 07/08/2018 der IHK zu Leipzig

Werbungskosten/Betriebsausgaben STEUERRECHT AKTUELL Anschaffungsnahe Herstellungs- kosten weiter im Fokus Im Bereich der sofort absetzbaren Wer- bungskosten beziehungsweise Betriebs- ausgaben innerhalb der ersten drei Jahre nach Anschaffung gibt es seit kurzem eine neue Rechtsprechung. Dabei geht es um mutwillig nach der Anschaffung verur- sachte Schäden am Objekt, die nach Auf- fassung des entscheidenden Senates vom Bundesfinanzhof nicht anschaffungsnahe Herstellungskosten darstellen sollen und deshalb sofort abzugsfähige Betriebsaus- gaben sind. Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) vom 13. März 2018 IX R 41/17 ge- hören versteckte Mängel am Objekt dann zu den anschaffungsnahen Herstellungs- kosten, wenn sie innerhalb der ersten drei Jahre nach dem Erwerb entstanden sind und mit allen anderen anschaffungsnahen Aufwendungen die 15-Prozent-Grenze überschreiten. Die Kosten werden dann aktiviert und können nur im Wege der Ab- schreibung abgesetzt werden. Hier gilt es zu beachten, dass diese Regelung auch bei den gewerblichen Einkünften anzu- wenden ist. Aufgrund der Vielzahl der in diesem Bereich ergehenden Urteile, ist zu folgern, dass dieses Thema weiterhin im Fokus steht. Empfehlenswert ist, Steuer- bescheide mit Einspruchsverfahren lang- fristig offen zu halten, um gegebenenfalls von einer späteren günstigeren Recht- sprechung zu profitieren. Verzinsung von Steuerverbindlich- keiten und Forderungen doch zu hoch? Nachdem der BFH in den letzten Jahren regelmäßig die Verzinsung von Steuer- nachzahlungen und Rückerstattungen mit 6 Prozent pro Jahr bestätigt hat, kommt offenbar Bewegung in die Rechtslage. Hierfür sind zwei Gründe zu nennen: Zum einem unterstützt die Bayerische Staatsre- gierung einen Entschließungsantrag für die Absenkung des Zinssatzes von 6 auf 3 Prozent pro Jahr (BR-Drucks. 324/18). Zum anderen hat der BFH bei summari- scher Prüfung der Höhe von Nachzah- lungszinsen ab dem Veranlagungszeit- raum 2015 schwerwiegende verfassungs- rechtliche Zweifel (BFH, Beschluss vom 25. April 2018 IX B 21/18). Das BMF lässt mit Schreiben vom 14. Juni 2018 für Ver- zinsungszeiträume ab dem 1. April 2015 die Aussetzung der Vollziehung zu. Erhalten Sie Steuerbescheide welche Nachzahlungszinsen enthalten, können Sie unabhängig von den anderen Besteu- erungsgrundlagen im Bescheid gegen die Zinsfestsetzung Einspruch einlegen oder Sie konsultieren Ihren steuerlichen Bera- ter. Bei Steuerbescheiden mit Guthaben- zinsen sollten Sie einen Vorbehalt der Nachprüfung entfernt bekommen, damit diese Bescheide nicht mehr änderbar sind. Unbare Geschäftsvorfälle dürfen nicht über die Kasse gebucht werden Im letzten IHK-Magazin (Ausgabe 6/2018, Seite 36) wurde die Ansicht des Bundes- ministeriums der Finanzen (BMF) be- schrieben, nach der EC- und Kreditkarten- zahlungen nicht im Kassenbuch erfasst werden dürfen. Dies gilt sowohl im Be- reich der elektronischen Kasse (hier ist eine Trennung in bar und unbar zu vollzie- hen) als auch in der Buchführung. Ver- schiedene Verbände nahmen gegenüber dem BMF dazu Stellung, mit der Bitte, diese Ansicht nicht so eng auszulegen und anzuwenden, wie sie formuliert ist. Inzwischen hat das BMF dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag am 29. Juni 2018 mitgeteilt, dass es an seiner Auffassung festhalten wird. Werden unba- re Vorfälle über die Kasse gebucht, so be- inhaltet die Buchführung vor diesem Hin- tergrund der Anforderungen durch das BMF formelle Mängel. Die steuerliche Würdigung ist vom Einzelfall abhängig. Werden die fehlerhaft erfassten unbaren Umsätze im Kassenbuch über ein speziel- les Konto ein- und wieder ausgebucht, so soll die Kassensturzfähigkeit weiterhin ge- geben sein. Diese denkbare Möglichkeit sollte jedoch nicht als Lösungsansatz zur Heilung eines Buchungsmangels genommen werden. Ratsam ist, nach der erneuten Stellung- nahme des BMF, sämtliche unbaren Vor- gänge aus dem Kassenbuch herauszulas- sen. Auf dem Tagesbon sind bare und unbare Vorgänge getrennt auszuweisen, damit sie im Kassenbuch korrekt erfasst und später sachgerecht gebucht werden können. Prof. Dr. rer. pol. Johannes Ditges Wirtschaftsprüfer/Steuerberater, Partner der ADW Prof. Dr. Ditges & Partner GmbH, Leipzig Dipl. Kfm. (FH) Roland Zosel, Steuerberater, Partner der ADW Prof. Dr. Ditges & Partner GmbH, Leipzig www.adw-leipzig.de · 26 · wirtschaft Juli/August 2018 · Service ·

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