Magazin wirtschaft 07/08/2018 der IHK zu Leipzig

STARTHILFE FÜR START-UPS NACH CHINA Ab Mitte September können sechs ausgewählte Start-up-Unternehmen aus Deutsch- land für gut vier Wochen in Shanghai praktische Erfahrungen direkt im chinesischen Markt sammeln. Möglich wurde das Programm, zu dem die Flugtickets, ein Taschen- geld und Arbeitsplätze in einem chinesischen Co-Working-Space gehören, durch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bereitgestellte Fördermittel. DC-Hub an der Uni Leipzig hilft jungen Unternehmen beim Markteintritt im Reich der Mitte Koordiniert werden die Aktivitäten durch das im Oktober vergangenen Jahres an der Universität Leipzig gegründete Projekt DC-Hub. Nach dem deutsch- chinesischen Gipfeltreffen vom Sommer letzten Jahres und einem entsprechen- den Maßnahmenplan lag es nahe, ein speziell auf den chinesischen Markt aus- gerichtetes Förderzentrum zu gründen, um China-Kompetenz in Deutschland zu entwickeln. „Wir können hier die interes- sierten Unternehmen und die in Leipzig vorhandene Fachkompetenz zusammen- bringen“, berichtet Projektleiter Profes- sor Dr. Utz Dornberger. Seither ist an der Uni ein vierköpfiges Team – einschließlich eines chinesischen Kollegen – damit be- schäftigt, ein mehrstufiges Programm auf den Weg zu bringen, was Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen beim Markteinstieg in China begleitet. Vorbe- reitend dazu werden für die grundsätz- licheren Themen Workshops organisiert und Netzwerke aus Experten und Inter- essierten etabliert. Neben Spezialisten der Universität, etwa vom hier angesie- delten SEPT-Programm und Mitarbeitern des Konfuzius-Institutes, sind das auch Unternehmer wie Martin Gothe, der selbst schon mehrere Start-ups gegrün- det hat und früher auch in der Deutschen Auslandshandelskammer in Shanghai tä- tig war. Er schwärmt von den Möglichkei- ten im fernen China, die aber gerade von kleinen, jungen Unternehmen nur selten wahrgenommen werden. Vorbereitung umfasst alle Facetten Die Zurückhaltung könne auch daran liegen, dass solche Unternehmensgründungen oft die klassischen Wege der deutschen Wirt- schaftsförderung oder Banken meiden. „Die haben einfach eine andere Unternehmens- kultur, da geht vieles über Netzwerke und die Co-Working-Spaces“, sagt Steve Uhlig, Projektleiter bei DC-Hub. Doch während in China, und hier besonders im Gründerzent- rum von Shanghai, sich auch globale Struk- turen herausgebildet haben, sind die deut- schen Zentren zumindest abseits von Berlin noch nicht von einer solchen Größe, dass sie auch globale Unterstützung geben können. „Hier setzen wir an und bieten die erforder- liche Unterstützung“, so Uhlig. Diese reicht von einer individuellen Beratung und der Vermittlung von Ansprechpartnern vor Ort bis hin zu Seminaren zu rechtlichen, öko- nomischen und formellen Gegebenheiten, die vor einem Eintritt in den chinesischen Markt zu beachten sind. „Man muss nicht unbedingt fließend Mandarin sprechen, im Business-Bereich ist durchaus Englisch die Standardsprache“, berichtet Uhlig. Doch sei in jedem Fall anzuraten, sich in China einen Partner zu suchen, der die im Behördenbe- reich vorhandene Barriere von Sprache und Kultur leichter überwindbar macht. Spannend: Nutzen alle ihr Rückflugticket? Von den insgesamt sechs Start-ups, die jetzt von einer internationalen Jury für das Programm in China ausgewählt worden sind, stammen immerhin drei aus Sach- sen, eines davon aus Leipzig. Das größte zählt immerhin rund 25 Mitarbeiter. Die Branchen reichen von Medizintechnik über Industrie-Digitalisierung bis hin zu Anwendungen der Künstlichen Intelli- genz. Ob im Oktober alle ihr Rückflugti- cket nutzen, dürfte eine spannende Frage sein. „Vielleicht ist ja das Ergebnis in dem Coworking-Space in Shanghai so durch- schlagend, dass jemand gleich länger dort bleibt“, meint der Professor. Manfred Schulze · 16 · wirtschaft Juli/August 2018 · Titelthema ·

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