Magazin wirtschaft 10/2017 der IHK zu Leipzig

„KREATIVITÄT HAT IHREN PREIS“ Der Verein Kreatives Leipzig e.V., 2010 von Selbstständigen und Klein- unternehmen der Leipziger Kreativ- wirtschaft gegründet, will die Vielzahl von Akteuren der Branche vernetzen, Sprachrohr sein und den Kreativ- standort Leipzig stärken. Wie das gelingt und welche Herausforderungen sich dabei stellen, darüber sprachen wir mit Vorstand Maria Köhler. Die Kultur- und Kreativwirtschaft be- steht aus vielen unterschiedlichen Sub- branchen – gibt es so etwas wie einen „kleinsten gemeinsamen Nenner“? Maria Köhler: Genau genommen besteht die Branche aus elf Teilmärkten: Software/ Games-Industrie, Design, Literatur, Film, Musik, Presse, Darstellendes Spiel, Rund- funk, Kunst, Architektur, Werbung. In Sachsen wird mit dem Kunsthandwerk sogar ein zwölfter Teilmarkt geführt. Was sie alle verbindet, ist der „schöpferische Akt“ und die überwiegend erwerbswirt- schaftliche Orientierung. Die Wirtschafts- ministerkonferenz hat die Branche 2009 wie folgt definiert: Kultur- und Kreativun- ternehmen beschäftigen sich mit der Schaffung, Produktion und Verteilung von kulturellen oder kreativen Gütern und Dienstleistungen. Der Kreatives Leipzig e.V. wurde 2010 ins Leben gerufen: Mit welchem Ziel? Maria Köhler: Ein grundlegendes Prob- lem, an dem wir seit Gründung des Ver- eins arbeiten, ist die Steigerung der Sicht- barkeit der Branche. Und wir haben hier schon einiges erreicht. Seit ein paar Jahren gibt es das Cluster Kreativwirt- schaft in Leipzig, seit 2016 einen Aus- schuss für Kreativwirtschaft in der IHK, in dem der Verein mitwirkt. Zudem haben wir einen Jour fixe mit wichtigen Akteuren der Branche initiiert, dabei sind beispiels- weise das Amt für Wirtschaftsförderung, das Kulturamt, die IHK und die Hand- werkskammer. Es geht darum, gemein- sam an den lokalen Herausforderungen zu arbeiten und die Kräfte zu bündeln. Welche Herausforderungen treiben die Kultur- und Kreativwirtschaft in Leipzig und Region besonders um? Maria Köhler: Das kann man im Prinzip auf drei große Herausforderungen herunter- brechen: Erstens, der Mangel an bezahlba- ren Räumen für Kultur- und Kreativschaf- fende im Stadtgebiet Leipzig. Zweitens, das fehlende Wissen beziehungsweise mangelnde Wertschätzung für die Leistun- gen, die durch Kultur- und Kreativunter- nehmen erbracht werden. Damit verbun- den sind zum Teil noch immer abwegige Preisvorstellungen seitens potenzieller Auf- traggeber, sowohl auf kommunaler Ebene, als auch in der Privatwirtschaft. Und drit- tens eine hohe Dichte an Akteuren inner- halb der Branche mit zu geringer individu- eller Profilbildung – das ist im Prinzip die Kehrseite dessen, dass Leipzig bei Kreati- ven so beliebt ist. Die ansässigen Hoch- schulen bilden zahlreiche Kultur- und Krea- tivschaffende aus, der erwerbswirtschaft- liche Aspekt aber bleibt dabei oft auf der Strecke. Apropos: Wie gut vertragen sich ei- gentlich Kreativität und wirtschaftliches Kalkül? Maria Köhler: Die Frage, wie sich das Kalkül, sprich die Berechnung von Kreati- vität und dessen Endprodukt mit der Zah- lungsbereitschaft potenzieller Auftrag- Maria Köhler vom Kreatives Leipzig e.V. im Interview Maria Köhler vom Kreatives Leipzig e.V. Paula – Lehrerin · 8 · wirtschaft Oktober 2017 · Titelthema ·

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