Magazin wirtschaft 9/2017 der IHK zu Leipzig

Ihr Unternehmen besitzt keine klassi- schen Büros. Wie arbeitet AviloX? Regina Köhler: Im Rahmen unserer Pro- jekte sind wir enorm viel unterwegs und deshalb auf vernetzte und digital unter- stützte Arbeitsweisen angewiesen. Man könnte sagen, unser Büro ist online in ver- schiedenen digitalen Plattformen, deren Anwendung wir bewusst in unserer eige- nen täglichen Arbeit auf Herz und Nieren prüfen. Es ist quasi Teil unseres Auftrags, die Hürden und Potenziale der digitalen Arbeitswelt genau zu kennen und zu hinter- fragen. Unser virtuelles Büro beinhaltet, dass alle Mitarbeiter ihre Dokumente in intern freizugänglichen Arbeitsräumen ab- legen und vom Erfahrungsaustausch profi- tieren. E-Mails sind bei uns dagegen eher eine Seltenheit. Transparentes und offenes Arbeiten funktioniert am besten in News- feeds und Chats. Das bedeutet aber nicht, dass das persönliche Gespräch unwichtig wird, im Gegenteil. Wir haben eine ganz neue Werthaltung gegenüber der gemein- samen Zeit in Meetings, aus denen wir dann auch wirklich alles rausholen wollen. Wird ein Geschäftsraum benötigt, kom- men wir im Basislager CoWorking Leipzig zusammen. „Digitalisierung ist mehr als IT“ steht auf der Homepage Ihres Unternehmens. Was gehört noch dazu? Regina Köhler: Das Verankern der Tech- nologien im Unternehmen ist ein ganz we- sentlicher Punkt. Das beinhaltet die Ge- staltung des kulturellen Wandels, die Be- gleitung des Veränderungsprozesses hin zu neuen Arbeitsweisen sowie die Kom- petenzentwicklung der Führungskräfte und Mitarbeiter. Eine Projektleiterin mein- te dazu neulich: „Man darf sich nicht hin- ter der IT verstecken, wenn man das Un- ternehmen mit den neuen Tools wirklich bewegen will.“ Wie kann das erreicht werden? Regina Köhler: Unsere Arbeit mit dem Kunden beginnt immer mit der Frage, was erreicht werden soll. Das Wie, sprich die Technologie, kommt erst danach. Das stellt schon mal sicher, dass sich diese am Ende auch als nutzbringend erweist. Später gilt es mit ihnen Strukturen, Arbeitsweisen und Miteinander zu analysieren und mit Hilfe der neuen Technologie zu optimieren. Können Sie das bitte verbildlichen? Regina Köhler: Nehmen wir als Beispiel die Abteilungen eines Unternehmens. Mit dem Einstieg ins Digitale dürfen sich die- se nicht eins zu eins online übertragen – sonst bleibt ja alles beim Alten. Offenere Strukturen sind nötig, um den Wissensaus- tausch zu ermöglichen und eben auch agile, transparente Arbeitsweisen. Ein zweites Beispiel: Wurden in einem Unternehmen bislang nur fertiggestellte Aufgaben prä- sentiert, gilt es nun, schon die allerersten Entwürfe intern abrufbar zu machen. Das ist enorm zeitsparend, aber oft eben auch sehr ungewohnt, schließlich ist die Aufga- be noch nicht fertig. Welcher Mehrwert bietet sich dadurch? Regina Köhler: Diese Transparenz macht extrem effizient und fördert gleichzeitig die Kreativität, weil sich jeder einbringen kann. Als Führungskraft ist man in Arbeits- prozessen von Anfang an dabei, so kann es nicht passieren, dass ein Mitarbeiter eine fertiggestellte Aufgabe von Neuem beginnen muss, weil das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Sind Mitarbeiter dadurch nicht gläsern und scheuen sich dadurch vor der virtuellen Arbeitswelt? Regina Köhler: Vernetztes Arbeiten ist unweigerlich mit Transparenz verbunden. Die eigentliche Frage ist aber aus meiner Sicht: Welchen Beitrag leisten das Unter- nehmen und die daran verankerte Kultur, dass Transparenz zum Schaden wird? Ge- nerell gilt auch aus unserer Sicht: Transpa- renz erleichtert vieles, sollte jedoch nicht Virtuelle Arbeitswelten können klassische Büros ablösen DIGITALISIERUNG IST MEHR ALS IT Regina Köhler, Geschäftsführerin der AviloX GmbH Die AviloX GmbH unterstützt Unterneh- men beim Schritt in die moderne vernetz- te Arbeitswelt. Um authentisch zu sein und von Erfahrungen aus erster Hand zu profitieren, lebt der Beratungsdienst- leister dieses Modell selbst. · 6 · wirtschaft September 2017 · Titelthema ·

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