Außenwirtschaftsnachrichten 01-02/2019

25 Außenwirtschaftsnachrichten 01-02/2019 Außenwirtschaftspraxis Seit dem 25. März 2013 haben die Europäische Union (EU) und Japan über ein umfassendes Freihandels- abkommen (FHA) und ein politisches Rahmenabkommen (Strategic Part- nership Agreement, SPA) verhan- delt. JEFTA (Japan – EU Free Trade Agreement) soll in den Unterzeich- nerstaaten Zölle und andere Han- delshemmnisse abbauen, das Wirt- schaftswachstum beschleunigen und neue Arbeitsplätze generieren. Am 12. Dezember wurde der Vertrag vom Europaparlament gebilligt. Das japani- sche Parlament hatte bereits zuvor für den Pakt votiert. Am 1. Februar 2019 trat das Abkommen in Kraft. Die Europäische Kommission geht da- von aus, dass durch die schrittweise Abschaffung der Zölle EU-Unterneh- men jährlich Kosten in Höhe von bis zu 1 Mrd. Euro einsparen können. Außer- dem erwartet sie einen Anstieg der Ex- porte von verarbeiteten Nahrungsmit- teln nach Japan um 180 Prozent, was etwa 10 Mrd. Euro pro Jahr entspricht. Konkret sieht das Freihandelsabkom- men zum Beispiel vor, dass europäi- sche Nahrungsmittelproduzenten künf- tig verarbeitetes Schweinefleisch, aber auch bestimmte Käsesorten und Wein zollfrei nach Japan einführen führen können. Japan profitiert im Gegenzug unter an- derem von Zollsenkungen für Indus- triegüter – insbesondere Autos. Für ja- panische Personenfahrzeuge liegt der Zolltarif in der EU derzeit bei zehn Pro- zent, bei Nutzfahrzeugen gibt es Zölle zwischen zehn und 22 Prozent. Nach einer Übergangsfrist von sieben Jahren werden diese Abgaben auf Null redu- ziert. Allerdings sollen auch die Import- schranken für europäische Autoherstel- ler in Japan fallen. Der Abbau sogenannter nicht-tarifä- rer Handelsschranken, unterschiedli- cher Normen und Vorschriften, speziell im Kraftfahrzeug- und Lebensmittel- sektor, sowie ein besserer Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen in Ja- pan sollen außerdem Exporte in bei- de Richtungen vereinfachen. Darüber hinaus enthält das Abkommen Ver- pflichtungen zu Sozial- und Umwelt- standards. Insgesamt wird eine Steigerung der EU- Ausfuhren um 33 Prozent und der japa- nischen Ausfuhren um 23 Prozent prog- nostiziert. Des Weiteren könnten bis zu 420.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der EU geschaffen werden, so die optimisti- schen Aussagen in Brüssel. Starke Wirtschaftsbeziehungen Die EU und Japan erwirtschaften ge- meinsam rund ein Drittel des weltwei- ten Bruttoinlandprodukts (BIP). Japan ist mit seinen 127 Mio. Einwohnern nach den USA und China die drittgrößte Volks- wirtschaft der Welt und damit ein sehr interessanter Absatzmarkt für europäi- sche Unternehmen. Japan ist der zweit- wichtigste Absatzmarkt für die EU in Asi- en. Rund 74.000 EU-Firmen exportieren Waren im Wert von über einer Mrd. Euro nach Japan. Rund 600.000 Jobs hän- gen von diesem Handel ab. Circa zehn Prozent der japanischen Ausfuhren ge- hen in die EU. Japan und Deutschland unterhalten seit über 150 Jahren diplomatische Be- ziehungen. Die Wirtschaftsbeziehungen zeichnen sich durch eine hohe Stabili- tät aus. Beide Länder sind stark export- orientiert. 2015 lag das Handelsvolu- men knapp über 37 Mrd. Euro. Japan ist nach China Deutschlands wichtigs- ter Handelspartner in Asien und ein kaufkräftiger Markt mit 127 Mio. Kon- sumenten. Andersherum ist Deutsch- land für Japan der wichtigste europä- ische Handelspartner. Während Japan für knapp 17 Mrd. Euro Produkte aus Deutschland einführte, kamen für mehr als 22 Mrd. Euro japanische Produkte auf den deutschen Markt. Deutschland exportiert vor allem Pro- dukte der Maschinenbau-, pharma- zeutischen und chemischen Industrie, der Medizintechnik und Agrarindustrie. Speziell in technologisch anspruchsvol- len und Nischenmärkten könnten deut- sche Anbieter vom JEFTA profitieren. Vor allem im Bereich Industrie 4.0 ist Deutschland hoch angesehen. Ein po- sitiver Impuls wird auch von den Olym- pischen Sommerspielen in Japan 2020 erwartet. Japan ist eine rohstoffarme Nation, die Öl, Erze, Gas und Holz in großen Men- gen aus dem Ausland importieren muss. Seit der Atomkatastrophe von Fuku- shima, nach der viele Kernreaktoren abgeschaltet wurden, sind die Impor- te im Energiesektor weiter gestiegen. Zugleich baut Japan seine Energiever- sorgung aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solarkraft aus. Bei Lebensmitteln ist das Bild uneinheit- lich. Japan kann zwar den Bedarf an Reis fast komplett mit eigener Produk- tion decken, bei Fleisch und Milchpro- dukten ist es aber auf Importe angewie- sen. Bisher erhebt Japan hohe Zölle auf Agrar- und Lebensmittelimporte. Deut- sche Anbieter rechnen sich daher gute Absatzchancen vor allem für Milchpro- dukte aus. Türöffner IT Die Komplexität der japanischen Ein- fuhr- und Marktanforderungen über- fordert viele KMU. Internationale Soft- warehäuser bieten jedoch ausgefeilte Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Feststellung der Dokumenten- pflichten und Sonderanforderungen, der Generierung der notwendigen Ex- port- und Importdokumente und beim JEFTA – Europas größtes Freihandelsprojekt

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