Außenwirtschaftsnachrichten

8 Außenwirtschaftsnachrichten 2 | April / Mai 2026 Weltweit erfolgreich Fachkräfte aus dem Nildelta – Wie Sachsen seine Zukunft auch in Ägypten sucht Der Fachkräftemangel zwingt deutsche Regionen zu neuen Wegen und Sachsen blickt dabei zunehmend nach Nordafrika. In den vergangenen Jahren hat der Freistaat ein wachsendes Netz aus Bildungs-, Ausbildungs- und Hochschulkooperationen mit Ägypten aufgebaut. Ziel ist es, qualifizierte Arbeitskräfte für die sächsische Wirtschaft zu gewinnen und gleichzeitig wissenschaftliche Zusammenarbeit und Ausbildungsstrukturen nach deutschem Vorbild zu stärken. Eine Universität als Brücke Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist die Saxony Egypt University for Applied Science & Technology (SEU) in Kairo. Die Hochschule wurde 2025 eröffnet und orientiert sich stark am deutschen Modell der praxisnahen Hochschulausbildung. Angeboten werden Studiengänge unter anderem in Pflege, Gesundheitsvorsorge, Logistik, Cybersicherheit, Mechatronik und Sportmanagement. Die Programme sind eng an deutsche Curricula angelehnt und kombinieren theoretische Lehre mit praktischen Ausbildungsanteilen. Mehrere sächsische Hochschulen sind an der Kooperation beteiligt. Die TU Bergakademie Freiberg, die Westsächsische Hochschule Zwickau sowie die Hochschule Zittau/Görlitz arbeiten mit der neuen Universität zusammen – etwa beim Austausch von Studierenden und wissenschaftlichem Personal, bei gemeinsamen Forschungsprojekten oder beim Aufbau von Studienvorbereitungsangeboten. Auch studienbegleitende Deutschkurse sind Teil des Konzepts, um Absolventinnen und Absolventen den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Ausbildung nach deutschem Vorbild Doch nicht nur akademische Programme spielen eine Rolle. Auch in der dualen Berufsbildung entstehen direkte Brücken nach Sachsen. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit der IHK zu Leipzig mit der Hotelschule El Gouna am Roten Meer. Dort werden angehende Köche und Servicefachkräfte nach deutschen Ausbildungsstandards geschult. Neben der praktischen Ausbildung erhalten die Teilnehmer intensiven Deutschunterricht und legen eine Abschlussprüfung nach IHK-Standards ab. Absolventinnen und Absolventen können anschließend in Partnerbetrieben arbeiten, darunter auch Hotels und Gastronomiebetriebe in Sachsen. Solche Projekte zeigen, dass Fachkräftegewinnung zunehmend als integrierter Bildungsprozess gedacht wird. Ausbildung beginnt bereits im Herkunftsland, orientiert sich an deutschen Qualitätsstandards und bereitet gezielt auf den späteren Einsatz im deutschen Arbeitsmarkt vor. Flankiert werden diese Initiativen durch internationale Beratungsprogramme. Eine wichtige Rolle spielt etwa das Ägyptisch-Deutsche Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration (EGC) in Kairo. Die Einrichtung informiert über legale Wege der Arbeitsmigration nach Deutschland und unterstützt Interessierte bei Qualifizierung, Sprachkursen und Vorbereitung auf das Leben in Deutschland. Strategischer Partner im Süden Ägypten gilt daher inzwischen als strategisches Partnerland. Die Kombination aus junger Bevölkerung, wachsendem Bildungssektor und enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit Deutschland macht das Land für viele Bundesländer attraktiv. Für Sachsen ist die Kooperation deshalb mehr als ein einzelnes Rekrutierungsprojekt. Sie verbindet wirtschaftliche Interessen, Bildungspolitik und internationale Partnerschaften. Oder anders formuliert: Während im Freistaat Unternehmen händeringend Personal suchen, wächst am Nil eine Generation von Fachkräften heran, die zunehmend auch für den deutschen Arbeitsmarkt ausgebildet wird. Tobias Runte/IHK Dresden Innenstadt von Kairo

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