Außenwirtschaftsnachrichten

Devisenverfügbarkeit weiterhin eine Herausforderung Trotz der Aufhebung der Devisenbeschränkungen und der Freigabe des Wechselkurses ist die Devisenverfügbarkeit in Ägypten weiterhin eine Herausforderung für die Unternehmen in Ägypten. Devisenzahlungen werden mittlerweile innerhalb weniger Tage ausgeführt. Die ägyptischen Niederlassungen erhalten diese dann in EGP zum Tageskurs gutgeschrieben und können auch Euro-Rechnungen aus dem Mutterhaus begleichen – allerdings auch jeweils zum Tageskurs. Eine zwischenzeitliche Abwertung geht aber zu Lasten der Niederlassungen vor Ort – wenn mit den Mutterhäusern keine anderweitigen Vereinbarungen getroffen sind. Das Wechselkursrisiko betrifft auch Geschäfte mit ägyptischen Kunden, die in EGP abgerechnet werden. Oft liegen zwischen Vertragsabschluss, Lieferung und Zahlung Wochen oder gar Monate. Es gibt im Moment keine akzeptablen Angebote von Banken, das Wechselkursrisiko zu übernehmen. Wenn möglich versuchen die Unternehmen daher, in Euro oder USD zu fakturieren. Das ist gegenüber Unternehmen, die selbst Exporterlöse erzielen auch möglich und hat sich während der Phase der Devisenbeschränkungen etabliert. Im Moment kommt es aber auf das Verhandlungsgeschick des Vertriebs an, entsprechende Verträge abzuschließen. Erhebliche Hindernisse gibt es weiterhin bei der Errichtung von LCs. Hier sind die Banken offenbar weiterhin sehr zurückhaltend und es dauert oft Monate, entsprechende Geschäfte in die Wege zu leiten. Wenn möglich versuchen die Unternehmen die Geschäfte daher so zu strukturieren, dass sie ohne LCs auskommen. Marktnähe zahlt sich aus Obwohl die Maschinenexporte aus Deutschland nach Ägypten in 2024 um mehr als acht Prozent zurückgegangen sind, berichten die meisten Unternehmen von guten Geschäften. Auch eine Umfrage der AHK in Kairo unter den deutschen Unternehmen in Ägypten hat zuletzt ein überraschend positives Bild gezeichnet. Ausnahme sind Unternehmen, die vor allem in den Öl-, Gas- und Petrochemiesektor liefern. Für die anderen scheint sich die Präsenz im Markt und die Nähe zu den Kunden in Form von Aufträgen und gutem Servicegeschäft auszuzahlen. Getragen wird diese positive Entwicklung unter anderem dadurch, dass einige Unternehmen ihre Aktivitäten in Ägypten erst vor kurzem aufgenommen oder ihr lokales Angebot erweitert haben, z. B. reine Vertriebsniederlassungen wurden um Serviceangebote oder sogar Montage vor Ort ergänzt. Dadurch werden im Moment mit steigender Bekanntheit und wachsender, auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmter Angebotsvielfalt fortlaufend neue Kunden angesprochen. Chinesische Wettbewerber drängen immer stärker in den Markt Wie in anderen Märkten auch nehmen die Unternehmen zunehmend wahr, dass chinesische Anbieter in den Markt drängen. Zunehmend wird auch wahrgenommen, dass chinesische Unternehmen eigenes Personal ins Land bringen – nicht nur zur Projektumsetzung, sondern auch schon zum Aufbau des Marktes und Geschäftsanbahnung. Bemängelt wird hier, dass Deutschland keine mit China vergleichbaren Finanzierungsangebote hat. Außerdem kommen chinesische Anbieter mit Komplettangeboten, während deutsche Anbieter sich aus dem EPC-Geschäft zurückgezogen haben und die vielen Mittelständler versuchen, ihre Produkte einzeln im Markt und den Projekten zu positionieren. Hierzu wurde vorgeschlagen, Konsortien zu bilden. Im Preiswettbewerb haben deutsche Unternehmen ohnehin keine Chance. Es ist also wichtig, die Wettbewerbsvorteile der eigenen Produkte herauszuarbeiten und im Markt zu positionieren. Die Teilnehmer berichten, dass „Made in Germany“ immer noch ein sehr starkes Verkaufsargument ist. Ägypten als Türöffner für Afrika Die Ausführungen zum chinesische Wettbewerb gelten nicht nur für Ägypten, sondern letztlich für ganz Afrika. Einige Unternehmen sehen Ägypten als Zugangstor zum afrikanischen Markt. Sie sehen in Afrika ein großes Potenzial und einzelne haben in diversen Ländern Niederlassungen gegründet. Unter dem Motto „From Africa for Africa“ sehen einzelne in Ägypten auch einen potenziellen Standort für den Aufbau einer Montage. Zollabwicklung Die Zollabwicklung stellt für viele Unternehmen eine Herausforderung dar, wobei sich vor allem zwei Problemfelder herauskristallisieren: Die administrativen Prozesse werden derzeit modernisiert. Das hat zahlreiche Änderungen in den Abläufen zur Folge. Während einzelne Prozesse schon digitalisiert sind, fehlt es in anderen Bereichen an jeglicher Flexibilität und elektronisch erstellte Dokumente werden nicht anerkannt, sondern der Originalstempel auf dem Papier wird gefordert. Das zweite Problemfeld betrifft die Produktkontrollen und die notwendigen Zertifikate. Insbesondere für Flüssigkeiten und Chemikalien gibt es besondere Anforderungen. Bei der Lieferung von Maschinen- bzw. Ersatzteilen gibt es hohe Schäden, weil die Produkte vom Zoll wenig pfleglich behandelt werden. Zum Schutz aufwändig verpackte Produkte werden aus den Verpackungen herausgerissen und dann achtlos wieder in die Transportbehälter gepackt (oder geworfen), was zu erheblichen Schäden an den Produkten, entsprechenden Nachbestellungen, Lieferverzögerungen und Kosten führt. Jegliche Bemühungen, den Zoll zu einem pfleglicheren Umfang mit den Waren anzuhalten, sind bisher fehlgeschlagen. Alexander Koldau/Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)/Außenwirtschaft 7 Außenwirtschaftsnachrichten 2 | April / Mai 2026 Weltweit erfolgreich

RkJQdWJsaXNoZXIy ODM4MTk=