Außenwirtschaftsnachrichten

Ägypten bleibt herausfordernd – aber relevant für den deutschen Maschinenbau Im März 2024 wurde der Wechselkurs in Ägypten freigegeben. Die Hoffnung, dass danach die Exporte anziehen würden, wurde leider enttäuscht. Mitglieder des Verbandes Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) berichten nach einem Egypt Round Table bei der AHK in Kairo im vergangenen Jahr trotzdem von guten Geschäften im Land. Schwieriges wirtschaftliches Umfeld Mit der Aufhebung der Devisenbeschränkungen hat das Ägyptische Pfund (EGP) erheblich an Wert verloren – zumindest auf dem offiziellen Devisenmarkt, denn der Kurs hat sich dem vorherigen Schwarzmarktkurs angeglichen. Mit der Abwertung von 30 EGP auf 50 EGP pro US-Dollar (USD) im März 2024 ging ein deutlicher Inflationsschock in einer ohnehin durch hohe Preissteigerungen geprägten Wirtschaft einher. Mittlerweile sind die Inflationsraten aber deutlich gesunken und bewegen sich „nur noch“ im unteren zweistelligen Bereich. Für deutsche Unternehmen bedeutend ist allerdings eine weitere Abwertung des EGP von gut zehn Prozent gegenüber dem Euro in Folge der Trumpschen Zollpolitik, die zu einer Abwertung des USD führte. Durch die Angriffe der Huthis auf die Schifffahrt im Roten Meer sind auch die Einnahmen Ägyptens aus dem Suez-Kanal eingebrochen. Allein im Jahr 2024 entgingen dem Ägyptischen Staat dadurch Einnahmen von rund sechs Milliarden USD. Das ist zwar nur etwa ein Prozent der staatlichen Ausgaben, aber angesichts der Devisenknappheit ist das ein erheblicher Einschnitt. Aufgrund hohen Staatsdefizits und hoher Staatsverschuldung ist die Regierung von Zuwendungen aus dem Ausland abhängig, insbesondere vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Diese stellen aber Forderungen zur Öffnung der Wirtschaft und Senkung des Staatsanteils an der Wirtschaft sowie zur Haushaltskonsolidierung, so dass die Regierung diverse Investitionsprojekte zurückfahren musste, von denen viele Sektoren in den letzten Jahren profitiert haben. Projekte zur Entwicklung neuer Städte werden genauso zurückgefahren wie einzelne Infrastrukturprojekte. Auch die Investitionen im Bereich Öl, Gas und Petrochemie sind weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Verwerfungen im weltweiten Handel, die die Zollpolitik von US-Präsident Trump verursacht haben, wirken sich auch auf Ägypten aus. Einerseits gibt es die Hoffnung, als Fertigungsstandort zum Beispiel für chinesische Investoren in Frage zu kommen. Aus Sicht von Produzenten vor Ort ist das aber auch eine Befürchtung, denn die dann vor Ort gefertigten Produkte würden auch in den lokalen Markt drängen. Weil die Sprunghaftigkeit der US-Politik keine verlässliche Grundlage für Investitionsentscheidungen bildet, bleiben die Auswirkungen abzuwarten. Insgesamt gibt es ein erhebliches Misstrauen in die wirtschaftspolitischen Entwicklungen im Land, sowohl was die Unterstützung von Projekten und Branchen als auch was die Devisenversorgung betrifft. Neue wirtschaftspolitische Schwerpunkte Auch wenn die Regierung einige Investitionsprojekte und auch Subventionen für Bürger und Unternehmen auf Druck des IWF zurückschrauben muss, werden einige Projekte weiter vorangetrieben. Ein Schwerpunkt ist die Stärkung der Exportwirtschaft. Schon während der Devisenbewirtschaftung wurden Projekte bevorzugt, mit denen zukünftig Exporterlöse erzielt werden können. Parallel dazu soll auch die Abhängigkeit von Importen gesenkt werden. Im Fokus stehen dabei vor allem die Bereiche Lebensmittelversorgung, Medizintechnik und Pharma. Insgesamt bedeutet das, dass mehr oder weniger Produktionssektoren jedweder Art Förderung erfahren. Die Förderung ist allerdings nicht unbedingt finanzieller Art, sondern kann auch die Rahmendbedingungen für Investitionen oder die langfristige Absicherung von Devisen-Zahlungen (LCs) betreffen. Riesige Frachtschiffe mit Lotsenbooten navigieren durch den Suezkanal in Ägypten. 6 Außenwirtschaftsnachrichten 2 | April / Mai 2026 Weltweit erfolgreich

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