13 Außenwirtschaftsnachrichten 1 | Februar / März 2026 Weltweit erfolgreich Wege angewiesen sind. Mit Daten aus 2023 kommt die Studie auf folgende Anteile: 9,8 Prozent der deutschen Importe liefen durch den Suezkanal, 9,4 Prozent durch die Straße von Bab elMandeb, 8,7 Prozent durch Malakka und 7,1 Prozent durch die Taiwanstraße. Falls in einem der genannten Korridore eine geopolitische Spannung eskaliert, sind Produktionsverzögerungen, höhere Transportkosten und Unsicherheiten also vorprogrammiert. Dabei können auch Kettenreaktionen entstehen, die besonders Mittelständler als Zulieferer oder Exporteure herausfordern können. Resilienz neu denken: Europas Binnenmarkt als Schlüssel Unter diesen Umständen ist es mehr als verständlich, dass es in vielen Debatten um „mehr Resilienz“ geht. Weniger fokussiert wird dabei darauf, dass Resilienz nicht nur Diversifizierung in Drittstaaten bedeutet. Es ist naheliegend – und häufig unterschätzt – dass Resilienz auch hervorragend mit einem stärkeren, reibungsärmeren europäischen Binnenmarkt gestärkt werden kann. Mit 450 Millionen Menschen und etwa 26 Millionen Unternehmen mit einem BIP von ungefähr 18 Billionen Euro ist der EU-Binnenmarkt einer der größten Wirtschafts- und Absatzräume weltweit, bietet einen verlässlichen Rechtsrahmen, planbare Regulierungen und gute Skalierungsmöglichkeiten bei kurzen Transportwegen. Wie auch der Letta-Bericht zur Vollendung des Binnenmarkts betont, nutzt die EU diesen Hebel nicht konsequent, was zu der oben beschriebenen Investitionsstimmung in der EU beiträgt. Agenda „Europa stärken“ Nimmt man diese Punkte zusammen, entsteht eine klare Agenda für „Europa stärken“: ∙ Binnenmarkt vollenden, wo er bremst (Dienstleistungen, digitale Märkte, grenzüberschreitende Verfahren und Regulierung) ∙ Energiebinnenmarkt und Infrastruktur stärker integrieren, um Kosten und Volatilität zu senken ∙ Kapitalmarktunion voranbringen: Europa hat genug Ersparnisse, aber zu oft fehlen Skalierung und Finanzierung für Wachstum, was insbesondere die Finanzierung von Innovationen beeinträchtigt. ∙ Strategische Offenheit: Handelspartner diversifizieren, aber auf Basis europäischer Stärke Jun.-Prof. Kaan Celebi/ Technische Universität Chemnitz/Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Zum Sächsischen Außenwirtschaftstag am 16. April 2026 stellt Jun.-Prof. Kaan Celebi von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TU Chemnitz die Verschiebungen im Welthandel und mögliche Handlungskorridore vertieft vor. Kommen Sie an diesem Tag ins Gespräch darüber, was Unternehmen konkret brauchen, damit Europa wieder ein Standort ist, in den man mit Überzeugung investiert.
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