Persönliche Einblicke In unseren Fachausschüssen trifft gelebte Unternehmenspraxis auf strategische Perspektive – hier arbeiten ehrenamtlich Engagierte und Hauptamtliche besonders eng zusammen, um tragfähige Lösungen für die regionale Wirtschaft zu entwickeln. Drei Stimmen zeigen, wie unterschiedliche Blickwinkel, Erfahrungen und Kompetenzen dabei zusammenwirken. Hendrik Franke Ehrenamtlicher Fachausschussvorsitzender | ENERGIE- UND KLIMASCHUTZAUSSCHUSS Kühle Köpfe trotz heißer Diskussionen „In unserem Ausschuss treffen Perspektiven aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: von konventionellen Energieerzeugern über Unternehmen der Windkraft- und Photovoltaikbranche bis hin zu energieintensiven Betrieben wie Gießereien oder Papierfabriken. Hinzu kommen Energiedienstleister, Netzbetreiber und Fachleute aus Energierecht, Wirtschaftsprüfung und Wissenschaft. Diese Vielfalt ist gewollt – sie ist anstrengend, herausfordernd und unglaublich wertvoll zugleich. Natürlich geht es oft ans Eingemachte. Energiefragen betreffen jeden unmittelbar: Preise, Versorgungssicherheit, Transformation, politische Vorgaben. Für die meisten Unternehmen steht dabei wirtschaftlich enorm viel auf dem Spiel. Entsprechend hitzig können unsere Debatten werden, aber genau diese Reibung erzeugt Erkenntnis. Wir haben in den vergangenen Jahren ein Diskussionsniveau erreicht, auf dem wir auch nach langen Sitzungen respektvoll auseinandergehen, selbst wenn wir uns nicht annähern konnten. Vollständige Einigkeit ist in diesem Themenfeld tatsächlich selten. Trotzdem entstehen klare Stimmungsbilder, die wir beispielsweise in Positionspapieren abbilden – inklusive abweichender Einschätzungen, die genauso dazugehören. Gerade diese Transparenz macht die Ergebnisse belastbar. Für mich persönlich ist die Ausschussarbeit enorm bereichernd. Als Vertreter eines Netzbetreibers, der Städtische Werke Borna Netz GmbH, habe ich den Vorteil, relativ neutral agieren zu können – ein gutes Fundament, um zuzuhören, Spannungen auszuhalten und Meinungen zu akzeptieren, ohne jede teilen zu müssen. Und ich erlebe, wie wertvoll es ist, wenn Mitglieder nicht nur ihre eigenen Interessenlagen im Blick haben, sondern die der gesamten Unternehmenslandschaft des Kammerbezirks: von der Stadt bis tief in die Landkreise hinein.“ Peggy Wöhlermann Hauptamtliche Fachausschussbetreuerin | SACHVERSTÄNDIGENAUSSCHUSS Jedes Detail auf dem Prüfstand „Wer in unserem Fachausschuss arbeitet, taucht tief ein in die Welt der öffentlich bestellten Sachverständigen. Tausende Seiten an eingereichten Gutachten lesen wir jedes Jahr, um deren fachliche Qualität einschätzen können. Hinter jeder Akte steckt ein reales Szenario, ein Konflikt, oft auch eine existenzielle Frage. Diese Dimension verliert man nie aus dem Blick. Mit bis zu 200 betreuten Sachgebieten – von A wie Alpine Unfälle bis Z wie Zierpflanzenbau – ist die Bandbreite an Themen enorm. Den Schwerpunkt bilden Gutachten zur Immobilienbewertung, etwa in Erbangelegenheiten oder Scheidungsverfahren. Aber auch ungewöhnlichere Fälle, wie Gutachten zur Echtheit eines Orientteppichs oder zur Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes eines verunglückten Pferdes, prüfen wir in unseren Ausschusssitzungen. Diese Vielfalt verlangt Neugier, Präzision und die Fähigkeit, sich immer wieder neu hineinzudenken. Viele unserer Sachverständigen bringen jahrzehntelange Erfahrung mit, andere sind quer eingestiegen und haben ihre fachliche Leidenschaft erfolgreich professionalisiert. Was sie verbindet, ist ein hoher Anspruch: Wer von der IHK Leipzig öffentlich bestellt und vereidigt wird, trägt Verantwortung und genießt Vertrauen – insbesondere vor Gericht. Unsere Aufgabe ist es, dieses Qualitätsversprechen verlässlich abzusichern. Vielleicht liegt genau darin der Reiz unserer Arbeit: die Tiefe des Wissens, der Blick weit über einzelne Branchen hinaus und das Bewusstsein, dass Qualität hier nicht theoretisch ist, sondern sich in jedem eingereichten Gutachten zeigt.“ „Die Bandbreite an Themen ist enorm.“ „Reibung erzeugt Erkenntnis.“ 38 Seite
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