Wie entstehen diese Themen eigentlich? Wer bringt sie ein – und wie können Unternehmen mitgestalten? Dr. Fabian Magerl: Die Themen kommen aus unterschiedlichen Richtungen: aus den Fachausschüssen, aus der Vollversammlung, von hauptamtlich Mitarbeitenden, aus Gesprächen mit Unternehmen, aus gemeinsamen Projekten mit der Stadt, den Landkreisen, anderen Kammern oder der DIHK. Wichtig ist die Offenheit: Themen entstehen, verändern sich, verschwinden wieder – je nachdem, wie relevant sie zum jeweiligen Zeitpunkt für die regionale Wirtschaft sind. Und natürlich gilt, dass jede Unternehmerin, jeder Unternehmer sich mit Ideen einbringen kann. Über die Ausschussarbeit, über Netzwerkveranstaltungen wie unseren jährlichen Neujahrsempfang mit über 1.000 Gästen oder auch einfach im direkten Gespräch. In Fachausschüssen und Vollversammlung treffen Menschen aufeinander, deren Erfahrungen und Prioritäten kaum unterschiedlicher sein könnten. Wie lassen sich trotzdem gemeinsame Entscheidungen herbeiführen? Dr. Fabian Magerl: Indem man die Vielfalt nicht als Störung begreift, sondern als Stärke. Unterschiedliche Blickwinkel führen zu besseren Entscheidungen, weil sie blinde Flecken sichtbar machen. Wir sorgen dafür, dass Argumente klar auf dem Tisch liegen, bereiten Themen fachlich auf und stellen Pro und Kontra transparent gegenüber. Wichtig sind Wirkung, Fakten und das Gesamtinteresse der Wirtschaft. Nicht jede Entscheidung gelingt im Konsens – und das muss sie auch nicht. Dann entscheidet die Mehrheit. Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen ändern sich oft schneller als Gremien tagen können. Wie reagiert die IHK darauf? Dr. Fabian Magerl: Wir müssen schneller sein als der Sitzungskalender. Entwicklungen verändern sich teilweise innerhalb weniger Tage – und die Unternehmen erwarten Orientierung. Das bedeutet: Wir reagieren, soweit es geht, kurzfristig und beziehen Präsidium und Vollversammlung eng ein. Manchmal müssen wir Positionen unterwegs anpassen, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Transparenz ist dabei zentral – ebenso die klare Verankerung der wesentlichen Entscheidungen in den Gremien. Ich wünsche mir eine Vollversammlung, die diese Beweglichkeit weiterhin unterstützt – und gleichzeitig respektvoll mit früheren Entscheidungen umgeht, die unter ganz anderen Voraussetzungen getroffen wurden. Die IHK lebt vom Ehrenamt, gleichzeitig schrecken viele Unternehmerinnen und Unternehmer vor zusätzlichem Aufwand zurück. Wie sehen Sie das – und warum lohnt sich Engagement trotzdem? Dr. Fabian Magerl: Das Ehrenamt ist das, was unsere Arbeit trägt – ohne die Menschen, die sich dort einbringen, gäbe es keine glaubwürdige Interessenvertretung. Wer sich engagiert, gestaltet nicht für sich allein, sondern für die gesamte Region. Und ganz nebenbei entsteht durch die ehrenamtliche Tätigkeit ein Netzwerk, das im Alltag oft wertvoller ist, als man vorher denkt. Zugleich verstehe ich jeden, der sagt: „Ich habe dafür kaum Zeit.“ Die Realität vieler kleiner und mittlerer Unternehmen ist fordernd genug. Aber Engagement muss nicht heißen, jede Woche Stunden zu investieren. Es gibt viele Wege, mitzugestalten: durch die Arbeit in den Fachausschüssen, durch Impulse und Gespräche. Und auch durch die Wahl selbst. Deshalb wünsche ich mir, dass möglichst viele Unternehmen diese Chance nutzen. „Engagement entsteht immer aus Überzeugung. Genau das macht das Ehrenamt für die IHK so wertvoll.“ Zum Abschluss: Wenn Sie auf die neue Wahlperiode blicken – was stimmt Sie persönlich optimistisch? Dr. Fabian Magerl: Unsere Region hat eine Wirtschaft, die trotz aller Unsicherheiten nicht in den Rückspiegel schaut, sondern nach vorn. Hier gibt es Unternehmen, die anpacken, experimentieren, dazulernen. Und ich bin überzeugt, dass auch die neue Vollversammlung diese konstruktive Herangehensweise teilen wird – weil unsere Mitglieder genau dafür gewählt werden: die Wirtschaft der gesamten Region im Blick zu behalten. Wenn wir weiterhin offen diskutieren, unterschiedliche Perspektiven ernst nehmen und Entscheidungen mutig, aber auf guter fachlicher Grundlage treffen, dann wird diese Wahlperiode ein Gewinn. Für die Unternehmen – und für einen Standort, der seine Stärken kennt und nutzt. Vielen Dank für das Gespräch. 34 Seite INTERVIEW
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