WIRTSCHAFT Digital

Dr. Fabian Magerl Hauptgeschäftsführer IHK zu Leipzig es auch Herausforderungen. Ein mittelständischer Betrieb im ländlichen Raum hat andere Themen als ein Softwareunternehmen in der Stadt. Beides ist legitim. Die Kunst besteht darin, diese Sichtweisen zusammenzubringen – ohne jemanden zu verlieren. Was mich optimistisch macht: Die Leipziger Region hat eine Kultur des Anpackens. Viele gehen offen in Diskussionen, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Das hilft ungemein. Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit einer neu gewählten Vollversammlung und den Fachausschüssen besonders wichtig? Dr. Fabian Magerl: Eine ehrliche, offene Diskussion – und der Wille, Dinge gründlich zu durchdringen. Wir stehen nicht auf dem Level von Überschriften, sondern arbeiten uns in Themen hinein: Was bedeutet das für die Betriebe? Welche Auswirkungen hat das auf langfristige Entscheidungen? Wenn Themen sensibel sind, gehen wir bewusst in mehrere Runden: Infoveranstaltungen, Austauschformate, fachliche Einordnung. Am Ende entstehen so Positionen, die breit getragen werden. In vielen Fällen gelingt ein Konsens. Und dort, wo es ihn nicht gibt, entscheidet die demokratische Mehrheit. Wichtig ist der Weg: fair, respektvoll, transparent. Welche Themen werden aus Ihrer Sicht die nächste Wahlperiode prägen? Dr. Fabian Magerl: Wenn ich auf die kommenden Jahre schaue, sehe ich eine ganze Reihe von Themen, die schon jetzt unsere Arbeit prägen – angefangen bei der Frage, wie wir in einer wirtschaftlich angespannten Lage wieder zu stabilem Wachstum finden. Das berührt natürlich die großen Querschnittsfelder: die Digitalisierung, ohne die es kaum noch effiziente Geschäftsmodelle gibt; die Herausforderung, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen und am Standort zu halten; und die Entwicklung einer regionalen Identität, die Unternehmen bindet und Talente anzieht. Hinzu kommen die Themen, die im Alltag oft noch viel unmittelbarer wirken: Energiepreise, internationale Abhängigkeiten, Versorgungssicherheit. Und schließlich der technologische, vielleicht auch gesellschaftliche Wandel durch künstliche Intelligenz, dessen Auswirkungen wir heute nur in Ansätzen erahnen können. Entscheidend wird sein, Entwicklungen früh zu erkennen, einzuordnen und die regionalen Unternehmen so aufzustellen, dass sie ihre Chancen bestmöglich nutzen können. „Unterschiedliche Positionen sind kein Hindernis, sondern Voraussetzung für gute Entscheidungen.“ Seite 33

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