INTERVIEW Neue Wahlperiode, neue Impulse: Die Wirtschaft hat das Wort Vor der Wahl zur neuen Vollversammlung spricht IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fabian Magerl über Mitgestaltung, Verantwortung und den Wert des Ehrenamts – und warum all das der Schlüssel für eine starke Wirtschaft ist. Guten Tag, Herr Dr. Magerl. Die IHKWahl steht bevor. Was bedeutet dieser Übergang für Sie – und warum ist diese Wahl für die regionale Wirtschaft so wichtig? Dr. Fabian Magerl: Eine IHK-Wahl ist immer ein besonderer Meilenstein. Denn hier entscheiden Unternehmerinnen und Unternehmer selbst, wer die wirtschaftliche Entwicklung der Region in den nächsten fünf Jahren mitgestaltet. Jede Stimme zählt. Das macht die Wahl so bedeutsam: Nicht abstrakte Institutionen treffen Entscheidungen, sondern Menschen aus der Mitte der Wirtschaft – aus verschiedenen Branchen, mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkeln. Sie haben über ihre Wahlbeteiligung direkten Einfluss darauf, wie ihre Interessen vor Ort wahrgenommen und vertreten werden. Für mich persönlich bedeutet eine neue Wahlperiode auch: innehalten, schauen, was funktioniert hat, und sich ehrlich fragen, wo wir besser werden müssen. Darüber hinaus gilt, mit Hermann Hesse gesprochen, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt. Viele fragen sich, was sich durch eine neu zusammengesetzte Vollversammlung tatsächlich verändert. Was würden Sie sagen? Dr. Fabian Magerl: Sehr viel. Was sich grundsätzlich und unmittelbar durch jede Wahl verändert: Die neue Vollversammlung entscheidet über die Zusammensetzung des Präsidiums, über den Haushalt, über Positionierungen und zentrale Weichenstellungen der Kammer. Zudem wählt sie die Präsidentin oder den Präsidenten und bestellt die Hauptgeschäftsführerin bzw. den Hauptgeschäftsführer – und bringt damit auch mir ihr Vertrauen entgegen. Dabei prägen die persönlichen Hintergründe und Erfahrungen der Mitglieder die Arbeit der neuen Vollversammlung maßgeblich mit. Das bedeutet frische Ideen, andere Schwerpunkte und manchmal auch eine Art, Dinge ganz neu zu betrachten. Und es sorgt dafür, dass wir uns nicht zu sehr auf Routinen verlassen, sondern agil bleiben. Die Zusammensetzung der Vollversammlung zeigt, wie breit die Wirtschaft unserer Region ist. Leipzig, der Landkreis Nordsachsen, der Landkreis Leipzig – überall gibt es unterschiedliche Realitäten und Prioritäten. Diese Vielfalt sollte sich auch in allen Entscheidungen wiederfinden. „Eine IHK-Wahl ist eine Chance echter Einflussnahme – jede Stimme gestaltet mit, wie sich unsere Wirtschaftsregion entwickelt.“ Sie bewegen sich täglich im operativen Geschäft, die Vollversammlung setzt den strategischen Rahmen. Wie gelingt der Austausch zwischen diesen beiden Ebenen? Dr. Fabian Magerl: Am besten, wenn man versucht, Unterschiede nicht wegzudiskutieren, sondern diese bewusst nutzt. Wir als „das Hauptamt“ bringen Kontinuität, fachliche Tiefe und Umsetzungsstärke mit. Unser Ehrenamt darüber hinaus die betriebliche Realität – Erfahrungen, Stimmungen, Engpässe, Chancen. Unsere Aufgabe ist es, der Vollversammlung aufmerksam zuzuhören, ihre Positionen einzuordnen und Entscheidungen so vorzubereiten, dass sie Hand und Fuß haben. Und zwar immer mit dem Bewusstsein, dass die IHK kein Selbstzweck ist. Wir sind für unsere rund 70.000 Unternehmen da – deutlich über 90 Prozent von ihnen haben weniger als zehn Beschäftigte. Hier in Leipzig funktioniert der Austausch gut. Trotzdem bleibt es eine Aufgabe, unterschiedliche Erwartungen, Zeithorizonte und auch Unternehmerpersönlichkeiten so zusammenzuführen, dass am Ende gute Ergebnisse stehen. Wenn neue Mitglieder in die Vollversammlung kommen: Welche Chancen und welche Herausforderungen sehen Sie? Dr. Fabian Magerl: Neue Köpfe stellen neue Fragen, sehen Dinge unverstellt und bringen Perspektiven mit, die uns voranbringen. Dieser Blick von außen ist eine große Chance. Natürlich gibt 32 Seite
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