Regionale Wirtschaft auf stabilem Konjunkturpfad

Presse

27.10.2016

Industrie fährt Prognosen wieder zurück +++ Baugewerbe in Erfolgsspur +++ Aussichten im Dienstleistungsgewerbe auf Höchstniveau +++ Steigende Arbeitskosten dämpfen Erwartungen im Handel und Gastgewerbe

Die regionale Wirtschaft hält den eingeschlagenen Wachstumskurs wie im vergangenen Jahr bei. Die Lageeinschätzung der Unternehmen liegt im langjährigen Vergleich auf einem hohen Niveau, das unterstreicht deren gute Verfassung. Etwas verhaltener als zuletzt beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftsaussichten für die kommenden zwölf Monate. Der aktuelle IHK-Geschäftsklima-Index liegt somit bei 126 Punkten und damit nur zwei Punkte unter seiner bisherigen Bestmarke. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Konjunkturbefragung, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig im Herbst 2016 durchgeführt hat.

 „Die sächsische Wirtschaft wächst auch in diesem Jahr und die Ergebnisse unserer aktuellen Konjunkturbefragung können diesen positiven Trend auch für die Region Leipzig bestätigen. Fast die Hälfte der Unternehmen beurteilte die Geschäftslage mit gut. Der leichte Rückgang der Geschäftserwartungen liegt zum einen an saisonalen Schwankungen sowie branchenspezifischen Ursachen, ist zum andern aber auch dem Anstieg der Arbeitskosten etwa durch die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2017 geschuldet“, fasst Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig, zusammen.

An der Konjunkturbefragung im Herbst 2016 beteiligten sich 735 im IHK-Bezirk Leipzig ansässige Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit rund 44 000 Beschäftigten. Der ausführliche Ergebnisbericht steht unter www.leipzig.ihk.de/konjunktur als kostenloser Download zur Verfügung.

Lage

Die Unternehmen können wieder auf eine überaus gute Geschäftslage blicken. In allen Wirtschaftsbereichen verweist ein Großteil der Firmen auf eine günstige Geschäftsentwicklung. Mithin bestätigen sich die positiven Geschäftserwartungen vom Frühjahr. Der Lage-Saldo* verringert sich sowohl gegenüber dem Frühjahr als auch dem Vorjahresstand gerade einmal um einen auf +41 Punkte.

Erwartungen

Die Geschäftserwartungen der Unternehmen bleiben auch für die kommenden zwölf Monate hoch. Auch wenn der Saldo* gegenüber der Frühjahrsumfrage um drei auf +15 Punkte fällt, ist die wirtschaftliche Entwicklung in der Region stabil. So ist der Anteil der Optimisten doppelt so hoch wie der der Pessimisten. Hauptstütze des Wirtschaftswachstums ist weiterhin die Binnennachfrage. Dagegen wird der Außenhandel in den kommenden Monaten wohl kaum zusätzliche Wachstumsimpulse setzen.

Investitionen

Die Unternehmen bleiben bei ihren zurückhaltenden Investitionsplanungen vom Frühjahr. Der Saldo* liegt unverändert bei +7 Punkten. Einzig im Dienstleistungsgewerbe ist ein Anstieg der Investitionsaktivitäten zu erkennen. Fast die Hälfte der Firmen plant Ersatzbeschaffungen und etwa jeder fünfte Betrieb investiert in Rationalisierung, Innovationen oder in den Kapazitätsausbau.

Personal

Weiterhin positiv fallen die Personalplanungen der Unternehmen aus. Der Saldo* legt gegenüber dem Frühjahr sogar leicht zu und liegt bei +11 Punkten. Jedes fünfte Unternehmen plant Mitarbeiter einzustellen. Dem entgegen steht das schwindende Angebot an qualifizierten Fachkräften. Aktuell können 32 Prozent der befragten Unternehmen ihre offenen Stellen nicht innerhalb von zwei Monaten mit einem qualifizierten Bewerber besetzen. Dies waren zwei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Davon betroffen sind besonders das Bau- und Verkehrsgewerbe.

Ausgewählte Ergebnisse der einzelnen Wirtschaftsbereiche

  • Die Unternehmen in der Industrie bestätigen ihre ausgesprochen gute Geschäftslage, fahren ihre Prognosen jedoch wieder zurück. Insbesondere die Auslandsnachfrage verlief bisher schwächer als 2015.
  • Die Bauunternehmen bleiben weiter in der Erfolgsspur. Die Kapazitätsauslastung erreicht wiederum ein Spitzenniveau. Aufgrund der steigenden Nachfrage bleiben die Erwartungen äußerst zuversichtlich.
  • Auch im Dienstleistungsgewerbe laufen die Geschäfte glänzend. Die Unternehmen heben ihre Geschäftsaussichten sogar auf ein neues Höchstniveau und dürften ihrem Wachstumspfad weiter folgen.
  • Der Einzelhandel profitiert derzeit vom guten Konsumklima, blickt aber skeptischer in die Zukunft. Vor allem der steigende Konkurrenzdruck durch den zunehmenden Onlinehandel sowie die Entwicklung der Arbeitskosten durch den steigenden Mindestlohn drücken die Stimmung.
  • Im Großhandel haben sich die Lageeinschätzungen gegenüber der Frühjahrsumfrage verschlechtert, das Niveau liegt aber immer noch hoch. Positiv stimmen dagegen die ansteigenden Geschäftsaussichten der Branche.
  • Weiterhin gut präsentiert sich die Situation im Verkehrs- und Logistikgewerbe. Trotz einer unverändert hohen Nachfrage dämpfen jedoch die steigenden Arbeitskosten sowie die schwierige Fachkräfteakquise die Erwartungshaltung etwas.
  • In der Tourismusbranche laufen die Geschäfte nach wie vor sehr gut. Dennoch haben die Unternehmen ihre Prognosen nach unten revidiert. Neben saisonalen Gründen spiegelt sich in der Skepsis die Sorge vor steigenden Arbeitskosten (Mindestlohn), aber auch vor dem aktuell massiven Ausbau der Hotelkapazitäten speziell in der Stadt Leipzig wider.

*Saldo-Angaben ergeben sich aus der Differenz der Anteile der „gut“/“schlecht“-, „besser“/schlechter“- bzw. „steigen“/“fallen“-Antworten

Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen

Dem Arbeitsmarkt nicht die Luft zum Atmen nehmen!

Die aktuelle Arbeitsmarkt- und Beschäftigungssituation ist ausgesprochen freundlich. Dennoch stehen die Arbeitskosten auf dem Risikoradar der Unternehmen oben an. Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2017 wird die Kostenbelastung vieler Unternehmen zusätzlich erhöhen. Weitere Beschränkungen und Unsicherheiten wie die stärkere Regulierung der Zeitarbeit oder neue bürokratische Lasten in Form von Auskunfts- und Berichtspflichten im Rahmen des geplanten Entgeltgleichheitsgesetzes müssen unterbleiben. Es droht sonst die Gefahr, dass die positive Beschäftigungsentwicklung in der Region gefährdet wird.

Mobilität als Wachstumsmotor nicht abwürgen!

Mobilität und freie Fahrt für den Wirtschaftsverkehr sind Schlüsselgrößen für das Wirtschaftswachstum der Region Leipzig. Speziell in der Stadt Leipzig verunsichern die Wirtschaft verschiedenste, immer neue Überlegungen für weitere Einschränkungen im Zuge der Luftreinhaltung und des Lärmschutzes, beispielsweise neue Umweltzonen für eine blaue Plakette, Gedanken zur Einführung einer Citymaut, aber auch verkehrsplanerische Utopien zur Sperrung des Leipziger Innenstadtrings. Die Leipziger Verwaltungsspitze muss deshalb solchen Ideen mit Nachdruck entgegentreten und das Verkehrskonzept für die wachsende Stadt und den Wirtschaftsverkehr sattelfest machen.

Tourismus nicht durch neue Abgaben belasten!

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschafts- und Imagefaktor für die Region. Steigende Gästezahlen belegen dies eindrucksvoll. Durch das neue Kommunalabgabengesetz in Sachsen können mehr Städte als bisher touristische Abgaben in Form einer Gästetaxe oder Tourismusabgabe erheben. Diese Möglichkeiten sind mit Bedacht zu wählen und dürfen kein Freibrief sein. Nur bei einem gleichlaufenden Ausbau von touristischen Angeboten sind zumindest die Gästetaxen gerechtfertigt. Die nicht zweckgebundene Bettensteuer bzw. Kulturförderabgabe zur Sanierung der Haushalte ist weiterhin strikt abzulehnen. Ein gesetzliches Verbot wäre hier weiterhin wünschenswert

Entsorgungsnotstand für Styropor beseitigen!

Mit der neuen Abfallverzeichnisverordnung auf Grundlage einer EU-Richtlinie gilt als Bau- und Dämmstoff verarbeiteter Styropor durch die enthaltenen Brandschutzmittel als Sondermüll. Zahlreiche Fassaden – auch in der Region Leipzig – wurden damit seit 1990 gedämmt. Nur noch wenige Entsorgungsanlagen dürfen derzeit solche Styroporabfälle behandeln. Daher drohen nun massive Entsorgungsprobleme, denn entsprechende Abfälle werden seit Oktober 2016 häufig nicht mehr angenommen. Im Interesse der Bauwirtschaft, aber auch der vielen Investoren, die derzeit in und um Leipzig die Gebäudesubstanz modernisieren, ist eine schnelle Lösung für die fachgerechte Entsorgung dieser Baustoffe notwendig. Dafür ist vor allem der Freistaat Sachsen in der Verantwortung.

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